Eine TV-„Weltpremiere“: Tele 5 zeigt „Daniel, der Zauberer“ 

Eine neue Dimension von schlecht

+
„Diesen Film hält man selbst mit viel Alkohol nur sehr schwer aus“: Peter Rütten (links) und Oliver Kalkofe feiern mit einem ganz besonderen Filmschmankerl in Daniel Küblböcks 31. Geburtstag.

Es gibt tatsächlich einen Kinofilm mit und über Daniel Küblböck. Dank Tele 5 kommt das ganz zu Recht vergessene Werk von 2004 doch noch zu einer sehr verspäteten TV-Weltpremiere.

Die Internet Movie Database (IMDb, Englisch für „Internet-Filmdatenbank“) gibt es nun schon seit 26 Jahren. Unter Cineasten, Filmschaffenden und Kritikern gilt das Portal als verlässliche Quelle, die nicht nur Zahlen und Fakten liefert, sondern eben auch die gesammelten Bewertungen von vielen Tausend sachkundigen Usern in einer umfassenden Hitliste zusammenfasst. Seit Jahren unangefochten auf Platz eins des IMDb-Rankings der besten Filme aller Zeiten: „Die Verurteilten“ (1994) - gefolgt von Meisterwerken wie „Der Pate“, „Der Pate 2“, „The Dark Knight“ und „Schindlers Liste“. Großes Kino allenthalben - nur hinten, ganz am Ende der ellenlangen IMDb-Liste, will man sich als Filmemacher lieber nicht finden. Doch wer hätte gedacht, dass der aktuell als viertschlechteste jemals produzierte Film geführte Streifen aus Deutschland stammt? - Eine bittere Wahrheit, die dank Tele 5 nun ans Tageslicht kommt. Der Sender zeigt „Daniel, der Zauberer“, ein Werk mit und über Daniel Küblböck aus dem Jahre 2004, jetzt zum allerersten Mal im Free-TV. Wer also tatsächlich wissen möchte, was dem Publikum all die Jahre vorenthalten wurde, der möge am Freitag, 26. August, 22.15 Uhr, einschalten. Aber Achtung, sogar Tele 5 mahnt zur Vorsicht: „Diesen Film hält man selbst mit viel Alkohol nur sehr schwer aus“, heißt es in der Vorankündigung.

Nein, die Amazon-Kundenbewertungen sind sicher nicht die zuverlässigste Referenz, wenn es um die objektive Bewertung von Filmen geht. Aber lustig ist es manchmal halt schon, die Kritiken zu lesen: „Positiv zu erwähnen ist, dass man tatsächlich einen Nullpunkt erreicht hat, von dem aus man nun andere Filme bewerten kann“, schrieb vor etlichen Jahren einer von vielen entsetzten Kommentatoren über den Film „Daniel der Zauberer“: Seit er ihn gesehen habe, falle es ihm „schwer, von anderen Filmen zu behaupten, sie seien schlecht“ ... Mehr ins Detail geht eine andere Bewertung, die den Machern attestiert, ihr Film sei „ranziger produziert als billigste Streifen der Kategorie 'Erwachsenenunterhaltung“, die Story sei „belanglos“ und erzeuge „außer vielleicht Aggression keine besonderen Emotionen“. Und die Darsteller? - „Fast ausnamslos Laien und hoffnungslos überfordert.“

Tele 5 zeigt „Daniel der Zauberer“, soll man nun sagen endlich, standesgemäß in der von Peter Rütten und Oliver Kalkofe präsentierten Trash-Reihe „SchleFaZ - Die schlechtesten Filme aller Zeiten“. Das „SchleFaZ“-Format erreiche „eine neue Dimension“, bringt der Sender die Ausstrahlung das desaströs rezipierten Werkes auf den Punkt. Daniel Küblböck, der 2003 bei „Deutschland sucht den Superstar“ zwar nicht gewann, aber mit Abstand am meisten Aufmerksamkeit auf sich zog und als die große Entdeckung der ersten Staffel in die „DSDS“-Geschichte einging, nimmt die Sache nun mit Humor. „Ich schaue es mir an“, soll laut Tele 5 „der Delinquent“ auf Facebook angekündigt haben. Auf wikipedia ist nachzulesen, dass Küblböck in der Talkshow von Markus Lanz im Februar 2013 den Film selbst „furchtbar schlecht“ nannte und erklärte, „Daniel, der Zauberer“ sei „erst letztens in Amerika zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt worden“. Das schaffe nicht jeder, weiß auch ein Daniel Küblböck.

Was also ist das für ein Film gewordener Wahnsinn, der die geneigten Fernsehzuschauer am Freitag, just am Vorabend zu Daniel Küblböcks 31. Lebensjahrvollendung, erwartet? - In gewisser Weise zu allererst eine Hommage an den seinerzeit blutjungen Castingshow-Kandidaten aus Niederbayern. Erzählt wird Küblböcks Leben von der Kindheit bis hin zur Zeit nach „DSDS“ und Auftritten, die ihn als großen Entertainer zeigen. Der Mann, der seinerzeit von vielen Fans geliebt, aber mindestens von ebenso vielen verachtet, wenn nicht gehasst wurde, wird inszeniert als einerseits naiver Bub von nebenan, andererseits als Superstar mit schier aberwitziger Strahlkraft.

Regisseur Ulli Lommel, der einstige Fassbinder-Gefährte („Liebe ist kälter als der Tod“), faszinierte das umstrittene Zwitterwesen derart, dass er Küblböck zum Helden eines vielschichtigen, halbfiktionalen Dokudramas machte, in dem sich Wirklichkeit, Märchen und soziologische Kunstreflektionen verschränken. Ein „Konglomerat aus Direct Cinema, Krippenspiel und Räuberpistole“, schrieb ein ehrwürdiger Kritiker seinerzeit mit offensichtlicher Lust am gehobenen Verriss über diesen kuriosen Streifen, in dem der Regisseur den Geist von Küblblöcks Großvater gibt und der 2011 verstorbene Produzent Peter Schamoni als Kaffeehausbesitzer zu sehen ist.

Zur allgemeinen Verwirrung noch einmal die eben zititierte Köstlichkeit von einer Kinokritik: „An seinen besten Stellen gemahnt der schnell und leicht aufgenommene Film (30 Stunden Material wurden vom Kameramann Manuel Lommel, Ullis Bruder, gefilmt) stark an Achternbusch. Da hat er Witz, wenn er die Küblböcksche mutterlose Familie an der heimischen Familientafel zeigt, über die Karriere in Las Vegas und Hollywood sinnierend und - ja, auch das - darüber, ob Daniel nicht doch noch 'an der Stimme arbeiten' sollte, wie die Großmutter (stark: Katja Rupé) meint. Schön schräg auch die potenziellen Peiniger, wenn sie vor dem Fernseher sitzen und die Faust recken: 'Wenn ich dich noch einmal im Fernsehen erwische, heißt es: Kopf ab, Küblböck!“ Na dann: Wenn sich das Einschalten da nicht lohnt, wissen wir auch nicht ...

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren