Trotz Protesten

Ferdinand von Schirachs „Terror“ bleibt im ARD-Programm

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Beim TV-Experiment „Terror“ nach dem gleichnamigen Theaterstück Ferdinand von Schirachs entscheiden die Zuschauer, wie das Ganze ausgeht. Die ARD will das Programm am Montag, 17. Oktober, um 20.15 Uhr ausstrahlen. Unter der Regie von Lars Kraume spielen (von links): Lars Eidinger, Martina Gedeck, Florian David Fitz und Burghart Klaußner.

Die FDP-Politiker Gerhart Baum und Burkhard Hirsch hatten am Wochenende in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gefordert, einen gesamten ARD-Fernsehabend aus dem Programm zu streichen. Es ist die Verfilmung von Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“ (Montag, 17. Oktober, 20.15 Uhr) nebst nachfolgender „Hart aber fair“-Sendung, die den Unmut der betagten Liberalen hervorrief.

Von Schirachs Bühnenstück, beziehungsweise das nach ihm entstandene TV-Experiment, erzählt vom Abschuss einer mit 164 Menschen besetzten Verkehrsmaschine durch einen Bundeswehrpiloten.

Terroristen - so das fiktive Szenario - wollten das Flugzeug in die mit 70.000 Menschen besetzte Allianz-Arena von München lenken. Mit Burghart Klaußner als Richter, Florian David Fitz als angeklagtem Piloten, Martina Gedeck als Staatsanwältin und Lars Eidinger als Verteidiger ist das Fernsehspiel prominent besetzt.

Das moralisch-juristische Dilemma des Sachverhaltes wird in von Schirachs Stück verhandelt. Wie im Theater existieren auch im Film zwei alternative Enden, über dessen „Einsatz“ das Publikum abstimmt. Hirsch und Baum begründeten ihr Plädoyer zur Absetzung des Programms mit dessen ihrer Ansicht nach fragwürdig-populistischer Wirkung sowie der Tatsache, dass es dem Zuschauer verfassungswidrige Gedanken nahelegen würde.

Dem widersprach ARD-Programmdirektor Volker Herres nun entschieden, als er am Montag klarstellte, dass der Themenabend wie vorgesehen im Programm bleibt. „Für fragwürdig oder gar populistisch halte ich von Schirachs Stück nicht“, schreibt Herres in seiner Replik auf die Politikerschelte. „Hinter der konkreten Situation, die von Schirach für sein Stück gewählt hat, verbirgt sich doch eine ganz alte, grundlegende philosophische Frage, die hier auf aktuelle Weise neu gestellt wird. Und das übrigens in einer Form - nämlich der der Gerichtsverhandlung mit langen Argumentationsketten - die selbst hochreflexiv und diskursiv ist. Auf vordergründige Effekthascherei wird hier gerade verzichtet. Den Zuschauern im Ersten wird die Verfilmung deshalb auch einiges an Konzentration und gedanklicher Durchdringung abverlangen.“

tsch

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