Hommage läuft am 22. Oktober

Helmut Dietl: Themenabend im TV

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Helmut Dietl gab im Sommer 2014 sein letztes großes Interview. Im Film „Schwermut und Leichtigkeit. Dietls Reise“ (BR, 22.10., 22.20 Uhr) sind Auszüge zu sehen.

Eine Ausstellung im Münchner Litaraturhaus erinnert an den großen Film- und Serienregisseur Helmut Dietl. Der BR sendet aus diesem Anlass am 22.Oktober einen „Helmut-Dietl-Themenabend“.

Unten, im Parterre des Münchner Litaraturhauses am Salvatorplatz, wird letzte Hand an die Ausstellung „Der ewige Stenz - Helmut Dietl und sein München“ gelegt. Noch einmal werden in dem Riesenraum, der dem Lieblingsrestaurant Dietls, dem „Romagna antica“ in der Elisabethstraße, nachempfunden ist, berühmte Seriensätze wie „Ois Chikago“, „A Riesenidee is' des“ oder „A bisserl was geht immer“ nachgepinselt, während künstliche Kerzendochte flimmern, als wären sie echt. Ein passendes Bild für Dietl und „sein“ München, das ja ein Traumgebilde war - liberal und ein bisschen lässiger als die Wirklichkeit. Passend dazu gibt's im dritten Stock die Preview zum BR-Film „Schwermut und Leichtigkeit. Dietls Reise“ von Lars Friedrich, Herzstück des „großen Helmut-Dietl-Abends“ (Samstag, 22.10., 20.15 Uhr), der neben der Dokumentation (22.20 Uhr) den Spielfilm „Schtonk!“ sowie drei Folgen berühmter Dietl-Serien im BR-Dritten versammelt.

In der Dokumentation kommen unter anderen sein Jugendfreund Herbert, seine Witwe Tamara und sein erster Serien-Hauptdarsteller Günther Maria Halmer zu Wort. „Wer etwas über mein Leben wissen will, der soll sich meine Filme und Serien anschauen“, pflegte der mitunter durchaus brummige Dietl, der am 30. März 2015 nach einem Krebsleiden verstarb, zu sagen. Doch dem Filmautor Lars Friedrich gab er im Sommer 2014 ein letztes großes Interview, in dem er sich offen, ja heiter und geradezu lebensfroh zeigt.

Auch in der BR-Dokumentation geht es um Dietl und „sein München“. Letztlich resultierte Dietls Münchenbild aus der Sprache, aus diesen stets zitierfähigen Sätzen, wie sie seine Figuren vom Monaco Franze bis zum Klatschreporter Baby Schimmerlos kreierten. „Für a g'scheits Drehbuch“ sagt Dietl im Interview, „habe ich mindestens fünf bis zehn Fassungen gebraucht, also ein paar Jahre.“ Nur so konnte der berühmte Dietl-Sound entstehen, das Künstliche und doch so unverwechselbar Authentische.

Immer wieder hätten ihm seine Schauspieler, von Günther Maria Halmer bis Helmut Fischer, Verbesserungsvorschläge machen wollen. „Macht's mir keine Vorschläge!“ habe er dann immer wieder gesagt. Schließlich hatte er seine Texte bis ins letzte Detail ausgearbeitet. „Steht da ein Komma?“ fragte er mal einen Schauspieler. Und als der sagte: „Nein!“ gab er ihm zur Antwort: „Warum spielst du da eins?“ Dietl war in seinen Anfängen, man sollte es nicht vergessen, mal Regieassistent beim großen Fritz Kortner an den Kammerspielen.

Man mag bedauern, dass außer Günther Maria Halmer im Film nur so wenige Zeitgenossen aus dem engeren Kreis zu Wort kommen. Aber durch Dietl selbst, die Witwe Tamara und Iris Berben entsteht ein Porträt, das sich absetzt von der üblichen chronologischen Biografie. Und was die Freunde nicht sagen können, sagen wieder einmal Dietls Figuren. „Kultur, das war für uns, dass einer sauber gewaschen war“, sagt der Monaco Franze und spiegelt damit gleich eine ganze Lebensgeschichte wider. Dietls Filguren kommen meist „von unten“, ganz so wie er selbst. Träumer, die sich durchzusetzen verstehen, frei von Angepasstheit und Spießigkeit.

Er sah sich als Sisyphos, der mit der Devise „Probieren, probieren, probieren!“ bereits auf die Welt gekommen sei. Aber er war eben auch ein Genießer, der zu leben verstand. Wer aus dem Leben Filme und Serien machen wollte, der konnte kein braves, asketisches Leben führen. Die vielen Fotos und Dokumente in der Ausstellung belegen das, auch wenn sich das Schimmerlos-Vorbild Michael Graeter über die „Café-Society“ und das „Fußvolk der wirklich Namhaften“ lustig macht. In der Ausstellung liegt ein Neun-Seiten-Exposée zu „Kir Royal“. Es geht darin erst einmal um die Erfindung des titelgebenden Getränks und um die allmähliche Anreicherung der Crème de Cassis mit Champagner der Marke Dom Perignon in den besseren Kreisen. So also wurde ein Serien-Klassiker geboren.

Dietls München war Fiktion und Imagination. Am meisten liebte er die Stadt, wenn er weit weg war. „Ich war ja der glücklichste Münchner von Los Angeles“, schrieb er 1986 über seinen Trip nach Hollywood. Aus der Entfernung war für mich München ja das Gelobte Land." Mehr Liebeserklärung geht nicht, und auch die sensibel gemachte, sehenswerte Ausstellung samt Film-Porträt ist ja ihrerseits genau das: eine Liebeserklärung an Helmut Dietl.

tsch

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