Promised Land - Mi. 06.04 - ARTE: 20.15 Uhr

Der gute Mensch aus Iowa

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Sue (Frances McDormand) und Steve (Matt Damon) sind ein eingespieltes Team: Niemand kann die umstrittene Fracking-Methode besser als Zukunftstechnologie verkaufen.

ARTE widmet sich mit den Filmen "Promised Land" und "Last Days" dem eigenwilligen Regisseur Gus Van Sant.

Verschlissene Flaggen hängen traurig an den Verandas, die Fabriken sind Ruinen, ein paar Miniaturpferde stehen in der Landschaft rum: Das gelobte Land ist bedroht von Arbeits- und Bedeutungslosigkeit. In diese idyllische Leere platzen zwei Vertreter mit einem Heilsversprechen und einer Menge Geld. Als sensible Studie von Befindlichkeiten in der amerikanischen Provinz ist "Promised Land" von 2012 ein interessanter Film, als politischer Beitrag zur Debatte über die umstrittene Erdgas-Fördermethode Fracking aber leider zu durchschaubar. ARTE widmet dem eigenwilligen Regisseur Gus Van Sant, dessen Film "Good Will Hunting" 1998 für neun Oscars nominiert war und zwei gewann, einen ganzen Abend und zeigt neben der Free-TV Premiere von "Promised Land" den Film "Last Days" (2005), der die letzten Tage eines Rockstars thematisiert.

Gleich in der ersten Szene von "Promised Land" erklärt Steve Butler (Matt Damon), warum er tut, was er tut: Er stammt selbst aus einem Provinzkaff irgendwo in Iowa. Als dort die Landmaschinen-Fabrik dichtmachte, war die ganze Region tot. Nun will er verhindern, dass sich das anderswo wiederholt, und so macht er seinen Job mit Hingabe: Butler pachtet Land von Leuten, die jeden Cent gebrauchen können. Nicht uneigennützig, sondern im Auftrag von "Global Crosspower Solutions". Der Energiekonzern will auf dem von Butler gepachteten Land nach Gas bohren - mithilfe der umstrittenen Fracking-Methode.

Butler und seine Kollegin Sue Thomason (Frances McDormand) verkaufen Fracking als Technologie der Zukunft und Teil des "American Dream". Karohemdsärmlig und mit Verständnis für die Leute machen sie ihren Job und versprechen neben der Pacht auch eine Gewinnbeteiligung. "Die Bevölkerung braucht das Gas", erklären Steve und Sue immer wieder.

"Promised Land" funktioniert ganz wunderbar als Zustandsbeschreibung vom Leben in abgehängten Regionen. Die Menschen haben nicht viel, auf jeden Fall keine Perspektive. Matt Damon, der das Drehbuch zusammen mit John Krasinski verfasste, zeigt viel Empathie für seine stark entwickelten Figuren, ihre Probleme und Ängste. Er lässt Zweifel zu, Wut und Ohnmacht. Und er zeigt Leute, die einfach nur ihren Job machen wollen und sich dabei in hübsche Grundschullehrerinnen (Rosemarie DeWitt) verlieben. Gut und böse - in so einfachen Kategorien wird hier nicht gedacht. Das Ende ist für alle ernüchternd. Für das Publikum, für die Stadt und für Steve Butler, der endgültig zum guten Menschen aus Iowa wird. So viel Pathos hätte der Film gar nicht nötig gehabt.

Weniger pathetisch, aber ähnlich ernüchternd gestaltet sich das Musikerdrama "Last Days" (2005), das ARTE im Anschluss (22.00 Uhr) zeigt. Inspiriert von den Ereignissen rund um den Selbstmord des Nirvana-Sängers Kurt Cobain, begleitet Gus Van Sant einen depressiven Rockstar, gespielt von Michael Pitt, zwischen Drogenrausch und Sexexzess.

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