Verfilmung eines autobiografischen Romans

„Fucking Berlin“ kommt ins Heimkino

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Nackt am Fenster sitzen und Milch trinken: „Fucking Berlin“ erzählt von einer freizügigen jungen Studentin und will dazu das Bild einer vermeintlich ebenso freizügigen Stadt zeichnen.

Ein Titel, der neugierig macht: „Fucking Berlin“, die Verfilmung eines autobiografischen Romans, kommt ins Heimkino.

„Fucking Berlin“ - subtil geht anders. Aber: ein guter Filmtitel, um sicherzustellen, dass man auch wahrgenommen wird. Für das Kino war er aber dann wohl doch etwas zu gewagt. Florian Gottschicks Adaption eines autobiografischen Romans von Sonia Rossi erscheint „nur“ auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand. Dabei handelt das Drama, da ist der Titel ja überdeutlich, von Sex und von Berlin, der „geilsten, dreckigsten Stadt der Welt“ - Themen, die eigentlich immer gehen.

Was bei Sonia (Svenja Jung) immer geht, sind schnuckelige, hippe Berliner Jungs. Man erfährt nicht viel über die Mathe-Studentin, außer dass sie nach Berlin kam, um weit weg von ihren Eltern zu sein; dass sie die Stadt mit ihrem starken Beat voll super findet; dass sie gerne nackt im Fenster ihrer Wohnung sitzt und dabei Milch aus Tetrapacks trinkt. Und eben, dass sie auf unverbindliche kleine Abenteuer steht.

Regisseur Florian Gottschick gibt sich enorme Mühe, Berlin mit Leben zu füllen - beziehungsweise das, was diese Geschichte eben als Berlin versteht: schrullige Transen und Punks am Straßenrand, romantische Anarcho-Picknicks auf Häuserdächern, ekstatisches Durch-die-Nacht-Tanzen und mittendrin Sonia. Sie genießt die Freiheit dieser verrückten, bunten, lauten Stadt, weiß aber eigentlich nicht so recht, was sie mit dieser Freiheit eigentlich anfangen soll. Zunächst mal braucht sie Geld. Und weil es für junge Studentinnen in Berlin scheinbar keine anderen Jobs gibt, landet sie erst nackt vor einer Webcam und bald schon im Puff.

„Fucking Berlin“ will das Porträt einer Stadt sein und das einer jungen Frau, doch bekommt Gottschick beides nicht recht zu fassen. Sein Berlin verkommt letztlich zu einem bloßen Klischee, ein echtes Gefühl für die Metropole stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein. Und Sonia fickt eben so vor sich hin, bis sie irgendwann ihren eigenen Beat findet. Wirklich kennengelernt hat man sie am Ende nicht.

tsch

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