Dr.-House-Darsteller im Interview

Hugh Laurie: „Ich bin wie ein Ball beim Flipper“

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Vom Arzt zum Waffenhändler: Hugh Laurie, der als „Dr. House“ zum Serienstar avancierte, feiert mit „The Night Manager“ sein Comeback auf großer Bühne.

Für viele wird er wohl immer „Dr. House“ bleiben: Hugh Laurie, Schauspieler, Musiker, Autor - und jetzt im ZDF zu sehen in der Thrillerserie „The Night Mangager“.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt das Kino als Königsdisziplin für einen Filmschauspieler. Aufs Fernsehen blickte man eher verächtlich, und wenn man Rollen annahm, dann weil man musste. Hugh Laurie sieht das anders: „Dass ich keine Kinofilme machte“, erzählt der britische Schauspieler, hat „einen ganz banalen Grund: Die guten Drehbücher, die mir angeboten wurden, waren einfach TV-Serien.“ Und so war es dann auch eine Serien-Rolle, die wohl auf immer mit Laurie verbunden sein wird: 177 Folgen lang spielte er den eigenwilligen Mediziner „Dr. House“. Nun ist der 57-Jährige erneut in einer Serie zu sehen: Ab 29. August zeigt das ZDF, immer montags, 22.15 Uhr, „The Night Manager“ - basierend auf einem Buch von Altmeister John le Carré.

„Als ich den Roman vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal las, stellte ich mir vor, die Rolle des Helden zu spielen“, erinnert sich Laurie. Daraus wurde nichts: Regisseurin Susanne Bier sah den Schauspieler offenbar lieber in der Rolle des Bösewichts; den Helden verkörpert statt seiner Tom Hiddleston. Laurie selbst spielt Richard Roper, der als Waffenhändler in sämtlichen Krisengebieten dieser Welt hervorragende Geschäfte macht.

„'The Night Manager' als Serie zu verfilmen, war eine ziemlich gute Idee“, glaubt Laurie. „Nur so konnte man dem Detailreichtum des Romans gerecht werden. Für meinen persönlichen Geschmack wurden die besten John-le Carré-Verfilmungen immer fürs Fernsehen gemacht. Sein Stil verlangt nach Zeit für Details, die man sich im Kino einfach nicht nehmen kann. Das Leben ist zu komplex für 90 Minuten.“

„The Night Manager“ nimmt sich nun achtmal 45 Minuten Zeit, um eine in der Tat komplexe Geschichte zu erzählen, in der ZDF-Ausstrahlung aufgeteilt auf drei Abende.

Die Serie ist nicht Lauries erster Ausflug in die Welt der Waffenhändler: 1996 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „The Gun Seller“, eine humoristische Herangehensweise an die Welt von Geheimagenten und Spione. „Witziger Zufall, oder?“, meint Laurie. Auch an einer Fortsetzung arbeitet der Teilzeit-Autor Laurie bereits: „Ich weiß, dass ich schon zehn Jahre Verspätung habe. Aber immerhin habe ich mit dem zweiten Roman schon angefangen“, verrät er.

Seine Karriere begann Laurie, wie so viele seiner britischen Kollegen, in Cambridge: Bei den Cambridge Footlights, der Theatergruppe der Eliteuniversität, schnupperte er während seines Anthropologie-Studiums erste Bühnenluft. Ende der 1970-er war das. Zuvor hatte der 1959 in Oxford geborene James Hugh Calum Laurie die Schule in Eton abgeschlossenen, einem der teuersten Internate der Insel, auf dem schon spätere Premierminister und britische Royals die Schulbank drückten - da passt es ins Bild, dass Laurie 2007 von der Queen zum Officer des Order of the British Empire ernannt wurde.

Zunächst aber, 1986, die erste Fernsehserie: An der Seite von Rowan Atkinson spielte Laurie in drei Staffeln der genialen, in Deutschland viel zu unbekannten Comedy-Serie „Blackadder“. Auch danach blieb Lauries Ruhm zunächst auf die Insel beschränkt: Mit Stephen Fry, seinem besten Freund aus Cambridge-Zeiten, machte er in der BBC-Sketch-Serie „A Bit of Fry & Laurie“ einen auf Monty Python - mit durchschlagendem Erfolg. Wenn Laurie in Kinofilmen mitwirkte, dann allerdings nur in Nebenrollen oder in arg Obskurem wie dem Spice-Girls-Film „Spiceworld“. Dass er ein Mann des Fernsehens ist, weiß Laurie. Nicht umsonst heißt die Rockband, in der er ab und an Keyboard spielt, wohl „Band From TV“.

Nachdem Anfang der Nullerjahre die britische Ärzteserie „Dr. Slippery“ mit Laurie in der Hauptrolle nicht zündete, trainierte sich der heute dreifache Vater einen amerikanischen Akzent an - nur, um erneut einen Arzt zu spielen. Diesmal besagten „Dr. House“, die Rolle, die Laurie weltberühmt machte. „Ich liebte Dr. House, er bot mir das Beste aus beiden Welten: Drama und Komödie“, erinnert sich Laurie an die US-Serie. Neun Jahre spielte Laurie den schrulligen Nephrologen. „Es war nie mein Plan, so lange Dramaserien zu machen“, sagt Laurie jetzt, vier Jahre nach dem Ende von „Dr. House“. „Wenn ich es mir recht überlege: Ich habe überhaupt keinen Plan, was meine Karriere betrifft. Ich bin da eher wie ein Ball beim Flipper.“

tsch

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