Warten in der Wüste der Wohlhabenden

Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ im Heimkino

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Fahrer Yousef (Alexander Black, links) zeigt Clay (Tom Hanks) sein Saudi-Arabien.

Tom Tykwer und Tom Hanks erzählen im wunderbar lakonischen Drama „Ein Hologramm für den König“ von der Suche nach dem Glück in der Fremde.

Er sieht nichts als Sand und hofft hier doch auf etwas ganz Großes: Um sich und seine kaputte Firma vor dem Bankrott zu retten, reist Alan Clay (Tom Hanks) in die saudische Wüste. Er möchte König Abdullah futuristische Hologramm-Technik verkaufen. Doch der König kommt nicht. Also wartet der US-Geschäftsmann. Und wartet. Und wartet. Nach esoterischen Ausflügen mit den Wachowskis in „Cloud Atlas“ und „Sense8“ probiert sich Regisseur Tom Tykwer in seiner Romanadaption „Ein Hologramm für den König“ (2016) an einem zeitlosen Stoff von bestechender politischer Aktualität. Immerhin 200.000 Besucher lockte die vielschichtige Groteske in die deutschen Kinos, die nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erscheint.

Gefangen im ewigen Loop fährt Clay Tag für Tag hinaus in eine noch nicht fertiggestellte „Stadt“ inmitten der Wüste Saudi-Arabiens und wartet in der tristen Baustelle auf seine Majestät. Doch statt des Oberhauptes des wohlhabenden Königreiches erwarten ihn jedes Mal aufs Neue seine mäßig motivierten Mitarbeiter, ein provisorisches Zelt ohne Internetanschluss und die unbarmherzige Hitze.

Beststeller perfekt inszeniert 

Tykwer versteht es, die immanente Absurdität des Bestsellers von Dave Eggers perfekt zu inszenieren: Wenn der westliche Businessman mit Aktentasche in der traditionellen Gesellschaft des Orients auf seine letzte Chance hofft, dann beschreibt „Hologramm für den König“ ganz konkret die Herausforderungen der aktuellen politökonomischen und kulturellen Weltenlage. Einerseits ein Abgesang auf die einst so unerschütterliche Wirtschaftsordnung, macht der Film auch die ängstlich beäugte Entwicklung des Islam zum Thema, mit der sich der Westen in Zeiten von Terror und Flüchtlingskrise auseinandersetzen muss.

Clay nähert sich dieser rätselhaften Welt zwangsläufig - aus Langeweile: Weil der König eben nicht kommt, lässt er sich umherfahren und Saudi-Arabien zeigen. Er entdeckt dabei ein Land der Ambivalenzen, zwischen wirtschaftlichem Reichtum und gesellschaftlicher Rückständigkeit, zwischen herzlichen Menschen und autoritärem Staatsapparat. Und er trifft auf die Ärztin Zahra (Sarita Choudhury).

Intime Annäherung zweier Menschen

In der intimen Annäherung zweier Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen einsam erscheinen, entspannt sich eine der am unaffektiertesten erzählten Liebesgeschichten seit Ewigkeiten. Auch spiegelt sich darin die empathische Intention dieser Geschichte: Wenn Mensch auf Mensch trifft, von Angesicht zu Angesicht, ist man sich trotz aller Fremdheit näher, als es einem jegliche Ideologie glauben machen will.

tsch

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