Florian David Fitz

Genügend Schmetterlinge im Netz

+
Eine Komödie über Todgeweihte? Geht das? "Ja, es geht ums Sterben, und das darf auch wehtun. Aber ich wollte mich dem Ganzen eben mal anders, ohne diese Heiligkeit nähern", antwortet Florian David Fitz darauf.

Immer in Lauerstellung um die deutsche Kinokrone: Florian David Fitz hat einen neuen Film und lud sich dazu seinen vermeintlichen Konkurrenten ein - Matthias Schweighöfer spielt und produziert.

Ganz gleich ob vor oder hinter der Kamera: Florian David Fitz pendelt in seinen Filmen perfekt zwischen ernsten und lustigen Momenten. Nicht zuletzt deshalb sind seine Komödien wie "Vincent will Meer" oder "Jesus liebt mich" so erfolgreich. Das gilt auch für den vom 41-Jährigen selbst inszenierten Film "Der geilste Tag" (Start: 25.2.): Benno (Fitz) und Andi (Matthias Schweighöfer) ergaunern sich darin Geld - vom Sterbehospizbett aus. Sie reisen nach Afrika und wollen nach der ultimativen Sause dort den gemeinsamen Abgang von dieser Welt wagen. Ein Gespräch mit dem Münchner Multitalent über seinen Weg zu Inspiration, Abschiede und ehrliche Filme.

teleschau: War es Zeit für ein zweites "Knockin' On Heavens Door"?

Florian David Fitz: Wenn man den Film gesehen hat, dann weiß man, dass er anders ist. Aber die Assoziation liegt zunächst nahe. Und das ist ja auch in Ordnung. "Knockin' On Heaven's Door" ist so etwas wie eine Heilige Kuh, weil es halt ein wahnsinnig guter Film ist. Wir haben das aufgenommen und verbeugen uns mit einer Einstellung in "Der geilste Tag" auch ein wenig vor Til Schweiger.

teleschau: Kann ein Film über zwei Todgeweihte überhaupt eine Komödie sein?

Fitz: Es ist eine Komödie über das Sterben, die nicht lügt! Es ist natürlich eine Tragikomödie. Ich habe versucht, sie zwar ehrlich, aber auch so lustig wie möglich zu machen. Ja, es geht ums Sterben, und das darf auch wehtun. Aber ich wollte mich dem Ganzen eben mal anders, ohne diese Heiligkeit nähern.

teleschau: Sondern wie?

Fitz: Ich finde generell, dass das Sterben eine Vorsicht umgibt, die nicht gut tut. Es ist zwar schön, dass wir nicht mehr in Zeiten leben, in denen wir ständig den Tod vor Augen haben. Aber tatsächlich ist das Sterben heute surreal geworden oder sogar irreal. Die Selbstverständlichkeit ist weg. Sowohl für diejenigen, die gehen, als auch für die, die zurückbleiben. Aber es gibt halt keine Probe für so etwas. Es ist für jeden das erste Mal. Es sei denn man ist Schauspieler. (lacht)

teleschau: Früher hat man die verstorbene Großmutter noch aufgebahrt.

Fitz: Zumindest auf dem Land. Solche Traditionen gibt es ja nicht mehr. Dabei ist es wichtig, dass man in seinem Leben tatsächlich mal mitbekommt, dass es diesen Übergang gibt: Jemand ist da, und dann ist er nicht mehr da. So simpel und so unfassbar, wie das ist. Das bekommt man heute zu wenig mit. Es rückt einen selbst gerade, wenn einem der Tod in seinem Umfeld begegnet, und je älter man wird desto öfter begegnet er einem. Er besucht uns ja alle irgendwann, da können wir uns ruhig mal ein bisschen entspannen.

teleschau: Wie sind Sie auf die Story gekommen?

Fitz: Matthias Schweighöfer und ich wollten schon seit fünf Jahren zusammenarbeiten. Dann hatte ich endlich Zeit, auf die Suche nach Geschichten zu gehen, und eine davon war eben diese. Ich brauche Ruhe, um ein Netz aufzuspannen und dann fallen mir die Schmetterlinge hinein. Ich merke mir interessante Dinge, schreibe sie ins Handy oder auf Papier und tue sie in einen Ordner. Aber es gab auch eine konkrete Anregung.

teleschau: Die da wäre?

Fitz: Im Hotel meiner Eltern arbeitete ein Nachtportier, der einen großen Kredit aufnahm und sich von seiner Frau trennte, weil er eine Krebsdiagnose erhalten hatte. Das fand ich als Stoff fabelhaft, aber wir haben es natürlich etwas abgewandelt und geschaut, dass es eine Geschichte zwischen diesen zwei Jungs ist: Der eine hat Angst vorm Sterben und der andere eigentlich Angst vorm Leben. Wie geht das zusammen? Außerdem mag ich diese Idee, wie sie an Geld kommen ...

teleschau: ... das sie niemals zurückzahlen können.

Fitz: Es ist ja tatsächlich so einfach! Wir haben während der Vorbereitung auf den Film ein Hospiz besucht, und tatsächlich bestellen sich die Leute online Sachen ins Hospiz, einfach weil sie können. Mittlerweile ist die Einrichtung bei den Onlinehändlern als verbrannte Adresse bekannt, an die sie mit Lieferungen vorsichtig sind.

teleschau: Was soll denn später mal auf Ihrem Grabstein stehen?

Fitz: "Schön war's!" Das wäre zumindest der Wunschspruch. Aber hoffentlich ist das dann nicht gelogen (lacht). Für diesen Fall: "Ich bin froh, dass ich weg bin. Vielen Dank!" Wissen Sie was: am besten ein Grabstein mit Multiple Choice.

Schauspieler Florian David Fitz

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren