Suffragette - Taten statt Worte

Feminismus explosiv

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Die Unterdrückung der Frau gebiert eine opferbereite Revolte: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter und Meryl Streep kämpfen 1912 für das Frauenwahlrecht.

Zur Not militant: Ergreifend, starbesetzt, engagiert und spannend entreißt „Suffragette - Taten statt Worte“ die ersten Frauenrechtlerinnen dem Vergessen.

Schaufensterscheiben einschlagen war gestern. In dieser Nacht ist der Sommersitz eines hohen Ministers an der Reihe. Das Haus zerbirst in einem Feuerball. Die ausgelöste Druckwelle droht noch die zu erwischen, die das Dynamit gezündet haben - unter ihnen die Apothekerin Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) und die Arbeiterin Maud (Carey Mulligan). Doch ist so ein Anschlag im Jahre 1912 geeignet, das Frauenwahlrecht zu erkämpfen? „Suffragette - Taten statt Worte“ (2015, nun fürs Heimkino erhältlich) zeigt als Drama über die ersten Frauenrechtlerinnen, wie aus demütigender Unterdrückungserfahrung opferbereite Revolte wird.

Dabei fühlt sich Maud zunächst gar nicht sehr zum Anliegen der Suffragetten hingezogen. Vielmehr gerät sie wie zufällig in deren Aktionen: Als sie ein Paket Wäsche abliefern soll, nimmt eine Frau neben ihr auf dem Gehsteig plötzlich einen Stein aus einem Kinderwagen und schleudert ihn mit einem Schlachtruf in ein Schaufenster. Zehn, zwanzig andere Frauen tun es ihr gleich, ein Konzert splitternden Glases, Polizei rückt an, Handgemenge, Verhaftungen. Die Embleme der Suffragetten sieht Maud auch an der Wand bei ihrer Apothekerin Edith hängen. Dass Inspector Steed (Brendan Gleeson) von Scotland Yard sie schon beobachtet, ahnt sie nicht.

Maud ist verheiratet, hat einen kleinen Sohn. Seit ihrer Kindheit schuftet sie in der Wäscherei, in der schon ihre Mutter beschäftigt war. Ihren mageren Lohn gibt sie brav bei Ehemann Sonny (Ben Whishaw) ab. Der ist kein schlechter Kerl, aber auch nicht besonders mutig. Etwa wenn Maud der Willkür des Wäschereibesitzers Taylor (Geoff Bell) ausgesetzt ist. Als der wieder eine junge Arbeiterin sexuell zu missbrauchen beginnt, wächst bei ihr der Wunsch, die Suffragetten zu unterstützen. Maud bekommt die Stöcke der Polizei und das Gefängnis zu spüren, doch bald hat sie nichts mehr zu verlieren und kämpft mit ihren Gesinnungsgenossinnen umso entschlossener für die Gleichstellung ihres Geschlechts.

Suffragette ergreift mit der Wucht, die Zeitgeschichte entwickeln kann, wenn sie zu lange vergessen wurde. Von dem, was Regisseurin Sarah Gavron zeigt, will wahrscheinlich niemand gern wahrhaben, dass es einmal Wirklichkeit war oder wieder werden könnte: Im zweiten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts boxen Polizisten friedlich demonstrierende Frauen in den Magen und knüppeln auf sie ein. Maud geht es schlicht um das Ende einer Form von Sklaverei. Die Unausweichlichkeit des Kampfes ist bei dieser erfundenen, aber unerbittlich realistischen Figur hervorragend aufgehoben.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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