Nina Proll

Das große Stück vom Kuchen

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Nina Proll spielt in der Serie "Vorstadtweiber", deren zweite Staffel ab 10. Mai, dienstags, 20.15, in der ARD läuft, die ehemalige Boutique-Besitzerin Nicole "Nicoletta" Huber.

"Vorstadtweib" Nina Proll spricht im Interview über Frauen, Männer und die Liebe zu ihrem Beruf.

Unabhängigkeit - für Schauspielerin und Musikerin Nina Proll ("Talea") der bessere Weg, durchs Leben zu gehen. Die Österreicherin ist verheiratet mit ihrem Kollegen Gregor Bloéb und hat zwei Söhne, ihr Beruf war der gebürtigen Wienerin aber immer eine Herzensangelegenheit. Seit rund 20 Jahren steht sie vor der Kamera, ab und an veröffentlicht Proll auch neue Musikalben. Sie liebe ihren Job, schwärmt die 42-Jährige im Interview: "Ich kann mir ein Leben ohne meinen Beruf gar nicht mehr vorstellen." Ab 10. Mai zeigt das Erste die zweite Staffel der prächtigen österreichischen Komödienserie "Vorstadtweiber" (dienstags, 20.15 Uhr), in der Nina Proll die ehemalige Boutique-Besitzerin Nicole "Nicoletta" Huber verkörpert. Deren illegale Machenschaften beförderten sie zuletzt sogar in eine Gefängniszelle.

Zurück unter den Prosecco trinkenden Vorstadtdamen lebt es sich zunächst gar nicht mehr so vergnügt für die schicke Geschäftsfrau. Manchmal, so Proll, brauche es im Leben einfach einen Dämpfer, "um nachzudenken und einen anderen Weg einzuschlagen". Nicoletta versuche in der zweiten Staffel, "ein besserer Mensch zu werden".

Ruft man sich den vorangegangenen Plot in Erinnerung, würde das allen Protagonistinnen nicht schaden. Intrigen, Affären, Betrug und am Ende möglichst den eigenen Hals retten - "wahre Freundschaft ist das nicht", findet Proll. "Jeder kocht sein eigenes Süppchen und versucht, die anderen zu übertrumpfen." Voreinander einfach mal man selbst sein - gibt es nicht bei den "Vorstadtweibern". Ihnen ginge es in erster Linie um den eigenen Vorteil, um das "große Stück vom Kuchen", sagt Proll. Und das findet sich mit dem richtigen Mann manchmal offenbar leichter. "Wenn man ihnen etwas vorwerfen könnte, ist es, dass sie nicht versuchen, die Dinge aus eigener Kraft heraus zu schaffen."

Zwar habe Proll selbst auch nichts gegen ein schickes Auto oder Haus: "Aber die Frage ist immer, zu welchem Preis ich das bekomme." Wenn man es sich nicht selbst verdient habe, vielleicht, indem man ein Stück von sich selbst aufgebe. Für Proll jedenfalls bleibt Unabhängigkeit die bessere Alternative, "das eigene Ding" eine Notwendigkeit. Das hat die Österreicherin schon früh erkannt. "Als ich 18 Jahre alt und zum ersten Mal verliebt war - da hat mich meine Karriere so gar nicht interessiert." Es sei ein Schock gewesen, als diese Liebe vorbei gewesen sei und sie sich ohne den Mann ihr "eigenes Leben aufbauen musste", erzählt Proll. Immer wenn sie in ihrem Leben verliebt war, spielte der Beruf plötzlich eine untergeordnete Rolle, erinnert sie sich. Dann habe sie sich stets am "Schlafittchen" packen und sich sagen müssen: "Nein, du machst dein Ding jetzt weiter, denn der Mann ist in einem Jahr vielleicht wieder weg."

Frauen würden ihrer Meinung nach generell mehr zurückstecken. "Biologisch betrachtet - sie sind die, die die Kinder bekommen - sind Frauen eher bereit, zugunsten der Familie auf bestimmte Dinge zu verzichten. Ein Mann meist nicht. Der fühle sich als Jäger und nicht als Nestbauer, er habe eher das Bedürfnis, das Geld zu verdienen, sagt Proll. Ein Mann, der für die Familie beruflich zurückstecke - "das ist meiner Meinung nach ein Exot. So jemanden kenne ich aus meinem Bekanntenkreis jedenfalls nicht."

So müsse man sich selbst immer wieder überprüfen und fragen, was man wirklich wolle, betont Nina Proll. Verzichtet man zum Wohle des Kindes auf bestimmte Dinge oder ist "es eine Ausrede, weil ich keine Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen möchte"? Nina Proll denkt, dass Männer in dieser Hinsicht mehr Kontakt zu sich selbst hätten, "eher wissen, was sie wollen - und das dann auch tun".

Nina Proll selbst hat das nach eigener Aussage stets berücksichtigt. Heute, sagt die Schauspielerin, führe sie das Leben, das sie immer wollte. Erstaunt sei sie "über so viel Glück" schon ein bisschen. Mit den "Vorstadtweibern" läuft es jedenfalls gut. Der Dreh der dritten Staffel soll im September beginnen, die Premiere der zweiten erreichte im ORF einen Marktanteil von 39 Prozent bei der jungen Zielgruppe, und auch in Deutschland lief die Serie erfolgreich im Ersten Programm. Und das, obwohl die Macher bereits reichlich Kritik einstecken mussten: platte Witze, zu viele Klischees, motzten einige. Proll sieht diesen Humor indes lediglich als Ausgangspunkt für die Geschichte, die durchaus Tiefgang besitze.

"Ein Klischee alleine ist noch kein Film", unterstreicht die attraktive Schauspielerin. "Frauen, die Prosecco trinken oder einen Mann in Unterwäsche verführen, das ist keine Handlung." Die Serie lebe von ihren Figuren, davon, dass die Klischees überspitzt, ins Gegenteil umgekehrt oder gebrochen würden. Am Ende schaue man "den Leuten einfach gerne dabei zu, wie sie an die Wand fahren".

Den Vergleich mit dem US-Vorbild "Desperate Housewives" findet Nina Proll persönlich weniger passend, das Format erinnere sie eher an "Kir Royal", das in den 80er-Jahren die Münchner Schickeria persiflierte. "Man darf ein wenig durchs Schlüsselloch schauen und kann am Ende des Tages sagen: Gott sei Dank haben wir diese Probleme nicht", so Proll. Und ein kleines bisschen davon, was man bei Nicoletta in Staffel zwei zu sehen bekommen wird, verrät sie auch: Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte entwickle sich für ihre Rolle, "mit einem Mann, von dem man es am wenigsten erwarten würde".

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