Wilsberg: Mord und Beton - Sa. 16.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Großkotz vs Spontis

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Georg Wilsberg (Leonard Lansink) hat eine falsche Identität angenommen.

Der neue Fall des Münsteraner Ermittlers bedient leider ein ziemlich verbrauchtes und dazu noch staubtrockenes Thema. Dafür wird's zum Ende hin turbulent.

Es gibt wohl kaum eine Branche, deren Tätigkeit in Kriminalfilmen so oft zum Thema gemacht wird. Baulöwen, das steht dann fest, wollen nie etwas Gutes für die Menschen. So ist es auch diesmal: Michael Lobland (Christoph M. Ohrt) erfüllt schon auf den ersten Blick jedes Klischee: Er thront hoch über den Dächern, säuft Schampus, ist herrschsüchtig, arrogant und interessiert sich einen Dreck für die Leute. Hauptsache, die Kohle stimmt. Und ausgerechnet bei ihm schleicht sich Wilsberg (Leonard Lansink), der chronisch klamme und immer ein bisschen lethargisch wirkende Privatdetektiv, inkognito als Vertreter eines Millionen-Investors ein. "Mord und Beton" lautet der schön schlichte Titel des 51. Falls aus der erfolgreichen ZDF-Reihe, bei dem Hansjörg Thurn Regie führte. Es ist sein erster "Wilsberg".

Man darf ja mal fragen: Warum eigentlich steht das Baugewerbe so oft im Mittelpunkt von Kriminalfilmen? Was soll spannend daran sein? In der Regel ergeben sich staubtrockene Geschichten rund um Schmiergeld, obskure Baugenehmigungen und unrechtmäßig ausgewiesene Baugebiete. Das ist in diesem Fall auch nicht anders. Nur: Am Beispiel solch skrupelloser Geschäftsleute, wie Lobland einer ist, lässt sich eben auch sehr schön die soziale Unwucht unserer Gesellschaft vor Augen führen.

In diesem Fall steht Lobland die so genannte "FIM" gegenüber, eine Gruppe von sehr grünen Aktivisten im Sponti-Stile, die sich nicht damit abfinden wollen, dass am alten Münsteraner Industriehafen ein luxuriöses Wohn- und Büroviertel errichtet werden soll. Sie wenden sich gegen explodierende Mietpreise, fehlende Angebote für sozial Schwache und sicher auch Flächenversiegelung. Angeführt werden sie von Kathi Jäger (Annika Blendl).

Wilsberg indes will eigentlich zunächst nur Kommissarin Springer (Rita Russek) einen Gefallen tun. Denn: Lobland ist deren ungeliebter Vermieter, und dem würde sie gerne mal auf den Zahn fühlen. Als dann aber eine Lagerhalle abbrennt, in der sich die Mitglieder der "FIM" verschanzt hatten und darin auch noch ein Toter gefunden wird, hat die Ermittlerin Springer ein Problem. Sie muss nun in Loblands Umfeld recherchieren, in dem sich eben in ihrem Auftrag auch Wilsberg bewegt: getarnt als großkotziger Vertreter eines potenziellen Investoren. Ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Spiel auffliegt ...

Klingt alles recht verzwickt. Und das ist es auch. Zumal auch Wilsbergs Kumpel Ekki (Oliver Korritke) und Alexandra Holtkamp (Ina Paule Klink) noch in die Story reingepackt werden mussten. Aber: Wer die erste ziemlich spröde erzählte Dreiviertelstunde überstanden hat, der wird doch noch entlohnt: Denn die "Wilsberg"-erfahrenen Autoren Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer entwickeln die Geschichte hin zu einem Entführungsfall, der den vorhergegangenen Ereignissen die Komplexität nimmt und den Fall auf elegante Weise verschlankt. Und dann fällt auch noch ein Schuss, der dem Zuschauer tatsächlich den Atem nimmt.

"Mord und Beton" gehört sicher nicht zu den besseren "Wilsbergs". Der sonst so typische Humor kommt zu kurz, gleichsam der besondere Charme, der die Reihe meistens ausmacht. Spannend wird's dann doch zum Schluss hin, dem dann außerdem auch eine besondere Emotionalität innewohnt. Erfährt doch Georg Wilsberg gleich zweimal auf eher schmerzliche Art und Weise, was man seinen Freunden antun sollte und was nicht.

Derweil laufen in diesen Tagen die Dreharbeiten für zwei neue Folgen der Reihe. In einer davon, "Treu und Glauben", soll dem Vernehmen nach Ekki Talkötter vor den Traualtar treten.

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