Spotlight

Eine Stadt schaut weg

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Hatte zuletzt den richtigen Riecher, was seine Rollenwahl anging: Michael Keaton, der 2015 in „Birdman“ glänzte, spielt den Spotlight-Chef Walter Robinson.

Beeindruckend und erschütternd: Im atemberaubend nüchternen Thriller „Spotlight“ deckt ein Team von Journalisten in Boston einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auf.

„Wenn man ein Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen, dann braucht man auch ein Dorf, um ein Kind zu missbrauchen“: An dieser Erkenntnis droht eine Handvoll Journalisten in Tom McCarthys Film „Spotlight“ (2015) zu zerbrechen. Das Dorf ist Boston, das Dorf ist die katholische Kirche: Dort deckten Reporter des „Boston Globe“ 2002 einen Missbrauchsskandal auf, in dem sich die ganze Stadt mitschuldig gemacht hatte und der weltweite Kreise zog. Der aufwühlende, auf wahren Ereignissen beruhende Film ist nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erhältlich.

„Spotlight“ - Tom McCarthy hat seinen Film nach dem Investigativ-Team des „Boston Globe“ benannt. Die Prestige-Truppe (Michael Keaton, Rachel McAdams, Mark Ruffalo, Brian d'Arcy James) soll wie ein Suchscheinwerfer Missstände in der Stadt aufdecken.

Verdachtsmomente und Gerüchte hatte es schon lange gegeben. Den entscheidenen Impuls, der Sache konsequent nachzugehen, gibt jedoch erst der neue Chefredakteur des „Globe“, Marty Baron (Liev Schreiber). Er, als Jude im katholischen Boston ein echter Außenseiter, lässt das Spotlight-Team 2002 seine mühselige Arbeit aufnehmen: Anwälte abklappern, Klinken putzen, Dokumente wälzen.

Durch die konkreten Begegnungen mit Opfern und Tätern, mit Juristen und Institutionen gewinnt „Spotlight“ eine physische Erfahrbarkeit, die man selten erlebt im Film. Die Journalisten müssen viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Mauer des Schweigens einzureißen. Unerbittlich und irgendwann auch verbissen gehen sie ihrer Arbeit nach. Nicht ohne sich - und das macht diesen Film so qualvoll ehrlich - selbst einzugestehen, dass auch sie zum System gehörten, dass auch sie weggeschaut hatten.

So wird „Spotlight“, von Regisseur McCarthy mit größtmöglicher Empathie inszeniert, zu einem der unbequemsten und stärksten Filme des Jahres - nach Meinung der Academy sogar noch stärker als zuletzt „The Revenant“ oder „The Big Short“: „Spotlight“, insgesamt für sechs Oscars nominiert, wurde unter anderem als bester Film ausgezeichnet.

tsch

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