John Travolta

Ein Hoch auf die Familie

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John Travolta mal wieder in der Rolle des bösen Buben: "Es ist natürlich nicht allgemein so, dass ich auf Gangster stehe. Ich mag es einfach, wenn Figuren mir etwas geben, womit ich das Publikum unterhalten kann. Und das tun Gangster eben oft."

Kult-Schauspieler John Travolta redet im Interview über Gangster, Familie und Quentin Tarantino.

Er geistert derzeit vor allem als "Confused Travolta" durchs Netz. Die Animation zeigt John Travolta in der Rolle des Vincent Vega aus "Pulp Fiction", wie er an den unterschiedlichsten und unmöglichsten Orten verwirrt durch die Gegend blickt. Es ist bezeichnend, dass der Star, der zweimal für den Oscar nominiert war, aktuell mehr durch Internet-Phänomene als seine Schauspielleistungen in der Öffentlichkeit steht. Stören dürfte ihn das nicht sonderlich, ist der Schauspieler aus "Grease" und "Saturday Night Fever" doch spätestens seit "Pulp Fiction" (1994) fraglos Teil eines Kultes, der nie vergeht. Ab 31. März ist der 62-Jährige als halb-italienischer Mafiaboss in "Criminal Activities" in den Kinos zu sehen. In der schwarzhumorigen Gangster-Komödie geht es um die zentralen Themen des Klans: Familie, Geldverleihen und Rache. In einem genau 13 Minuten langen Interview-Quickie um 6 Uhr morgens spricht Travolta am Telefon über seinen Umgang mit Kriminellen, verrät, was er an bösen Typen mag und was er von einer erneuten Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino hält.

teleschau: Disko-König, Anwalt, Mafia-Boss: Sie verkörperten in Ihrer Karriere bisher sehr viele verschiedene Figuren. Was finden Sie toll an der Rolle des Gangsters Eddie in "Criminal Activities"?

John Travolta: Ich mag ihn, weil er im Gegensatz zu einem klassischen Gangster einen interessanteren Charakter hat. Für mich kommt Eddie rüber wie ein Typ von der Wall Street, der clever ist und ein Unternehmen leitet. Er verkörpert nicht das Klischee eines bösen Jungen und erschien mir anders als das Durchschnitts-Porträt eines Kriminellen.

teleschau: Was reizt Sie an solchen bösen Typen?

Travolta: Das hängt immer davon ab, wie gut die Figur geschrieben ist und wie ich die Story finde. Es ist natürlich nicht allgemein so, dass ich auf Gangster stehe. Ich mag es einfach, wenn Figuren mir etwas geben, womit ich das Publikum unterhalten kann. Und das tun Gangster eben oft.

teleschau: Und Sie bringen das gerne rüber?

Travolta: Ja, ich versuche die Figuren humorvoll und einfühlsam zu gestalten, so dass sie andere Charaktere leicht hinters Licht führen. Wenn die anderen schon aus zehn Kilometer Entfernung erkennen, dass einer böse ist, dann lassen sie sich von ihm ja nicht in dunkle Machenschaften ziehen.

teleschau: Haben Sie sich jemals Geld von Typen wie Eddie geliehen?

Travolta: Gott sei dank nicht. Ich habe auch niemals jemanden dazu motiviert, sich Geld zu leihen. Das heißt natürlich nicht, dass andere Menschen sich mir gegenüber nicht kriminell verhalten haben. Kriminelle haben durchaus mein Leben infiltriert, und das hat sich einfach schrecklich angefühlt. Im ersten Moment denkt man, man hat einen Freund, dem man vertrauen kann. Dann findet man plötzlich heraus, dass das nicht der Fall war. Dieses Gefühl wünsche ich wirklich niemandem. Zum Glück weiß ich jetzt, wie ich mich am besten schützen kann.

teleschau: Und wie man Rache verübt?

Travolta: Nein, das auf keinen Fall. Manchmal ist es nötig, einem Gegner einen kräftigen Schlag zu versetzen, symbolisch gemeint, aber Rache ist etwas ganz anderes. Wenn natürlich jemand in dein Haus kommt und du richtig stellen willst, dass er dich nicht ausraubt oder tötet, musst du dafür sorgen, dass du die Situation unter Kontrolle hast. Aber das ist ja nur Selbstschutz, keine Rache. Rache ist komplizierter, da kann man wirklich Ärger bekommen.

teleschau: Warum sind Mafia-Bosse immer so auf ihre Familien bedacht?

Travolta: Ich denke, dem typische Mafiosi geht es vor allem um seine Mafia-Familie, an zweiter Stelle erst folgt seine echte. Die Familie gibt ihnen wohl eine gewisse Stabilität in ihrer verrückten Welt. Außerdem ist das eine historische Sache, die mit ihrer Herkunft aus Italien zu tun hat: Hier kommt die Familie immer an erster Stelle. Natürlich gibt es eine Menge toller Menschen, die keine Kriminellen sind und ihre Familien lieben, so wie ich. Familie ist sehr wichtig. Sie hält die Gesellschaft am Leben und sorgt dafür, dass sich die Welt weiter dreht.

teleschau: Mussten Sie einmal einem Neffen auf die Finger klopfen, weil dieser in Schwierigkeiten war?

Travolta: Naja, ja, aber das war ganz anders als im Film. Ich habe in meinem Leben verschiedenen Menschen geholfen, Freunden und Familienmitgliedern, und ich musste auch mal die ein oder andere Standpauke halten (lacht). Aber meine Hilfe beschränkt sich meist auf das Finanzielle.

teleschau: Der Film "Criminal Activities" scheint eine große Hommage an den Klassiker "Pulp Fiction" zu sein ...

Travolta: Der Film beinhaltet sicherlich einige Teile, die an "Pulp Fiction" erinnern. Aber das meiste ist trotzdem komplett anders. Die vier Jungs geraten in etwas rein, aus dem sie sich nicht mehr davon befreien können. Die Ähnlichkeiten zu "Pulp Fiction" sind eher stilistischer Art, nicht die Story betreffend.

teleschau: Was ist denn so toll an diesem Stil der 90-er-Jahre?

Travolta: Naja, als "Pulp Fiction" erschien war diese Art des Filmemachens revolutionär: Der Stil, die Dialoge und die Qualität. Das war für alle ein großer Spaß, so frisch und unterhaltsam.

teleschau: Werden Sie in Zukunft wieder mit Quentin Tarantino zusammenarbeiten?

Travolta: Natürlich, ich weiß gar nicht warum wir das bisher noch nicht gemacht haben (lacht). Nein wirklich, ich würde liebend gerne noch mal mit ihm arbeiten.

teleschau: Eine zeitlang wollte Tarantino eine Geschichte über die Figur Vincent Vega machen, den Sie in "Pulp Fiction" verkörperten. Denken Sie, die Möglichkeit besteht noch?

Travolta: Man kann nie wissen. Quentin ist ein Mann, der seine eigenen Entscheidungen trifft. Er ist wundervoll, also warten wir es einfach mal ab (lacht).

teleschau: Nervt es sie eigentlich, nach über 20 Jahren immer noch nach "Pulp Fiction" und Quentin Tarantino gefragt zu werden?

Travolta: Nein, keineswegs. Ich bin sehr stolz auf meine Zusammenarbeit mit Tarantino und den Film "Pulp Fiction", genauso wie auf alle anderen Filme, die ich gemacht habe. Es stört mich also überhaupt nicht, wenn mich irgendwer nach irgendeinem meiner Filme fragt.

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