The Get Down - Staffel 1

HipHop war schon immer bunt

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Der Titel kommt von den Hood-Partys, den Zusammenkommen, bei denen DJs und die MCs, also Rapper, für schweißtreibende Stimmung sorgten.

Ein blasser Australier und die Geburtsstunde des HipHop: Baz Luhrmann lässt in der Bronx der 70-er die Puppen tanzen.

Jeder frage nur, wie der Kuchen schmecke. Niemand wolle wissen, was seine Zutaten sind. Die seien nämlich in den 70-ern aufgetischt worden, nicht in den 80-ern, als HipHop erstmals kommerzielle Erfolge feierte. Darüber mokierte sich Grandmaster Flash bildhaft beim Promotion-Tag zu „The Get Down“ in London, wiederholte sein Klagen immer und immer wieder. Die DJ-Legende der ersten Stunde untermauerte damit auch, wie eminent wichtig es war, die fiktionale Coming-of-Age-Erzählung während der Geburtswehen seiner Musikgattung anzusiedeln, in den 70-ern. Kopf der Netflix-Produktion ist allerdings ein anderer: Hollywood-Größe Baz Luhrmann. Der Filmemacher betreibt den gewohnt hohen Aufwand, um die Ingredienzien des HipHop für die Wohnzimmer der Welt gewissenhaft aufzustückeln. Die erste Serie des Australiers startet am 12. August exklusiv bei Netflix.

Pompös mag er es für gewöhnlich, bunt und ausladend. Luhrmanns bekannteste Werke sind opulente Prunk-Orgien, „Moulin Rouge!“, „Der große Gatsby“ und „William Shakespeares Romeo & Julia“. Seine Angetraute, Set- und Kostüm-Designerin Catherine Martin, ist durch die gemeinsame Arbeit bereits zwei Oscars schwer. Doch: So richtig scheint die Geburtsstätte des HipHop nicht in die Filmwelt des Power-Paares zu passen. Es geht um die South Bronx, seit jeher ein sozialer Brennpunkt New Yorks. Kaum Arbeitsplätze, heruntergekommene Sozialbauten, Drogen, Gewalt, keine Persepekitve.

Luhrmann kommt nicht umhin, diese Seiten aufzuzeigen. Seiten, die über Jahre hinweg die Berichterstattung über den Stadtteil und so das Bild davon prägten. Doch der Filmemacher scheute keine Mühen, nachzuhaken. Über zehn Jahre hinweg baute der 53-Jährige ein Netzwerk von Leuten auf, die ihn die Bronx dieser Zeit näherbrachten. Und schon kamen wieder seine geliebten Farben und Überhöhungen ins Spiel. Denn seine Berater, darunter Grandmaster Flash, DJ Kool Herc und Rap-Historiker Nelson George, erzählten ihm von einer freudigen Kindheit damals in den 70-ern, von Zusammenhalt, Freiheiten und vor allem einem unfassbar kreativen Geist, der in der vermeintlichen Gosse spukte.

Durch diese Erinnerungen weist Luhrmann seine Helden. Und er erdachte sich eine ganze Menge davon, die allesamt in der Pilotfolge langatmig ins Schaufenster gestellt werden. Allen voran Ezekiel (Justice Smith), ein begabter Poet, der sich anfangs aber mit seiner Kunst noch nicht in den Vordergrund traut. Zu seiner ebenso kreativen Entourage gehören Dizzie (Jaden Smith) und dessen Brüder. Gute Jungs, die unbedingt in die Welt der „Get Downs“, also der ersten HipHop-Straßen-Partys, eintauchen wollen. Dazu streuten die Macher auch einzelne tatsächliche Größen der Anfangstage ein, so etwa Grandmaster Flash (Mamoudou Athie).

Luhrmann spart den Blick in den Untergrund nicht aus; Schutt und Grau, Gewalt, Drogen und politisches Gemauschel will er gar nicht vertuschen. Doch seine Kraft zieht „The Get Down“ vor allem aus der Rosa-Rote-Brille-Sicht des zusammengetrommelten Beraterstabs. Luhrmann übersetzt diese mit überzogener, gar trashiger Kung-Fu-Film-Ästhetik und teils eigens produzierter, ungemein mitreißender musikalischer Dauerbeschallung. Es dauert allerdings etwas, bis auch erzählerisch Pepp hineinkommt und sich die vielen vorgestellten Protagonisten erklären.

tsch

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