Tom Beck

Gutes Aussehen - und mehr?

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Tom Beck sagt im Interview, er könne vieles, „aber nichts richtig“. Für seine erste Kinohauptrolle hat es nun trotzdem gereicht: In „Stadtlandliebe“ (ab 7. Juli) ist der 38-Jährige neben Jessica Schwarz zu sehen.

Mit der Beziehungskomödie „Stadtlandliebe“ von Marco Kreuzpaintner ist Tom Beck erstmals in einer Kinohauptrolle zu sehen. Florian David Fitz sagte wohl ab, Elyas M'Barek sei zu teuer gewesen, witzelt der 38-Jährige im Interview.

Tom Beck ist, man muss es klipp und klar sagen, ziemlich heiß. Ein Bild von einem Mann und dabei so herrlich entspannt. Beim Interview in München erscheint der langjährige „Alarm für Cobra 11“-Star ganz uneitel in Sweatpants und T-Shirt; Baseball-Kappe und Sonnenbrille sorgen für den perfekten Inkognito-Auftritt. Ansonsten spricht der charmante Franke mittlerweile feinstes Hochdeutsch, immerhin lebt er nun schon acht Jahre in Köln. Sein Handwerk hat der 38-jährige Schauspieler an der Münchner Theaterakademie gelernt, wo er Musical studierte. Bis heute ist die Musik, die Tom Beck recht erfolgreich betreibt, neben der Schauspielerei seine große Liebe. Nach kleineren Rollen in den Filmen von Til Schweiger („Zweiohrküken“, 2009) und Matthias Schweighöfer („Vaterfreuden“, 2014) zeigt er nun in „Stadtlandliebe“, was er hat - und kann.

nordbuzz: Glückwunsch, in „Stadtlandliebe“ spielen Sie Ihre erste Kino-Hauptrolle.

Tom Beck: Ach, ob Kino oder Fernsehen, das ist mir eigentlich wurscht. Klar, in dem Fall war es schon toll - eine Hauptrolle neben Jessica Schwarz! Keine Ahnung, warum ich sie bekommen habe, es gab auch gar kein Casting. Vermutlich wurden vor mir schon zwei, drei andere Leute gefragt. Nach dem Motto: Florian David Fitz hat abgesagt, und Elyas M'Barek ist uns zu teuer. Egal, ich freue mich, dass es geklappt hat.

nordbuzz: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie eine Rolle nicht bekommen?

Beck: Ich habe eher ein sonniges Gemüt und versuche, locker zu bleiben. Ich hatte dieses Jahr auch ein Casting für eine Rolle, die ich wahnsinnig gerne gespielt hätte. Wurde nichts draus. Aber dadurch, dass ich viel drehe, erlange ich genug Bestätigung und Selbstbewusstsein für mein Schauspieler-Ego. Und ich habe auch noch die Musik als weiteres Standbein. Das gibt mir die nötige Freiheit, glaube ich, alles ein bisschen lockerer zu sehen.

nordbuzz: Sie und Jessica Schwarz spielen im Film ein Paar, das aus Berlin aufs Dorf zieht. Auf dem Land zu leben ist ein Traum vieler Städter. Können Sie diese Sehnsucht nachvollziehen?

Beck: Na ja, ich bin in einem 600-Seelen-Kaff in Franken aufgewachsen, insofern kenne ich das Dorfleben sehr gut. Ich bin damals mit 18 weggezogen und lebe seither in Großstädten, erst in München, dann in Köln. Ich kann das schon nachvollziehen, dass man wieder zurück will. So ein Wunsch nach Entschleunigung, nach einer Oase der Ruhe, das kann ich nachempfinden. Ich war gerade drei Tage bei meinen Eltern, und wenn man da so auf der Terrasse sitzt und sich umschaut im Garten mit den eigenen Stachelbeeren, dann finde ich das schon ganz nett. Und dazu noch eine Stadtwohnung, das wäre perfekt. Ich wollte auch immer unbedingt, dass mal meine Kinder auf dem Land aufwachsen. Ich bin da ganz spießig.

nordbuzz: Wie ist es, wenn Sie nach Hause kommen, in das Dorf, in dem Sie aufgewachsen sind?

Beck: Also wenn, dann ist der „Domas“ da. Aber da gibt es schon eine gewisse Distanz. Ich spreche mittlerweile auch nicht mehr Fränkisch, und das ist für viele nicht nachzuvollziehen. Dann heißt es, jetzt hält er sich für was Besseres. Aber die Leute sind schon noch herzlich. Ich würde mir manchmal wünschen, dass sie einen fragen, wie es einem geht und was man für Sorgen hat. Aber es sind eher so Fragen: „Und, der Schweighöfer ist ganz nett, oder?“ Das hat jetzt weniger mit mir zu tun. Ich habe ja auch noch ein anderes Leben und hänge nicht nur mit den Filmleuten ab.

nordbuzz: Aber Sie sind doch bestimmt auch selbst noch Fan ...

Beck: Ich verstehe natürlich, dass man Menschen mit einem gewissen Respekt begegnet, die man aus dem Kino oder Fernsehen kennt. Das geht mir auch so. Neulich saß ich gemeinsam mit Smudo acht Stunden in der Garderobe. Da bin ich rumgetigert und habe versucht, mit ihm zu sprechen. Der hat dann wahrscheinlich gedacht, das ist dieser „Alarm für Cobra 11“-Fuzzi und war kurz angebunden. Insofern kann ich das schon nachvollziehen, dass man da eine gewisse Hemmschwelle hat.

nordbuzz: Im Film will die von Jessica Schwarz gespielte Anna unbedingt ein Kind. Ihre Figur Sam kriegt dagegen Panik. Würde es Ihnen genauso gehen?

