Ein Doktor & drei Frauen (Rosamunde Pilcher:) - So. 24.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Der eingebildete Kranke

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Bei Jasemins (Clelia Sarto) regelmäßigen Krankenbesuchen fühlt sich Lord Hurrleton (Harald Schmidt) wohl.

Überraschung im Pilcher-Land: Ein ganz besonderer Stargast gibt sich diesmal die Ehre ...

Seine Hochwohlgeboren hat Hautkrebs. Glaubt der Herr jedenfalls. Doch: er irrt. Nur eine allergische Reaktion. Darüber hinaus schmerzen seine Beine und auch sonst eigentlich alles an seinem ausgelaugten Körper. Eine Lichtallergie hat er auch. Lord Hurrleton ist ein Hypochonder, wie er im Buche steht. Er ist arrogant. Mag keine Ausländer. Und die Einheimischen auch nicht. Doch weil sein Ururgroßvater indischer Vizekönig war, er selbst bis heute mehr als gut betucht ist und ihm zudem die Räume der ärztlichen Praxis im idyllischen 998-Einwohner-Ort St. Mark gehören, ist er ein großes Tier in Cornwall. Folglich hat er auch einen ihm ergebenen Butler. Spätestens an dieser Stelle im Buch muss dem ZDF bei der Besetzung dieser uncharmanten kleinen Rolle im Rosamunde-Pilcher-Film "Ein Doktor & drei Frauen" ein Geistesblitz gekommen sein ...

Harald Schmidt also. Am Sonntagabend. Im einem Pilcher-Film. Nun, Angst vor Kitsch hat der 58-Jährige nicht. Seit 2008 taucht er in der ZDF-Reihe "Das Traumschiff" immer mal wieder als Gentleman-Host Oskar Schifferle auf. Mit Butlern kennt er sich auch aus. "Markus" hieß dermaleinst sein eigener in seiner Late-Night-Show. Und: Schmidt kokettiert allzu gerne damit, bekennender Hypochonder zu sein. Nein, jemand anders kam für diese Rolle eigentlich gar nicht in Frage.

Aber: In "Ein Doktor & drei Frauen" (nach einer Kurzgeschichte von Rosamunde Pilcher) geht es natürlich nicht im Wesentlichen um Lord Hurrleton, der eher die in der britischen Literaturgeschichte ja tief verwurzelte Rolle des Narren im Spiel hat. Es geht um den Doktor (Xaver Hutter). Und um eine Frau (Anja Knauer). Beide kennen sich seit ihrer späten Jugend aus London. Doch aufgrund eines geradezu tragischen Missverständnissen ging die junge Liebe zwischen Nael Rayan und Helen Thomson dermaleinst abhanden. Nun aber taucht Nael nach zehn Jahren plötzlich wieder auf, nimmt er doch die frei gewordenen Stelle des Landarztes in St. Mark an.

Helen ist dort die ehrenamtliche Bürgermeisterin und hat eigentlich schon dem örtlichen Pfarrer (Anian Zollner) ihre Hand versprochen. Der ist schließlich ein grundanständiger Mensch und würde nur allzu gerne die Abende mit seiner Ehefrau und einer interessanten Dokumentation über die "Alpenkrähe" genießen. Aber ach: Bei den Proben zu einem Theaterstück, das anlässlich des Stadtjubiläums aufgeführt werden soll, kommt es auf der Bühne zum gespielten Kuss zwischen Nael und Helen. Schon ist es um sie geschehen. Helen schießt ihren Verlobten in den Wind, der tröstet sich mit Messwein. Und alles könnte "ein Traum werden, der niemals endet", wäre da nicht der Titel des Films, der Schlimmes erahnen lässt: "Ein Doktor & drei Frauen". Drei! Nicht eine!

Lesbische Liebe, Vielweiberei, religiöse Konflikte - Sodom und Gomorrha. Drunter und drüber geht's diesmal zu in Cornwall. Aber selbstverständlich bleibt alles im Rahmen und findet sein gutes Ende. Aus 998 Einwohnern werden flugs 1004, und sogar der eingebildete Kranke wird von jeder Malaise geheilt. Eine fraglos heftige Schmonzette, die übertreibt, wo es nur geht. Und die am Ende gerade einmal gut fünf Minuten braucht, um aus einem schlimmen Tohuwabohu eine heile Welt zu zaubern. Alles wie gehabt also am Sonntagabend. Aber für den Hypochonder-Schmidt lohnt das Einschalten allemal. Zumal der schließlich sogar noch echte Schmerzen erleiden muss. Da ist dieses Loch in seinem Fuß ...

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