Suite Française - Melodie der Liebe

Mit dem Feind unter einem Dach

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Michelle Williams kann schauspielerisch nicht überzeugen.

Die Verfilmung des Bestsellerromans von Irène Némirovsky erzählt melodramatisch von einer heimlichen Liebe zu Zeiten der deutschen Besatzung Frankreichs.

Was bedeutet es, mit dem Feind unter einem Dach zu wohnen, den Alltag mit ihm zu teilen und sich dann sogar noch in ihn zu verlieben? Das Historiendrama „Suite Française - Melodie der Liebe“ (2014, nun fürs Heimkino erhältlich) führt ins Jahr 1940, die Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs. Die unvollendete Romanvorlage der in Auschwitz ums Leben gekommenen französischen Autorin Irène Némirovsky bietet viele moralisch, gesellschaftlich und politisch interessante Aspekte. Diese spielen in der Verfilmung von Saul Dibb zwar eine Rolle, werden aber von einer kitschigen, nicht funktionierenden Liebesgeschichte in den Hintergrund gedrängt.

In der Kleinstadt Bussy kommen im Frühsommer 1940 erst die Flüchtlinge aus Paris an, dann folgen die deutschen Besatzer. Im größten Haus des Ortes bezieht Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts) sein Quartier, frostig geduldet von der Hausherrin Madame Angellier (Kristin Scott Thomas). Diese lebt seit kurzem in einer Zweckgemeinschaft mit ihrer Schwiegertochter Lucile (Michelle Williams), die selbst aus der Hauptstadt aufs Land kam und deren Mann im Krieg ist.

Ironischerweise scheint Lucile die Anwesenheit des Deutschen weniger zu stören als die ihrer herrischen und verbitterten Verwandten. Als sich der Mann auch noch an ihr geliebtes Klavier setzt, das ihr selbst von Madame Angellier zu spielen verboten wurde, ist das Interesse der jungen Frau an dem Eindringling geweckt. Sie beginnen sich zu unterhalten, erfahren Dinge übereinander. Langsam entsteht ein Vertrauen, aus dem Leidenschaft wachsen kann.

Während die auch in Frankreich lebende Kristin Scott Thomas als herbe Bourgeoise-Dame brilliert, kann Michelle Williams die mutige Französin Lucile nicht zum Leben erwecken. Sichtbar bleibt die Hollywoodschaupielerin, die im französischen Ambiente fehl am Platz wirkt. Auch der Regisseur schien ihr nicht zu vertrauen, im penetranten Voice-over werden ihre Gefühle ständig erklärt.

Bleibt zu konstatieren, dass „Suite Française“ in der Verfilmung von Saul Dibb („Die Herzogin“) als ein schön anzusehendes, aber kitschiges Liebesdrama im historischen Dekor daherkommt, das seiner faszinierenden Vorlage größtenteils nicht gerecht wird.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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