Interview über Aberglaube und Forschung

Natalia Belitski: „Ich glaube an das Gute im Menschen“

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Natalia Belitski ist als chaotische Kantinenkraft in „Undercover küsst man nicht“ auf SAT.1 im Einsatz (Dienstag, 27. September, 20.15 Uhr).

Schauspielerin Natalia Belitski spricht im Interview über Glaube, Aberglaube und die Macht der Forschung.

Seit 40.000 Jahren sind Neandertaler ausgestorben - aber nicht auf RTL II. Dort leben sie in der neuen Crime-Drama-Serie „Neandertaler“ (Dienstag, 20., und Mittwoch, 21.9., jeweils 20.15 Uhr) noch mal auf, wiedererschaffen von einem skrupellosen Wissenschaftler. Ihnen buchstäblich auf den Fersen ist die junge Rechtsmedizinerin Lena Taubner, gespielt von Natalia Belitski, die nun im Interview über ihren Glauben an die Forschung, die Gesellschaft und sich selbst sprecht. Und da hat die 32-Jährige durchaus einiges zu berichten, denn die Karriere scheint derzeit richtig Fahrt aufzunehmen: Belitski ist auch im eher romantisch-leichten Unterhaltungsfilm „Undercover küsst man nicht“ (Dienstag 27.9., 20.15 Uhr, SAT. 1) als quirlige Kantinenkraft Lea Staub zu sehen.

nordbuzz: Frau Belitski, zuerst eine einfache Frage: Woran glauben Sie?

Natalia Belitski: (lacht) Das finde ich keine einfache Frage. Was meinen Sie genau?

nordbuzz: Ganz allgemein: Ob nun an das Schicksal, an Ufos oder an den Weihnachtsmann.

Belitski: An nichts davon. Ich glaube an den Optimismus. So kitschig das klingen mag: Ich glaube an das Gute im Menschen.

nordbuzz: Was ist mit Religion?

Belitski: Ich bin ein bisschen religiös erzogen worden.

nordbuzz: Was meinen Sie mit „ein bisschen“?

Belitski: Meine Mutter ist russisch-orthodox. Sie hat mich auch getauft, aber das war eine ganz heimliche Angelegenheit. Sie haben das in einer kleinen Dorfkirche in Sibirien gemacht. In meine Erziehung mütterlicherseits ist auch ihr Glauben mit eingeflossen, und das ist natürlich geblieben. Das meine ich mit „ein bisschen“.

„Aberglaube und Riten finde ich höchstspannend“

nordbuzz: Wie steht es mit Aberglaube?

Belitski: Aberglaube und Riten finde ich höchstspannend. Ich würde mich aber nicht als besonders abergläubisch beschreiben. Es ist eher eine Faszination als ein Glaube.

nordbuzz: Also eher eine Realistin?

Belitski: Auf jeden Fall.

nordbuzz: In der schnelllebigen Welt des Schauspiels muss man sicher auch früh einen gesteigerten Glauben an sich selbst entwickeln.

Belitski: Ich habe zumindest einen Glauben an meinen Willen.

nordbuzz: Das müssen Sie erklären.

Belitski: Ich weiß: Ich habe einen starken Willen. Den muss man auch haben in diesem Beruf, und zwar schon in der Schauspielschule, wo man zum ersten Mal für sich und seine Arbeit einsteht. Auch später, etwa beim Vorsprechen am Theater, braucht man irgendeine Kraft, die einen antreibt, ansonsten würde man schnell aufgeben.

nordbuzz: Und Sie hatten diese Kraft von Beginn an?

Belitski: Auf jeden Fall habe ich schon immer für meine Wünsche gekämpft. Wobei man jetzt auch nicht unbedingt annehmen sollte, dass wir Schauspieler in einer reinen Einzelkämpferwelt leben. Es gibt genug Teamwork und Zusammenhalt.

nordbuzz: Haben Sie neben dem Selbstvertrauen auch Selbstzweifel?

Belitski: Selbstzweifel gibt es immer.

nordbuzz: Werden die nicht kleiner, je größer der Erfolg wird?

