The Big Short

Ist Gier gut?

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Der Wall-Street-Trader Mark Baum (Steve Carell) ist angeekelt vom Finanzsystem, in dem er gefangen ist, und will trotzdem davon profitieren.

„The Big Short“ ist eine furiose Farce mit Starbesetzung über eine kleine Gruppe von Glücksrittern, die den Börsencrash von 2008 vorhersagte.

Zugegeben: Man ist nicht schlauer nach „The Big Short“ (2015), einem furiosen Film über den Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems im Jahr 2008. Hollywoods Topstars Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt und Christian Bale präsentieren in feinstem Börsianisch zwar jede Menge Fakten und erklären Zusammenhänge, nur versteht man sie als Normalbürger nicht. Trotzdem weiß man nach zwei Stunden alles über die Finanzkrise. Ein Widerspruch? Mitnichten. Weil Regisseur Adam McKay in seiner formidablen Farce, die den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt, zum emotionalen Kern der Wall Street vordringt und dort ein Herz aus Gier findet. Nach durchschnittlichem Kinoerfolg erscheint der Film nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Als eine Art Präsentator führt Ryan Gosling als Deutsche-Bank-Makler Jared Vennett durch die Geschichte. Sonnengebräunt und schlecht frisiert erklärt er die Zusammenhänge mal aus dem Off, mal direkt in die Kamera. Etwa, dass Anfang der 2000er-Jahre im Prinzip jeder Durchschnittsamerikaner Wohneigentum auf Kredit erwerben konnte. Egal, wieviel er verdiente. Dadurch stiegen die Ausfallrisiken für Banken und Fonds erheblich, was durch teils betrügerische Bündelungen von faulen Krediten in immer unübersichtlichere Immobilienprodukte vertuscht wurde.

Einer, der früh erkannte, dass dieses System zwangsläufig kollabieren muss, ist der exzentrische Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale). Er entwickelt einen Plan, um gegen die Banken zu wetten. Bricht das Finanzsystem zusammen, kassiert er im großen Stil ab. Anders gesagt: Burry würde davon profitieren, wenn Millionen Menschen Wohnungen und Jobs verlieren. Er bleibt nicht lange allein: Eine Handvoll anderer Makler und Manager bekommen Wind von seiner Theorie und wettet ebenfalls auf den Zusammenbruch der Wirtschaft.

Natürlich ist es zum Heulen, was Adam McKay von gierigen Bankern, skrupellosen Managern, korrupten Rating-Agenturen und ahnungslosen Politikern erzählt. Inszeniert als atemlose Farce mit hohem Tempo und genialen Einfällen macht „The Big Short“ trotzdem Spaß. Die Bilder sind schick und temporeich geschnitten, die Dialoge - wenn auch nur zum Teil verständlich - gepfeffert, die Darsteller glänzend aufgelegt. Vor allem Steve Carell macht als cholerischer Trader Mark Baum einen guten Eindruck: Seine Figur ist der emotionale Anker des Films - er ist von den Auswüchsen im Finanzsystem angeekelt.

„The Big Short“ ist trotzdem ein Film ohne Helden. Die Protagonisten mögen das bis ins Fundament verrottete Finanzsystem durchschauen und ihm teilweise angewidert, teilweise gierig den Stinkefinger zeigen. Aber alle wollen am Ende eben auch einfach nur eines: absahnen. Die Trader, Broker, Hedgefonds-Manager und Geldglücksritter sind keine Samariter - sie sind Teil eines Systems, in dem Gier zum guten Ton gehört. Des Pudels Kern erklärt sich in im absolut sehenswerten „The Big Short“ ganz von allein. Was auch bedeutet, dass die Krise von 2008 sicher nicht die letzte war.

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