Biedere Klamotte

Filmkritik zu „Stadtlandliebe“: Ehe und Eiteitei

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Stadt prallt auf Provinz – und Sam (Tom Beck) in dieser Szene von „Stadtlandliebe“ auf seine Anna (Jessica Schwarz). 

Münchne - Trotz guter Ansätze ist „Stadtlandliebe“ nur eine biedere Klamotte. Die Gags sind vorhersehbar und der Plot - wohlwollend ausgedrückt - klassisch.

Marco Kreuzpaintner ist kein Fachidiot. Sein Werk umfasst ein beachtlich großes Spektrum – von der düsteren Literaturverfilmung über eine Coming-out-Geschichte bis hin zur Berliner Szeneklamotte mit ernstem Unterton. Als Spaßmaschine vom Dienst lässt sich der gebürtige Rosenheimer definitiv nicht festlegen. Nach „Coming In“ von 2014 legt er nun mit „Stadtlandliebe“ allerdings erneut eine ausgelassene Komödie vor. Im Unterschied zu „Coming In“, die inhaltlich Ungewöhnliches zu bieten hatte, folgt die neue Posse einem klassischen Plot. Ein Berliner Pärchen zieht aufs Land. Anna (Jessica Schwarz) ist Herzchirurgin, Sam (Tom Beck) Werbetexter. Dass diese beiden nicht auf Anhieb ins hinterwäldlerische Kloppendorf passen, liegt auf der Hand. Stadt prallt auf Provinz, urbane Unruhe auf Kuhstallmief und Gemütlichkeit.

Dass viele Gags vorhersehbar sind, versteht sich von selbst. Dennoch gelingen Kreuzpaintner und seinem Drehbuchteam einige Überraschungen. Die Bewohner Kloppendorfs inszeniert er als schrille Typenparade voller absonderlicher Rituale, inzestuöser Narretei und einem Dialekt, der bei Auswärtigen schon einmal Panikattacken wachruft: Bin ich hier in einer modernen Stammeskultur gelandet? Ende ich gleich am Marterpfahl?

In manchen Szenen wird aus der Komödie fast ein grotesker Märchenfilm. Die Dörfler allerdings sind keine Hexen. Angeführt von Tausendsassa Garms (Uwe Ochsenknecht), Knochenbrecherin Gertie (Gisa Flake) und dem Quotenschwulen Lou (Vladimir Burlakow) entpuppt sich die Truppe bald als liebevoller Haufen, der die Neulinge am liebsten Tag und Nacht knuddeln würde. Ochsenknecht lässt das komödiantische Genie seiner frühen Karriere aufblitzen, und auch Jessica Schwarz schlägt sich als Hipstergirl – eine denkbar undankbare Rolle – erstaunlich gut. Dass „Stadtlandliebe“ letztlich doch nur Mittelmaß erreicht, liegt, wie so oft, am Drehbuch. Nach all der Groteske erzählt der Film dann doch eine biedere Geschichte. Es geht ums Pärchensein, bürgerliche Glücksversprechen und eine Romantik, wie sie „Die Schwarzwaldklinik“ nicht besser etablieren konnte. Anstatt die Träume der Protagonisten als Ideologie zu entlarven oder doch zumindest mit den Mitteln der Posse ad absurdum zu führen, endet der Film genau dort, wo die heute so verlachten Fünfzigerjahre-Klamotten endeten: bei Amt, Ehe und Eiteitei.

„Stadtlandliebe“

mit Jessica Schwarz, Tom Beck Regie: Marco Kreuzpaintner

Laufzeit: 92 Minuten

Annehmbar

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