Sky du Mont

"Entscheiden tun doch immer nur die da oben!"

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"Ich wehre mich und bin auch mal laut, wenn mir etwas nicht passt": Sky du Mont findet klare Worte, wenn es um die Politik geht.

Im Interview ereifert sich Schauspieler Sky du Mont über die deutsche Politik - und verrät, warum er noch FDP-Mitglied ist.

Er ist der wohl prominenteste FDP-Anhänger der Republik: Schauspieler Sky du Mont hält noch immer zu den Liberalen, Umfragetiefs zum Trotz. "Jeder, der einen Funken Hirn hat, ist liberal", gibt er sich im Interview überzeugt, um sich wenig später über die große Politik zu ereifern. "Entscheiden tun doch immer nur die da oben", klagt er. Dennoch: Ausflüge ins politische Geschäft unternimmt der Wahl-Hamburger doch eher selten. Er bleibt seinem Metier treu, der Schauspielerei. Demnächst ist der 68-Jährige gleich zweimal zur Primetime in den ZDF-"Herzkino"-Schmonzetten am Sonntagabend zu sehen: Am 8. Mai in "Dora Heldt: Wind aus West mit starken Böen" und am 22. Mai in "Ein Sommer auf Sizilien".

teleschau: Herr du Mont, sind Sie eigentlich noch in der FDP?

Sky du Mont: Ein bisschen leidend, aber ja.

teleschau: Warum?

du Mont: Weil ich liberal bin! Sie sind auch liberal! Jeder, der einen Funken Hirn hat, ist liberal. Liberal bedeutet, dass ich den anderen so lasse, wie er ist, so lange er niemandem wehtut. Mich stört es, dass der Staat so viel kontrolliert.

teleschau: Braucht es nicht den Staat, damit der Mensch in Freiheit leben kann?

du Mont: Ja, aber dieser Staat sichert mir meine Freiheit nicht. In vielen Dingen fühle ich mich reglementiert.

teleschau: Fühlen Sie sich denn unfrei?

du Mont: Oft ja. Vor den Wahlen wird jedes Kind geküsst und jeder Rentner umarmt. Und dann entscheiden die Politiker die Dinge doch wieder so, wie sie ihnen in den Kram passen. Ich bin etwa für den Ausstieg auf der Atomenergie, aber nicht aufgrund einer Bauchentscheidung von Frau Merkel, die nach Fukushima einfach mal gesagt hat, dass jetzt die Atomkraftwerke abgeschaltet werden! Jetzt haben wir die Prozesse mit den Betreibern am Hals. Die werden wir wahrscheinlich verlieren und Milliarden zahlen müssen! Aber ich wehre mich und bin auch mal laut, wenn mir etwas nicht passt. Als vor einigen Jahren in Hamburg die Gymnasien abgeschafft werden sollten, habe ich mich für einen Volksentscheid starkgemacht. Und wir haben es geschafft, die Gymnasien gibt es noch. Der Bürger darf mündig sein, Dinge mitzuentscheiden.

teleschau: Ist der Bürger denn mündig? Gäbe es in Deutschland etwa die Eingetragene Lebenspartnerschaft, wenn die Mehrheit entscheiden dürfte?

du Mont: Wahrscheinlich nicht. Und das würde ich bedauern. In der Schweiz, wo die Bürger viel mitentscheiden können, dürfen Frauen erst seit den 70er-Jahren wählen. Das ist natürlich krass. Aber die Schweizer ticken auch etwas anders, mit denen sollten wir uns hier nicht messen. In Deutschland sind wir in manch Dingen gottlob offener.

teleschau: Gibt es Parallelen zwischen Politik und Schauspielerei?

du Mont: Schauspieler müssen sich nicht verstellen, so wie Politiker das oft tun müssen. Wenn ich etwa in einem Film am Grab meiner verstorbenen Frau stehe, dann kommen mir da echte Tränen, weil ich versuche, die Situation nachzuempfinden. Würde ich mich nur verstellen, könnte ich nicht wirklich überzeugend weinen. Wenn Sie einen Politiker etwas fragen, hören Sie nur Gelaber, aber selten die Antwort auf ihre Frage. Das geht mit tierisch auf die Nerven. Ich bevorzuge ehrliche Politiker, die sagen, was Sache ist.

teleschau: Gibt's die denn noch?

du Mont: Ab und zu.

teleschau: Haben Sie selbst Ambitionen, in die Politik zu gehen?

du Mont: Ein Freund von mir war Bundestagsabgeordneter aus Bayern. Nach vier Jahren warf er das Handtuch, weil er überzeugt war, nur Stimmvieh zu sein. Entscheiden tun doch immer nur die da oben! Wie lange soll es schon eine Steuerreform geben. Und was passiert? Nichts. Ich als Schauspieler hätte sowieso keine Chance: Die Medien würden mich zerreißen.

