Die Netflix-Serie um Drogenbaron Escobar

Endlich neuer Stoff: „Narcos“ geht in die zweite Staffel

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Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie sie ihn kriegen: Wird die Geschichte von Kolumbiens Koks-König Pablo Escobar schon mit der zweiten „Narcos“-Staffel zu Ende erzählt?

Vor dem Start der neuen „Narcos“-Staffel erhielt Netflix ein bedrohliches Schreiben aus dem familiären Umfeld von Pablo Escobar. Ungeachtet der abenteuerlichen Forderungen, die aus dem Brief hervorgehen, werden nun zehn neue Episoden des Drogendramas veröffentlicht.

Es wird in den Netflix-Büros mit Sicherheit einer der aufgeregtesten Tage des Jahres gewesen sein: Anfang Juli erhielt der Streaming-Dienst Post von Roberto Escobar - dem Bruder des legendären kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar, der wiederum im Zentrum der Netflix-Serie „Narcos“ steht. Roberto wollte in dem Brief seinem Ärger Luft machen: Die erste Staffel, von Kritikern weltweit gefeiert, sei voller „Fehler, Lügen und Ungenauigkeiten“. Deshalb verlangte Roberto in einer „freundlichen Aufforderung zur Kooperation“, dass man die Handlung der zweiten Season vorab von ihm absegnen lasse. Und dass man den Escobar-Clan mit einer Milliarde US-Dollar am Gewinn beteilige. Bessere Publicity hätte man sich kurz vor dem Start der neuen Folgen nicht wünschen können.

Was macht man als Produzent, wenn man einen Drohbrief wie den von Roberto Escobar in den Händen hält? Über die Reaktion der Netflix-Verantwortlichen ist nichts bekannt, außer dass es eigentlich keine Reaktion gab. Was wohl auch daran liegen kann, dass die zweite Staffel längst abgedreht war, als Robertos Schreiben einging. Man hätte zu dem Zeitpunkt kaum noch etwas ändern können. Ob es eine Gewinnbeteiligung gegeben hat - man darf es bezweifeln. Netflix stellt ab 2. September die zehn neuen Folgen wie geplant online, als hätte es keinen Brief gegeben.

Wenn Roberto schon die erste Staffel nicht mochte, wird ihm die zweite womöglich noch weniger gefallen. Auf der Flucht vor dem kolumbianischen Militär und US-amerikanischen Drogenfahndern muss Pablo (wieder großartig: Wagner Moura) sich „wie eine Ratte“ verstecken. Im Kofferraum eines Taxis lässt er, der Ende der 80er-Jahre zu den reichsten und mächtigsten Männern der Welt gehörte, sich zwischen wichtigen Business-Terminen und seinen Unterschlüpfen hin und her kutschieren.

Die Frage ist dabei nicht ob, sondern wann und wie sie ihn kriegen. Zwar scheint es lange so, als sei der Quasi-Volksheld Don Pablo seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus. Als einer seiner Boten ihm eröffnet, dass Präsident Gaviria (Raúl Méndez) Pablos erbittertsten Jäger Horacio Carillo (Maurice Compte) aus dem Exil zurückgeholt hat, scheint aber selbst der sonst so souveräne Macher-Typ Pablo mit seinem Latein am Ende.

Nach den Lorbeeren, die Staffel eins einheimste (unter anderem Golden-Globe- und Emmy-Nominierungen), hat Netflix das Produkt konsequent weiterentwickelt, wenngleich von einer „Veredelung“ des Stoffs nicht immer die Rede sein kann. Manchmal wird auch etwas gestreckt. Etwa, wenn DEA-Cowboy Murphy (Boyd Hollbrook) Stress mit seiner Frau hat, oder wenn mit Verweis auf Gräueltaten der ersten Staffel neue, rachelüsterne Akteure eingeführt werden, die letztlich aber doch Randfiguren bleiben.

Über allem steht jedoch nach wie vor der große und inzwischen alleinige Star der Serie, Pablo Escobar. Er wird im Verlauf der Geschichte mehr und mehr zum Monster, darf aber immer auch Mensch bleiben - mit vielen Joints, die ihm bei all dem Ärger niemand verdenken will, und hingebungsvoll im Kreise seiner Liebsten. Hin und wieder erlauben sich die Serienschöpfer Chris Brancato, Carlo Bernard und Doug Miro sogar, bei Pablos Auftritten eine skurrile Komik mitschwingen zu lassen. Da wird es in den Augen von Roberto Escobar garantiert wieder viele „Ungenauigkeiten“ geben, wahrscheinlich auch „Fehler“ und „Lügen“. Was aber nichts daran ändert, dass „Narcos“ auch im zweiten Durchgang ganz hervorragend unterhält. „Narcos“ ist verfügbar als Video-on-Demand; Staffel eins ist auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich.

tsch

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