Emma nach Mitternacht: Der Wolf und die sieben Geiseln (Neue Reihe:) - Mi. 27.04 - ARD: 20.15 Uhr

Gebt uns mehr Schauspiel

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So stressig hatte sich Emma (Katja Riemann) ihren neuen Job nicht vorgestellt.

Katja Riemann als Domian-artige Psycholgin im Nachtradio. Das ist die Idee einer neuen ARD-Reihe.

Seit dem Tode Dieter Pfaffs und seiner Figur Bloch sind Psychotherapeuten als Helden im deutschen Fernsehen Mangelware. Lieber installiert man einen weiteren Kommissar, Detektiv oder Anwalt, ehe man ein wenig tiefschichtiger hinter menschliche Handlungsmotive zu blicken versucht. Nun hatte der SWR die an sich gute Idee: Katja Riemann - divenhaft, sperrig, aber auch unbestritten eine der besten ihres Fachs - verkörpert eine Radiopsychologin, bei der nächtliche Anrufer Rat suchen. Mit "Emma nach Mitternacht: Der Wolf und die sieben Geiseln" geht das Drehbuch (Wolfgang Stauch) gleich in die Vollen. Ein Unbekannter, gespielt von Ben Becker, hält Geiseln in einer Tankstelle gefangen. Er verlangt, "live" in Emmas Show zu reden.

Von Marrakesch nach Mannheim führt die Reise der ersten Minuten dieses Films. In Nordafrika lebt "Aussteigerin" Emma Mayer (Riemann), die dort einen Laden betreibt. Als sie sich mit einer deutschen Touristin anfreundet, sieht man eben jene Emma wenig später in einem Mannheimer Radiostudio vorstellig werden. Eine Stelle als Domian-artige Radioseelsorgerin sei dort ausgeschrieben, dachte sie, doch Redaktionsleiter Benno (Andreas Schmidt) macht der nach Deutschland Zurückgekehrten klar, dass es sich dabei um ein Missverständnis handele. Eigentlich suchte man nur jemanden zum Vorfiltern der Anrufer. Dennoch wirft Emma die Flinte nicht ins Korn und beerbt wenig später die angestammte Seelenklempnerin, weil diese nach eben überstandenem Saufgelage und noch viel länger währendem Burnout ausschaut und leider auch klingt.

Gleich der erste Job Emmas hat es in sich. Ein Mann, der sich Wolf nennt (Becker), hält Geiseln in einer Nachttanke gefangen. Er verlangt, auf dem Sender gehört zu werden. Benno und Emma fahren sofort zum von der Polizei umstellten Tatort. Dort lässt sich die Neu-Psychologin auf ein perfides Spiel ein. Sie legt ihr Leben in des Geiselnehmers Hände und macht mit ihm folgenden Deal: Beantwortet sie Fragen nach dessen Leben korrekt, wird pro richtiger Antwort ein Gefangener freigelassen. Sollte Emma jedoch falsch liegen, darf Wolf eine Geisel auswählen, die erschossen wird.

Katja Riemann, Andreas Schmidt, Ben Becker - die erste "Emma"-Folge bietet eine gewaltige Manpower in Sachen Schauspielkunst, verlässt sich in Sachen Plot aber auf eine etwas unglaubwürdige Thriller-Versuchsanordnung. So vielschichtig wie ein guter "Bloch" ist Riemanns Debüt als ARD-Psychologin nicht geraten, dennoch kann sich der Film sehen lassen. Regisseur Torsten C. Fischer ("Romy") inszenierte einen TV-Thriller, der sich noch nicht ganz traut, auf übliches Krimi- und Thrillergetöse zu verzichten.

Dennoch freut man sich auf schauspielerisch starke Momente des intensiven Becker-Riemann-Clinchs, der das leicht Überstrapazierte der Story mitunter vergessen lässt. Folge zwei, die am Mittwoch, 8. Juni, zu sehen sein wird, soll "kammerspielartiger" angelegt sein. Man darf durchaus gespannt sein, wie es mit diesem interessanten Format weitergeht.

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