Dämonen und Wunder - Dheepan

Enttäuschendes Europa

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Dheepan (Jesuthasan Antonythasan) befindet sich auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka.

Das zwiespältige Integrationsdrama „Dämonen und Wunder - Dheepan“ von Jacques Audiard gewann bei den letztjährigen Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme.

Mit Seelenpein und Schmerz kennt sich Jacques Audiard aus. Das bewies der Franzose bei Filmen wie „Ein Prophet“ (2009) und „Der Geschmack von Rost und Knochen“ (2012), die den Zuschauer emotional aufwühlten und tief berührten. Eine Goldene Palme gab es für keines der beiden Werke. Diese holte der Regisseur dafür beim Festival 2015 mit dem Integrationsdrama „Dämonen und Wunder - Dheepan“ (2015), das nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erscheint.

Palme hin oder her: Verglichen mit früheren Werken Audiards ist „Dheepan“ ein künstlerisch eher schwacher Film, ohne mitreißenden Plot und behäbig erzählt. Dafür behandelt der Film ein brisantes, wichtiges Thema: das Fremdsein des Flüchtlings in der Fremde. In einem Flüchtlingslager auf Sri Lanka finden sich Dheepan (Jesuthasan Antonythasan), Yalini (Kalieaswari Srinivasan) und die Waise Illayaal (Claudine Vinasithamby) zusammen. Mit falschen Papieren geben sie vor, eine Familie zu sein, um zusammen nach Europa fliehen zu können.

Zunächst scheint es, als nehme die Geschichte einen positiven Verlauf: Die Flucht nach Frankreich glückt. Doch nach ihrer Zeit in einer Gemeinschaftsunterkunft bekommen die drei, die sich als Straßenhändler durchschlagen, ihren zukünftigen Wohnort in einem verwilderten Pariser Vorort zugewiesen. Dort herrschen Anarchie und Bandenkrieg. Europa zeigt hier sein hässlichstes Gesicht, und Dheepan versteht nicht einmal, warum sich die Menschen gegenseitig abknallen.

Trotz aller Probleme - oder gerade derentwegen - wachsen Dheepan, Yalini und Illayaal schließlich zu der Familie zusammen, die sie auf dem Papier schon lange sind, was Audiard in vielen Momenten des Alltagslebens festhält. Die dabei entstehende Liebesgeschichte zwischen den „Eltern“ wird mancher goutieren, andere werden sie unglaubwürdig und überflüssig finden. Ein verstörend hollywoodesker Showdown setzt jeder Art von Entwicklung der Figuren sowieso ein Ende, als wünschte sich auch der Regisseur, dass endlich mal etwas passiert.

tsch

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