Beck: Total! Ich meine, ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich nicht mehr aus allen Wolken fallen würde. Aber ich glaube, das ist erstmal ein Schock. Ich wäre erstmal überfordert. Wäre mir das mit 30 passiert, wäre das der Supergau gewesen. Aber jetzt will ich Kinder. Vielleicht gibt es da keinen perfekten Zeitpunkt.

nordbuzz: Das große Thema des Films ist die Frage, ob man eigentlich das Leben lebt, das man sicher immer vorgestellt hat. Sind Ihnen solche Gedanken bekannt?

Beck: Ich denke, es gibt immer Phasen im Leben, in denen man sich selbst hinterfragt. Ich glaube, dass es generell ein Thema ist, das die Generation mit Mitte 30 beschäftigt. Anders als etwa die Generation meiner Eltern. Da hat man nicht viele Fragen gestellt, da gab's klare Ziele: Job, Haus, Kinder. Ich denke, dass heute für jeden viel mehr Möglichkeiten existieren, und das wirft Fragen auf. Weil man sich erst wieder neu finden muss.

nordbuzz: Sie sind im Film öfter mal nackt ...

Beck: Ja, hab ich auch gesehen.

nordbuzz: Das macht Ihnen also nichts aus?

Beck: Nee. Ich spielte ja bereits in „Irre sind männlich“ einen Typen, der in einen Raum kommt und sich einfach auszieht. Ich sage immer, wenn die Rolle das vertreten kann, warum nicht? Ich muss nicht unbedingt meinen Dödel zeigen. Aber mit dem nackten Arsch durchs Bild rennen, da hab ich kein Problem.

nordbuzz: Ihr Körper kann sich sehen lassen, Sie sind super trainiert ...

Beck: Ich habe seit meinem 16. Lebensjahr einen ziemlichen Körperkomplex, deswegen mache ich viel Sport, renne ins Fitnessstudio und versuche mich zu trimmen, dass ich mit mir happy bin. Ich brauche aber den Sport auch als Ausgleich, denn ich habe ziemlich viel Energie. Und ja, ich weiß, dass ich für viele Rollen nicht besetzt werde, weil ich eben nicht der intellektuellste Arthouse-Schauspieler bin, den Deutschland zu bieten hat, sondern halt ein gewisses Mainstream-Publikum bediene.

nordbuzz: Da würde eine Plauze nicht so passen.

Beck: Genau. Ich bin trotzdem nie so recht zufrieden, wenn ich mich dann sehe. Und ich esse so gerne! Aber immer wieder ziehe ich das durch und verzichte ein paar Wochen lang auf Schokolade und Alkohol, bin total asozial und bleibe zu Hause.

nordbuzz: Mit „Alarm für Cobra 11“ sind Sie richtig durchgestartet. Warum hörten Sie damit auf?

Beck: Ich habe ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich das vier Jahre lang machen werde. Als ich das Angebot bekommen habe, war ich gerade mit einem Fuß in Los Angeles. Aber dann dachte ich, ich bin jetzt 30, stehe voll im Saft und habe da Bock drauf. Ich bereue auch keine Minute. Aber klar, ich hatte 160 Drehtage im Jahr und kaum Möglichkeiten, was anderes zu drehen.

nordbuzz: Von welcher Rolle träumen Sie?

Beck: Ich schreibe gerade mit zwei Schauspielkollegen an einem Drehbuch. Seit eineinhalb Jahren machen wir da schon rum ... Wir haben jetzt die ersten 30 Seiten geschrieben und eine Art Trailer gedreht. Ansonsten lass ich mich da gerne treiben. Hauptsache, die Rolle ist interessant und es gibt neue Herausforderungen. Ich besitze da keinen großen Plan.

nordbuzz: Sie sind auf Facebook sehr aktiv, machen viele alberne Fotos. Ein perfektes Image scheint Ihnen nicht wichtig zu sein ...

Beck: Ich glaube, ich habe während meiner Schulzeit auf jedem Klassenfoto eine Grimasse gemacht. Das wurde mir von meinen Eltern ausgetrieben: „Das kann doch nicht sein, warum musst du das machen?“ Wer weiß, vielleicht war ich da schon eine Rampensau. Und jetzt mache ich es halt, weil ich es lustig finde und schicke Selfies sehr gestellt daherkommen. Klar, wenn man immer schon mit seinem Äußeren konfrontiert wurde nach dem Motto: „Der sieht ja ganz gut aus, der soll doch mal 'ne Soap spielen“, dann versucht man vielleicht eher das Gegenteil zu machen und ein anderes Image zu kreieren.

nordbuzz: Würden Sie sagen, Ihr gutes Aussehen hat Ihnen bei Ihrer Karriere geholfen?

Beck: Na ja, für die Rollen im Mainstream-Bereich schon, aber das hindert mich glaube ich schon, an Sachen mit Substanz. Ich bin irgendwie Mainstream und auch happy damit. Was mein Traum wäre, ist schon, dass man gleichermaßen ernst genommen wird - trotz des Aussehens. Dieses Schubladisieren finde ich schlimm. Es war auch so, dass mein Schauspiellehrer mal zu mir sagte: „Du siehst gut aus, da musst du dich doppelt beweisen.“

nordbuzz: Und singen können Sie auch ... Offensichtlich haben Sie viele Talente.

Beck: Ja, ich kann vieles, aber nichts richtig.

nordbuzz: Was können Sie nicht?

Beck: Vieles. Ich bin technisch unbegabt, ich hab keinen Orientierungssinn. Logisches Denken, so klassische männliche Attribute, da fehlt mir viel. Ich mache alles so ein bisschen. Mein Plus ist halt so ein Allround-Ding.

tsch

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