TV-Star im Interview

Stephan Luca: „Ich bin kein Sänger.“

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„Für mich war das Tagesprogramm immer wichtiger als das Nachtprogramm“, sagt Sportfan Stephan Luca. „Viele Leute, die am Ballermann feiern gehen, suchen den Ausgleich zu ihrem stark strukturierten Alltag. Ich als Schauspieler erlebe soviel Chaos und ständige Veränderung, vielleicht suche ich deshalb in der Nacht mehr Struktur.“ Das Foto entstand im Mai 2015 beim GQ Care Award in Berlin.

Stephan Luca spielt einen Ballermann-Sänger auf Mallorca - und macht in diesem „schmutzigen Job“ alles selbst. Für seine Rolle als Ballermann-Sänger in „Verdammt verliebt auf Malle“ (Dienstag, 13. September, 20.15 Uhr, SAT.1) musste Schauspieler Stephan Luca selbst singen, obwohl dies nicht unbedingt zu den Stärken des attraktiven TV-Stars zählt.

Um den Schwierigkeitsgrad noch zu steigern, bestand das Publikum des 42-Jährigen nicht aus verständigen Filmcrew-Mitgliedern, sondern aus 2.000 zufällig ausgewählten Partygästen am Strand von Mallorca. Immerhin standen ihm Jürgen Drews und Mickie Krause, die kleinere Rollen in der SAT.1-Komödie übernahmen, als Fachberater zur Seite.

nordbuzz: Sie spielen einen Ballermann-Sänger und mussten für diese Rolle auch live Stimmungslieder singen. Ein Albtraum?

Stephan Luca: Nein, überhaupt nicht. Das war genau so erwünscht, sowohl vonseiten der Filmemacher als auch von mir. Es ging ja auch darum, sich dieser Figur zu nähern. Wie könnte das besser gehen als über einen Auftritt vor Publikum? Trotzdem muss man natürlich sagen: Ich bin kein Sänger. Außer der kleinen Gesangs-Ausbildung an der Schauspielschule und einigen wenigen Liederabenden am Theater habe ich da wenig vorzuweisen.

nordbuzz: Dann ist diese Rolle für Sie schon ein Wagnis, oder?

Luca: Ja, vor allem ist Komödie immer ein Wagnis, denn man stellt sich da mehr aus als im Drama. Letztendlich suche ich aber genau das in diesem Beruf. Um Leute zu berühren, musst du etwas Ehrliches abliefern. Insofern war ich beruhigt, dass man auch vonseiten der Filmemacher niemals darüber nachdachte, die im Film von den Schauspielern vorgetragenen Songs von professionellen Sängern interpretieren zu lassen.

nordbuzz: Im Film treten Sie tatsächlich im Mega-Park von Mallorca auf. Wie skurril war diese Erfahrung?

Luca: Nun ja, es waren über 2.000 Besucher da, ich war schon ziemlich nervös. Der Auftritt wurde vorher über Plakate angekündigt. Auf ihnen stand Gregor Brömmer, mein Rollenname. Allerdings im Verbund mit Mickie Krause und Jürgen Drews, die im Film ebenfalls mitspielen. Dank dieser beiden Lokalmatadore war meine Aufgabe nur noch halb so schwer. Sie gaben mir eine Art Ballermann-Welpenschutz.

nordbuzz: Die Leute in der Konzertszene waren also authentische Ballermann-Besucher ...

Luca: Es gab 20 bis 30 Komparsen, die um die Bühne herum gruppiert wurden. Ihre Aufgabe war auch, die ganze Situation ein bisschen zu schützen, damit das Filmteam nicht im Gewimmel untergeht. Es ist natürlich toll, dass alles so authentisch geworden ist. Andererseits wäre es auch schwer geworden, 2.000 Komparsen für nur eine Szene einer SAT.1-Komödie zu organisieren (lacht).

nordbuzz: Waren die Malle-Touristen denn ein dankbares oder eher undankbares Publikum für Sie?

Luca: Jürgen Drews und Mickie Krause machten vorher Werbung für mich, indem sie dem Publikum sagten: Das ist ein Guter! Die Leute folgen ihnen einfach - sie sind die Helden da. Insofern hatte ich tolle Paten für meinen Auftritt. Jürgen Drews gab mir außerdem viele Tipps für meine Rolle. Am meisten halfen mir allerdings seine Worte „Ich bin ja da!“ (lacht). Es wurden auf diesem Fass, das die Bühne darstellt, schon Sänger geteert, gefedert und ins Mittelmeer befördert - bildlich gesprochen. So ein Auftritt kann in der Tat nach wenigen Sekunden zu Ende sein. Ich weiß also, welch großen Dienst die beiden mir erwiesen haben.

nordbuzz: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Luca: Indem ich mir ihre Einstellung aneignete. Gregor Brömmer ist ein Zirkuspferd, das sein Leben liebt. Für ihn ist es okay, Songs zu covern und sie vor Leuten vorzutragen, die im Urlaub eine gute Zeit haben wollen. Es gehört eine gewisse Demut zu dieser Sichtweise. Gregor ist jemand, der seine Existenz samt Ballermann mag. Ich fuhr also dahin und machte mir diese Haltung zu eigen, obwohl das sicher nicht das Leben oder der Urlaub wäre, von dem ich privat träume. Ich glaube, das ganze Team war überrascht, wie gut ich während der Dreharbeiten drauf war (lacht).

nordbuzz: Wie hat das Publikum auf Sie reagiert?