Belitski: Nein! Je größer der Erfolg wird, umso größer werden auch die Anforderungen von anderen und einem selbst. Damit entsteht ein gewisser Druck. Wobei man auch den als positiv ansehen kann, denn er hält einen davon ab, sich auszuruhen.

„Ich möchte auch da an das Gute im Menschen glauben“

nordbuzz: Was ist mit dem Glauben an den Rest der Gesellschaft? Den Fortschritt? Die Wissenschaft?

Belitski: Ich möchte auch da an das Gute im Menschen glauben. Aber wenn man sich vergegenwärtigt: Der Mensch hat sogar schon die Atombombe erfunden, also das, was ihn selbst und seine komplette Umwelt zerstören könnte. Glücklicherweise gibt es dann aber doch politische Vereinbarungen und Zusammenschlüsse, die genau das verhindern sollen. Das macht grundsätzlich doch Mut.

nordbuzz: Die Serie „Neandertaler“ basiert nun auf dem Glauben, die Wissenschaft könnte uraltes Leben wiedererschaffen. Haben Sie das Drehbuch zweimal lesen müssen, um diesen Glauben zu teilen, auch wenn es in den Bereich „Fiction“ fällt?

Belitski: Ein amerikanischer Wissenschaftler hat ja schon erklärt, dass die Forschung bereits in der Lage wäre, eine solche Geschichte in der Realität zu erzählen.

nordbuzz: Sie meinen Professor George Church von der Harvard University, der meint, man wäre schon so weit, Neandertaler zu klonen.

Belitski: Genau. Von ihm stammt die Info, dass ein gut genug erhaltener DANN-Strang dafür ausreichen würde. Von daher denke ich auch, dass alles im Bereich des Möglichen ist. Die Russen sind ja gerade schon dabei, einen Mammut zu klonen.

nordbuzz: Wie finden Sie das?

Belitski: Ich finde das ganz spannend. Hätte ich die Chance, mir das mal anzugucken, würde ich es auf jeden Fall tun.

Genetik? „Ein wahnsinnig heikles Thema“

nordbuzz: Finden Sie diese Möglichkeiten nicht auch ein bisschen unheimlich?

Belitski: Das Mammut jetzt nicht (lacht). Aber das Klonen an sich: Natürlich! Manchmal macht es einen wahnsinnig, was jetzt schon oder in naher Zukunft alles möglich sein wird. Ich denke da etwa auch an die Erschaffung von künstlicher Intelligenz.

nordbuzz: Inwiefern?

Belitski: Na ja, es gibt eine Randgruppe Wissenschaftler, die die Ansicht vertreten, es sei sinnvoller, sich auf die Forschung zu konzentrieren, wie man mit einer möglichen künstlichen Intelligenz umgehen wird oder diese unter Kontrolle zu behalten, da sie wahrscheinlich den derzeitigen Fragen der Wissenschaft innerhalb weniger Momente Antworten liefern könnte.

nordbuzz: Was würden Sie denn selbst am liebsten erschaffen, wären Sie eine Forscherin?

Belitski: Ich würde versuchen, mich für den Umweltschutz einzusetzen und den Erhalt der natürlichen Ressourcen. Und ich würde in die Krankheitsforschung gehen - wobei das dann wahrscheinlich auch schon wieder in den Bereich der Genetik und Genmanipulation gehen würde.

nordbuzz: Würde Sie das von der Forschung abhalten?

Belitski: Es ist ein wahnsinnig heikles Thema, denn einerseits könnte es ja sein - wie es auch in der Serie heißt -, dass man durch Genmanipulation möglicherweise irgendwann den Menschen in jeglicher Krankheitssituation heilen könnte. Und wenn es in meiner Familie darum ginge, jemanden, der schwer krank ist, wieder gesund zu machen, würde ich natürlich sagen: Ja, und egal, um welchen Preis! Sein persönliches Umfeld stellt man ja schnell über allgemein geltende moralische und ethische Werte.

tsch

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