Donna Leon - Das goldene Ei - Do. 31.03 - ARD: 20.15 Uhr

Eins zu null für die Serenissima

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Commissario Brunetti (Uwe Kockisch, links) im Gespräch mit Sergente Vianello (Karl Fischer), auf den er sich stets verlassen kann.

Der Wäschereigehilfe Davide erleidet einen tödlichen Herzanfall. Der Staatsanwalt bescheinigt einen natürlichen Tod, doch Signora Brunetti bringt den Fall ins Rollen.

Fast ein wenig verloren treibt sich der Commissario Brunetti (Uwe Kockisch) neuerdings zwischen all den Donnerstags-Krimis herum, die vom Ersten mit dem Prädikat "Kriminell gut" beworben werden. Ein Glück für ihn, dass seine Schöpferin, die in Venedig lebende Donna Leon, immer nur einmal im Jahr einen Plot für ihn schreibt. "Das goldene Ei" ist der 22. Brunetti-Fall - als Roman auf Deutsch 2014 erschienen und im selben Jahr verfilmt. Es ist nicht der stärkste Film der Reihe. Zu früh wird die Lösung preisgegeben, auch ist die Story, in der es um die Verhinderung eines Erbes geht, von allzu groben Klischees durchsetzt.

Aber Korruption und amtliches Duckmäusertum, die klagt auch dieser Donna-Leon-Krimi (Adaption: Stefan Holtz und Florian Iwersen) wieder an. Venedig schlägt Palermo eins zu null, auch die Traumstadt an der Lagune hat eine prächtige Mafia zu bieten.

Da mag sich der Vize-Questore Patta (Michael Degen) auch noch so sehr aufspielen, moralisch ist er ein kleines Licht. "Zwischen Täter und Opfer gibt es immer eine Verbindung", so plustert er sich auf. Er hat gerade das Vorwort zu einem Profiler-Handbuch geschrieben und behauptet: "Wir können Verbrechen nur aufklären, wenn wir die Täter verstehen!"

Die Täter wollen allerdings erst mal gefunden sein. Diesmal scheint das zunächst sehr leicht. Ausgerechnet vor Brunettis Haus bricht der Wäscherei-Bote Davide zusammen. Er hat gerade bei Signora Brunetti (Julia Jäger) die Wäsche vorbeigebracht, und weil er schon in der Wohnung schwankte, verfolgte sie ihn später durchs Fenster. Der Bote (Nicolo Polesello) hatte eine Überdosis Betablocker zu sich genommen: Commissario Brunetti findet das erstaunlich schnell heraus. Seine offenbar andauernd Rosenkranz betende Mutter Anna (Juliane Köhler) gibt sofort zu, dem geistig behinderten Sohn aus dem Leben geholfen zu haben.

Das ist schon ein bisschen unwahrscheinlich, und so wird Annas Schwester (Imogen Kogge), die Wäschereibesitzerin nebenbei bemerkt, als Drahtzieherin dazwischengeschaltet. Warum musste Davide sterben? - Vor allem Signora Brunetti dringt auf die Lösung dieser Frage, zumal der korrupte Staatsanwalt Davides Leiche bereits zur Verbrennung freigegeben hat. Nicht von ungefähr schiebt sich Paola diesmal in den Vordergrund. Auf der pittoresken Hausterrasse über den Dächern Venedigs demonstrieren die Brunettis Familienglück, und wieder einmal fällt einem in diesem Falle der Tolstoi-Satz von den glücklichen und den unglücklichen Familien ein. Unglücklich jedenfalls sind die Täter auf ihre sehr eigene Art.

Mal abgesehen von dem Plätzchen, auf dem eine Brunnenstatue eine wichtige Rolle spielt, fängt die Kamera äußerst lieblos die schönen Totalen Venedigs ein (Regie, wie stets: Sigi Rothemund). Unbegründete Vogelperspektiven und überflüssige Bootsfahrten auf den Kanälen zuhauf. Etwas mehr Witz und Augenzwinkern hätten diesem Kaspar-Hauser-Stoff (jetzt ist es raus!) sicher gut getan. So wie das Signorina Elettra macht: "Ich liebe dieses Programm", ruft sie aus, wenn sie das Opfer Davide am Computer schnell mal um 50 Jahre altern lässt und damit den Fall im Handstreich löst. An Stellen wie dieser weiß man wieder, was man an der "Donna Leon"-Reihe hat.

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