Der kleine Prinz

Gebt die Sterne wieder her

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Auch kleine Mädchen können fliegen: Der emanzipatorische Gestus ist sympathisch, aber "Der kleine Prinz" bietet statt einer Verfilmung von Antoine de Saint-Exupérys berühmtem Buch dessen Fortsetzung.

Der Titel ist schlicht falsch: "Der kleine Prinz" bringt nicht Saint-Exupérys Kunstmärchen ins Heimkino, sondern eine dystopische Fortsetzung.

Wie wäre das, wenn es nur noch alte Menschen gäbe und keine Kinder mehr. Wenn sich alle wie Maschinen verhalten würden und die Nacht keine Sterne hätte? "Der kleine Prinz" (2015) schreckt mit einer düsteren Zukunft, die glorreich überwunden werden muss. Als sei die Vorlage von Antoine de Saint-Exupéry nicht gut genug, ersann Regisseur Mark Osborne eine Fortsetzung des modernen Kunstmärchen-Klassikers, der es wohl nicht an Action fehlt, dafür aber an Zauber. Denselben Titel dafür zu gebrauchen, ist fast schon dreist. Dieser kleine Prinz stellt den jugendlichen wie den erwachsenen Publikumsgeschmack nun auch im Heimkino auf eine harte Probe.

Ein kleines Mädchen möchte auf eine Eliteschule aufgenommen werden. Nein, ihre Mutter will es, und sie tut alles dafür, dass es gelingt. Die sechs Wochen bis zur Aufnahmeprüfung plant sie knallhart für ihre Tochter durch. Wer die Buchvorlage kennt, kommt sich inzwischen vor wie im falschen Film: Wo ist der Pilot, der die Notlandung hinlegt? Wo ist die Wüste? Wo steckt vor allem der kleine Prinz, den der Pilot trifft?

Wenigstens die Frage nach dem Piloten klärt sich bald. Es handelt sich um den alten Mann, der im abbruchreifen Haus neben der ehrgeizigen Mutter und ihrer Tochter wohnt. Seine Versuche, ein antiquiertes Flugzeug zu starten, haben die unmittelbaren Nachbarn vertrieben. Die Mutter ist dort eingezogen, um in der Nähe der Eliteschule zu sein. Und der kleine Prinz? Der flattert in Zeichnungen und Geschichten auf verstreuten Blättern zu dem kleinen Mädchen.

Der alte Mann und das kleine Mädchen schließen Freundschaft. Sie wird umsetzen, was ihm verwehrt ist: sein Flugzeug zu starten und den kleinen Prinzen zu finden, der nun als Arbeitssklave dem eitlen Mann wie dem Sternenhändler dient, der einen besonders dunklen Nachthimmel beherrscht.

Den Stoff zu emanzipieren, indem ein kleines Mädchen eine tragende Rolle erhält, ist sicherlich ein begrüßenswerter dramaturgischer Kniff. Aber bedarf es dazu einer umständlichen Rahmenhandlung? Hätte nicht der kleine Prinz mit seinem ganzen melancholischen Charme einfach in die Welt von heute eintreten dürfen? Immerhin: Saint-Exupérys Botschaft, man sehe nur mit dem Herzen gut, bleibt erhalten.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc, Blu-ray 3D und als Video-on-Demand.

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