teleschau: Sie begeben sich doch immer wieder freiwillig in die Boulevardmedien ...

du Mont: Nein, das tue ich nicht. Ich habe neulich ein Buch übers Älterwerden geschrieben. In einem Kapitel schreibe ich: "Ab einem gewissen Alter nimmt die Schwerkraft zu, und die Potenz ab." Ein Boulevardblatt hat daraus die Schlagzeile gemacht: "Sky du Mont: Ich wäre gerne so potent wie früher." So läuft das oft, das ärgert mich. Aber manchmal, etwa wenn ich ein Buch geschrieben habe, bin ich eben auch auf die Medien angewiesen.

teleschau: Einmal haben sich die Zeitungen gar mit Ihrer Intimbehaarung beschäftigt ...

du Mont: Da spielte ich in der "Rocky Horror Show" für ein paar Vorstellungen den Erzähler. Ein Journalist frage mich, ob ich für die Rolle auch Strapsen tragen und mir die Beine rasieren würde. Würde ich nicht, antwortete ich, und fügte hinzu: "Je tiefer die Hecke, desto größer wirkt das Haus." Ein englisches Sprichwort. Und was passiert? Die Medien schrieben, meine Frau würde verlangen, dass ich mich im Intimbereich rasiere! Ein paar Tage später sprach mich sogar mein Hautarzt drauf an!

teleschau: Sie haben schon unter der Regie von Stanley Kubrick gespielt oder in deutschen Erfolgsfilmen wie "Der Schuh des Manitu". Jetzt das ZDF-Herzkino. Warum machen Sie das?

du Mont: Das ist mein Beruf, ich bin Schauspieler! Und die Rollen im "Herzkino" waren richtig gute Rollen. Ich suche mir die Rollen aus, nicht die Filme. Schließlich weiß ich vorher nicht, wie die Filme werden. Ein Schauspieler ist ja nur ein kleines Rädchen in einer Produktion. Nie haben wir damals gedacht, dass "Der Schuh des Manitu" so ein Mega-Erfolg wird. Würde ich nur auf die ganz großen Rollen warten, wäre ich schon verarmt!

teleschau: Ist das nicht Beliebigkeit, wenn jemand so viel verschiedenes spielt?

du Mont: Als ich mit der Schauspielerei anfing, gab es nur ARD, ZDF und die Dritten. Da war mir schnell klar, dass ich auf vielen Beinen stehen muss, um gut leben zu können. Und: Das "Herzkino" läuft im ZDF - nicht gerade ein Billigsender - und auf einem guten Sendeplatz. Zugegeben: Es muss mit dem "Tatort" konkurrieren. Das ist natürlich nicht leicht. Ich kenne das von uns daheim: Ich schaue am Sonntag den Krimi, meine Frau guckt das "Herzkino".

teleschau: Im ZDF-Film spielen Sie jetzt einen Bestseller-Autor. Wann war Ihnen klar, dass sie auf die Rolle des gutaussehenden, erfolgreichen Gentleman-Typs gebucht sind?

du Mont: Das war mit relativ früh klar. Zu Beginn meiner Karriere musste ich häufig die Bösen spielen. Das hat mich irgendwann so gelangweilt, dass ich lange Zeit alle Rollenangebote abgesagt hatte.

teleschau: Aber sind die Bösen nicht eigentlich die cooleren?

du Mont: Ja, wenn sie gut geschrieben sind. Aber gute Drehbücher haben wir in Deutschland leider immer noch zu selten.

teleschau: Stört es Sie, dass Sie jetzt immer ähnliche Rollen angeboten bekommen?

du Mont: Das finde ich okay. Wir stecken jeden in Schubladen. Ich erinnere mich, wie ich einmal mit Elmar Wepper drehte. Er lief neben mir, die Kamera auf uns gerichtet, und sagte zu mir aus dem Mundwinkel: "I glaub i spinn. Immer lauf i mit da Lederjack'n umanandn und du im dunkelblauen Anzug." Aber so ist das nun mal, damit habe ich mich abgefunden, das ist okay ... und das geht den meisten so.

teleschau: Stand Ihnen Ihr Aussehen eigentlich mal im Wege?

du Mont: Früher hat man schwer Rollen bekommen, wenn man gut aussah. Ich sollte zum Beispiel in den "Guldenburgs" mitspielen. Und da meinte ein Redakteur, ich würde nicht passen auf die Rolle, ich sei ja bloß ein Dressman. War ich aber nicht. Zu der Zeit spielte ich schließlich am Residenztheater in München!

teleschau: Ist das nur in Deutschland so?

du Mont: Ich glaube, ja. In Frankreich, Italien oder Amerika sieht man öfter gutaussehende Menschen im TV und auf der Leinwand. Ich sehe lieber Brad Pitt und Angelina Jolie eine Liebesszene spielen als - ach, das sage ich jetzt lieber nicht (lacht)!

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