Auf kurze Distanz

Geschichten von der Wettmafia

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Im Wettlokal findet Klaus Roth alias Milan (Tom Schilling) das Vertrauen des Wettbetrügers Luka Moravac (Edin Hasanovic, links).

Klaus Roth (Tom Schilling) wird in die serbische Wettmafia in Berlin eingeschleust, um deren Machenschaften aufzudecken. Dabei gerät er zwischen viele Fronten.

„Tausend“ setzt er auf Hamburg im Spiel gegen Bremen, „Zweitausend“ sollen es für „das erste Tor zwischen der 20. und 30. Minute“ sein. Aber diesmal, schau einer an, macht der Wettbürobetreiber nicht mit. Klaus Roth, der als von Tom Schilling glaubhaft gespielter Deutsch-Serbe „Milan Neumann“ unterwegs ist, wird stattdessen vom Ladenbesitzer schrecklich zugerichtet, einem Saubermann offenbar an vorderster Front. Man ahnt: Der Wettmarkt, um den es in „Auf kurze Distanz“ (2016) geht, ist ein sehr hartes Geschäft. Nach der Premiere im TV erscheint das Drama nun auf DVD und Blu-ray Disc.

Die Agenda der Wettskandale ist lang und lädt sich immer wieder von Neuem auf: Von 2008 bis 2011 sollen 700 Spiele manipuliert worden sein. Mit dieser Erkenntnis trat 2013 ein Bochumer Chefermittler, der Kopf der Ermittlungskommission „Flankengott“, vor die Kamera. Weltweit werden wohl jährlich fünf Milliarden mit Wettmanipulationen reingewaschen, das Geschäft sei „lukrativer als der Drogenhandel“, sagt ein ehemaliger FIFA-Sicherheitschef.

Das alles streift das Wettmafia-Drama „Auf kurze Distanz“ (Regie: Philipp Kadelbach, „Unsere Mütter, unsere Väter“) immer wieder am Rande. Dann werden die Dialoge ein wenig steif, es fallen Schlagworte wie „Asien“, „Mafia“ oder „Singapur“. Aber meistens bleibt der Film bei seinen Leisten. Aus nächster Nähe wickelt er die Vorfälle ab. Es ist das Abenteuer eines Undercover-Agenten, der vom Hauptkommissar (Jens Albinus) hinter die Kulissen der serbischen Wettmafia geschickt wird.

Klaus, der sich jetzt Milan nennt, gelingt es, mit aller Coolness beim Neffen des Oberhauptes anzudocken. Sehr glaubwürdig wirkt die Freundschaft zwischen Milan und dem eher sanften Luka (Edin Hasanovic). Schließlich darf er sogar bei dessen Kind Taufpate werden und mitten im Feiertrubel eine schöne Rede halten. Wenn der Film den Motiven des Mafia-Familiengenres folgt, wirkt er immer wieder überzeugend.

Wenn es aber dann in der Halbzeit eines Fußballspiels zu guter Letzt darum gehen soll, einen Schiedsrichter noch einmal umzudrehen, um ihn den türkischen Konkurrenten zu entreißen, wird die Story leider etwas hakelig. Auch der durchgehend düstere Look, der auf grauen Beton und verschmuddelte 70er-Jahre-Tapeten im Halbdunkel setzt, verbraucht sich irgendwann. Großartig ist allerdings die gesamte vielköpfige Besetzung, allen voran Tom Schilling als immer noch jugendlich wirkender Held überzeugt.

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