„Fuel Your Summer“

Eurosport setzt auf Zuschauernähe

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„To play, or not to play, that is the question“: John McEnroe (vorne, dritter von links) wurde im Kreise weiterer Tennislegenden und Verantwortlicher von Discovery und Eurosport geradezu poetisch. Discovery-Chef David Zaslav (hinten, vierter von links) und der neue Eurosportchef Peter Hutton (rechts) Einblicke in die Strategien des Spartenkanals Eurosport.

Am Rande des von Eurosport übertragenen Grand-Slam-Turniers in Roland Garros gaben Discovery-Chef David Zaslav und der neue Eurosportchef Peter Hutton Einblicke in die Strategien des Spartenkanals Eurosport.

„All's well, end's well“: Man möchte mit Shakespeare reden, so wie der Tennis-„Commissioner“ John Mc Enroe - als Kunstfigur eine Mischung aus Verrücktheit und Leidenschaft - im Eurosportstudio von Roland Garros in Paris. „To play, or not to play, that is the question“, zitierte er den Schwan von Stratford und meinte Roger Federer, der dem Turnier von Paris bekanntlich fernblieb. Aber auch die Organisatoren und damit die Berichterstatter hatten es nicht leicht, immer wieder machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, es waren die verregnetsten French Open seit 16 Jahren. In solchen Fällen helfen auch vier Kanäle und eine eigene App für den Eurosport-Player nicht viel. Am Ende aber gab's eitel Sonnenschein für einen verdienten Sieger und ganz großes Lob für die Experten vor den Kameras und die 160-Köpfe-Mannschaft hinter den TV-Kulissen.

„Fuel your life“, wahlweise „Fuel your summer“ oder „Fuel your passion“, lautet der neue Eurosport-Slogan: „Befeuere dein Leben, deinen Sommer, deine Leidenschaft“! Sportmarken und ihre medialen Plattformen sind nun mal nicht zimperlich, wenn's ans Dichten geht. „Feet you wear“, hieß mal der Slogan einer großen Drei-Streifen-Firma, und der Schreiber knappert noch heute an der richtigen Übersetzung.

Eurosport jedenfalls will näher ran an die Fans und ihren Lieblingssport. Das erklärte jetzt der Präsident von Discovery Communications vor eigens nach Paris eingeladenen internationalen Journalisten. Dem amerikanischen Medienkonzern gehört Eurosport seit 2015 zu 100 Prozent. Während Discovery-Programme in Amerika eine gefestigte Marke sind, die mit Bildung, Sport und Entertainment weiter wächst (13 Kanäle mit zwölf Prozent US-Marktanteil), ist der Wettbewerb in Europa, Asien oder gar Südamerika ein ungleich diffizileres Geschäft. Aber auch dort bringt der Sport, wie in Amerika, das meiste Geld, in Amerika immerhin 35 Prozent vom Kuchen.

Wer näher heran will an den Sportkonsumenten, muss neue Sportrechte ergattern und technische Innovationen bieten. Manchmal gerät das zur schönen, eindrucksvollen Spielerei. So kann der Sportbegeisterte nun mittels Headset und iphone-App ein beeindruckendes 360°-Surrounding erleben. Plötzlich steht der zuschauende Fan mitten auf dem Centercourt und ist Novak Djokovic so nahe wie sonst nicht einmal Boris Becker. Dreht er den Kopf zur Seite oder nach hinten, spricht ihn plötzlich einer der Eurosport-Experten an, sei es Mats Wilander oder Alex Corretja. Auch jagt ihm der gelegentliche Blick vom Kameraturm in die Tiefe einen schönen Schrecken ein. Höhenängstlich darf man da nicht sein.

Virtual Reality (VR) nennt sich das schöne Experiment, das vielleicht beim Ski-Downhill und anderen Speed-Veranstaltungen noch besser als beim Tennis seinen aufregenden Zweck erfüllen kann. Dort aber geben Off-Court-Reporter wie der unermüdliche Tennis-Indianer Matthias Stach und sein Buddy Nicolas Kiefer alles, um ihrerseits die Tennis-Begeisterung zu schüren. Fuel your Life. Bereits morgens um sieben schnuppern sie an den Spinden der Professionals im Umkleideraum, oder tauchen an den hinteren Nebenplätzen auf, wo sich deutsche Spieler gerade dem Untergang entgegenspielen. Oder sie ziehen Bälle schlagend durch die Straßen der Stadt an der Seine.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz, der wahre Sport zählt mehr als die gut gemachte „virtual reality“. Eurosport ist daher am Rackern, was den Erwerb neuer Sportrechte betrifft. In England schnuppern sie bereits am heiligen Rasen von Wimbledon. Teilrechte könnte der Pay-TV-Sender in Kürze von der BBC erhalten. Ein Deal ist eingefädelt, ihn in trockene Tücher zu bringen, hängt nur noch vom Einverständnis der britischen Medienaufsicht ab. Doch auch der deutsche Tennisfan wird zumindest in den Wochen vor Wimbledon gut bedient. Er ist beim Rasentennis in Stuttgart und in Halle live mit von der Partie. Und selbst der Fußballfan bleibt trotz öffentlich-rechtlicher Dominanz bei der Euro 2016 nicht außen vor. Penibel stellt Eurosport alle Mannschaften vor und widmet sich dem Event mit täglichen Magazinen.

Die Tage des flächendeckenden Snooker scheinen gezählt. Auch in Deutschland, wo Eurosport1 noch immer frei empfangbar ist, wird der Boden für die konservativen Sender heiß. Bekanntlich bekam Discovery Communications 2015 vom IOC die Rechte für vier Olympische Spiele (2018 bis 2024) zugeteilt. Schon wereden  die Rechte von Discovery fleißig weitergegeben. Eben wurden Irland und die Ukraine versorgt, und selbst mit der BBC wurde man sich mit Olympia bereits einig. 1,3 Milliarden Euro habe Discovery für die vier Spiele bezahlt, so wird behauptet. Noch ist nicht klar, für welche Summe ARD und ZDF Senderechte für die Spiele bekommen. Zaslav sagt nur, Deutschland sei ein großer und wichtiger Markt. Man hofft, dass da ein gerechter Deal zustande kommt und sich ARD und ZDF nicht, wie auch schon befürchtet, mit dem Bodenturnen zufriedengeben müssen. Discoverys neuestes Steckenpferd heißt übrigens „Shark Week“ und lädt den Zuschauer live vor Ort und vor dem Bildschirrm, wahlweise App, einen Sommer lang zum Fernsehabenteuer mit den Haien ein.

Die 200 Stunden Live-Fernsehen aber, die Eurosport in Paris auf die Beine stellte und in 54 Länder übertrug, konnten sich wieder einmal sehen lassen. Vor allem die Interviews mit den Experten - von Mats Wilander („Game, set & Mats“) bis John McEnroe, Chris Evert oder Alex Corretja sind mehr als Lückenbüßerei. Einer wie John McEnroe bringt vieles mit: Wissen, Witz und Begeisterung. Ein Sender, der auf vielen Abspielflächen sendet, vom TV bis zum Smartphone, muss sich so einen wünschen wie ihn. Auf der vom Discovery-Boss David Zaslav angepeilten multimedialen Pyramide steht eine Figur wie er gewiss ganz oben. Mal sehen, ob der von ihm jetzt erkorene französische Ex-Nationalspieler Eric Cantona als Fußball- „Commissioner“ das Zeug zum Nachfolger hat. 156 Millionen Haushalte in 69 Ländern warten alleine bei Eurosport1 schon mal auf ihn.

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