Wenn's auch ohne Mama gehen muss

Gilly Hopkins - Eine wie keine

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Schmerzhaft ehrlich: Mit „Gilly Hopkins“ kommt ein ungewohnt harter Kinderfilm ins Heimkino.

Ein schwieriges Leben, das einen schwierigen Menschen hervorbringt: „Gilly Hopkins“ überzeugt als ebenso liebevoller wie schonungsloser Anti-heile-Welt-Kinderfilm.

Das Leben ist manchmal schwierig. Niemand weiß das besser als die zwölfjährige Gilly Hopkins (Sophie Nélisse), die ohne Eltern aufwachsen muss und seit Jahren von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht wird. Dass sie jetzt schon wieder umziehen muss, macht Gilly wütend. Überhaupt macht sie irgendwie alles wütend, und jeder nervt sie. Selten sah man einen so zornigen Teenage-Kotzbrocken wie in „Gilly Hopkins - Eine wie keine“ (2016), einer außergewöhnlichen, rührenden Kinderbuch-Verfilmung, die hierzulande als Heimkino-Premiere erscheint.

„Ach Mama, wenn du nur wüsstest, wo ich jetzt wieder gelandet bin“, schreibt Gilly in einem sehnsuchtsvollen Brief an ihre Mutter, die sich seit Jahren mal hier, mal dort herumtreibt. Trotter (Kathy Bates) hat eigentlich schon verloren, bevor das aufgeweckte Ekel Gilly richtig bei ihr angekommen ist. So leicht gibt die Pflegemutter mit einem Herzen so groß wie dem eines Wals aber nicht auf. Sie werde später nicht auf der Liste derer stehen, die Gilly im Stich gelassen haben - egal, wie sehr das Mädchen sie beleidigt.

Selbst, als die Jugendliche sie bestiehlt und ihr gesamtes Geld verpulvert, hält Trotter zu ihr. Und siehe da: Irgendwann fruchtet die unbedingte Gutmütigkeit der erfahrenen Pflegemama - doch gerade, als Gillys Gemüt sich aufzuhellen beginnt, taucht aus dem Nichts ihre Großmutter (Glenn Close) auf, um sie zu sich zu holen.

Außergewöhnlich ist dieser Film, weil er für einen Kinderfilm ungewohnt hart ist. Gillys Gemeinheiten, von Regisseur Stephen Herek gallig in Szene gesetzt, gehen dem Zuschauer bisweilen richtig an die Nieren, und die Hälfte ihres Vokabulars würde es nie in einen Disney-Film schaffen. „Gilly Hopkins“ ist ein Anti-heile-Welt-Kinderfilm, wie man ihn nur ganz selten sieht. Nicht einmal ein richtiges Happy End gibt das Drehbuch her, das David Paterson nach einem preisgekrönten Jugendroman seiner Mutter Katherine Paterson („The Great Gilly Hopkins“, 1978) verfasste. Aber: Ein wenig Licht findet sich doch in jedem noch so schwierigen Leben, auch für Gilly Hopkins.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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