Luca: Ich glaube, ganz gut. Nach dem Auftritt sprachen mich einige Leute an und sagten Dinge wie: „Mensch Gregor, super, wann kommste mal zu uns?“ Es ist erstaunlich, wie schnell die Menschen dort eine Kunstfigur annehmen. Gregor Brömmer wird mit Sicherheit nicht mein zweites Standbein werden. Das Ganze hat aber schon Spaß gemacht - im Sinne eines Abenteuers und der Suche nach neuen Erfahrungen.

nordbuzz: Worin besteht für Sie die Leistung eines Ballermann-Sängers?

Luca: Es sind sehr hart arbeitende Menschen. Leute wie Mickie Krause oder Jürgen Drews machen bis zu 270 Auftritte pro Jahr. Da kann man allein schon mal rechnen, wie viel die unterwegs sind. Die Auftritte von Mickie am Ballermann dauern, glaube ich, etwa eine Stunde. Bei Jürgen sind sie sogar noch länger, eine Stunde und 30 Minuten etwa. Die singen live, ihre eigenen Songs. Immer wieder gilt es, die Verbindung zum Publikum herzustellen, dabei hat man vielleicht gerade eine lange Anreise in den Knochen oder generell einen schlechten Tag. Es ist Hochleistungssport und verdient auf jeden Fall Respekt.

nordbuzz: Kann so eine Ochsentour denn auch künstlerisch befriedigend sein?

Luca: Ich weiß es nicht. Mickie Krause befindet sich in seiner 18. Mallorca-Saison. Jürgen ist noch länger dabei. Ich glaube nicht, dass man etwas so lange machen kann, wenn man keinen Spaß daran hat. Es kann nicht funktionieren. Ich erlebte die beiden durchaus als Vollblutmusiker. Auch sie haben diese Demut, dass sie den Erfolg nicht für selbstverständlich erachten. Wer sein Publikum so lange hält, in einem äußerst schnelllebigen Geschäft, hat etwas, das viele andere nicht haben.

nordbuzz: Aber tauschen wollten Sie nicht?

Luca: Nein, auf keinen Fall. Mein Sport ist die Verwandlung. Nicht das hartnäckige Bearbeiten des Publikums mit der eigenen Persönlichkeit, den eigenen Liedern. Insofern sind Schauspieler und Musiker beziehungsweise eine Band, die mit ihrem Sound nach oben will, schon sehr verschieden. Ich habe mal Till Lindemann von Rammstein kennengelernt. Es ist ja Wahnsinn, wie die gearbeitet haben, bis ihr Ding sogar in Amerika zum Massenphänomen wurde.

nordbuzz: Wie stehen Sie dem Ballermann persönlich gegenüber? Kann diese Parallelwelt und Feierkultur auch Ihrem Leben etwas Gutes bewirken?

Luca: Nein, das ist für mich gar keine Option. Ich verstehe es aber. Einerseits, weil ich es mir angeschaut habe, andererseits, weil ich es logisch nachvollziehen kann. Der Ballermann ist ein geschützter Raum zum Ausrasten. Aber er ist eben nichts für mich.

nordbuzz: Weil Sie sich vom Exzessiven fern halten?

Luca: Für mich war das Tagesprogramm immer wichtiger als das Nachtprogramm. Viele Leute, die am Ballermann feiern gehen, suchen den Ausgleich zu ihrem stark strukturierten Alltag. Ich als Schauspieler erlebe soviel Chaos und ständige Veränderung, vielleicht suche ich deshalb in der Nacht mehr Struktur (lacht). Im Urlaub genieße ich es sehr, Zeit zu haben und raus in die Natur zu gehen. Mein Ausgleich ist Ruhe, Sport und Natur. So bin ich halt gestrickt.

nordbuzz: Waren Sie nicht irgendwann früher mal ein Partyhengst?

Luca: Nein, das war ich nie. Schon als Jugendlicher wollte ich lieber reisen und entdecken, anstatt feiern zu gehen. Später suchte ich Geselligkeit dann am liebsten beim Kochen, zusammensitzen mit Freunden und der Familie, in der Zeit mit meinen Kindern. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch mal Fünfe gerade sein lassen kann. Auch das gehört für mich zum Leben dazu. Aber eben in eher kleinen Dosen.

tsch

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