Nicolette Krebitz im Interview

„Ein bisschen Anarchie schadet nie“

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„Senta an sich ist mir schon auch manchmal auf die Nerven gegangen“: Nicolette Krebitz verkörpert in „Treffen sich zwei“ eine leicht neurotische Mittdreißigerin im Beziehungsstress.

Sie war in den 90-ern eine Ikone des deutschen Indie-Films und ist inzwischen eine der angesehensten Regisseurinnen des Landes. Jetzt gibt sich Nicolette Krebitz im einer Beziehungskomödie im Zweiten die Ehre.

Schauspielerin und Regisseurin Nicolette Krebitz (43) würde sich gerne mal so richtig daneben benehmen. Warum? Erklärt sie im Gespräch über die romantische Komödie „Treffen sich zwei“ (Mittwoch, 3. August, 23.15 Uhr, ZDF), in der die Berlinerin Senta spielt, eine Frau Mitte 30, die nach einem dramatischen Beziehungsaus ihr Leben umkrempeln will.

nordbuzz: Frau Krebitz, wann wollten Sie zuletzt etwas grundlegend in Ihrem Leben ändern?

Nicolette Krebitz: Ich ändere ständig etwas, vor allem in meiner Arbeit, bei der ich mich ja immer wieder neu ausprobieren muss. Als Schauspielerin und Regisseurin denke ich ganz oft: So, jetzt mache ich mal das Gegenteil von dem, was ich zuvor gemacht habe! Ist auch eine ganz gute Übung, meistens kommt etwas dabei heraus.

nordbuzz: Passieren diese Veränderungen schon automatisch? Oder müssen Sie sich regelmäßig daran erinnern?

Krebitz: Veränderungen sind wichtige Bestandteile jeder kreativen Arbeit. Wenn man sich in einem dauerhaften Prozess befindet, gibt es selten so etwas wie ein finales Produkt. Wobei es natürlich auch stimmungsabhängig ist, ob man sich gerade verändert oder nicht.

nordbuzz: Heißt verändern für Sie dann auch immer verbessern?

Krebitz: Ich würde eher sagen: interessant halten. Ich bin nicht immer darauf aus, im Leben irgendwie voranzukommen. Ich will mich einfach nur nicht langweilen.

nordbuzz: Sind Krisen bei Ihnen auch Auslöser für Veränderungen?

Krebitz: Hindernisse schreiben auf jeden Fall eine Biografie.

nordbuzz: Was sind in Ihren Augen Hindernisse?

Krebitz: Es gibt Hindernisse, die man sich selbst aussucht, und welche, die höhere Gewalt sind. Man wächst an beiden, und beide sagen etwas über einen aus.

nordbuzz: Welches Hindernis haben Sie sich denn zuletzt selbst ausgesucht?

Krebitz: Erst heute Morgen habe ich mir eins ausgesucht (lacht). Schon um neun Uhr hatte ich einen Fototermin, und so früh ein Bild machen zu müssen, das danach auch noch veröffentlicht wird, fühlte sich schon sehr an wie ein Hindernis.

nordbuzz: Veränderungen, und zwar große, strebt auch Senta an, die Sie im Film „Treffen sich zwei“ spielen. Senta muss allerdings erst von einem Mann verlassen werden, um zu merken, dass in ihrem Leben etwas nicht stimmt.

Krebitz: Daraufhin will sie sich beruflich finden und nicht mehr alten Sachen hinterherrennen. Und dann, als sie einen neuen Mann kennenlernt, versucht sie, sich wirklich so sehr zu öffnen und zu offenbaren, wie sie kann. Für beides gilt: Sie will ankommen, und zwar mit allem, was dazugehört. Um das zu schaffen, brauchte sie vielleicht diesen emotionalen Schubs am Ende der vorherigen Beziehung.

nordbuzz: Hatten Sie schnell Sympathien für Sentas Charakter?

Krebitz: Ich hatte vor allem Sympathien für den Humor des Drehbuchs. Die Autoren hatten ein gutes Gespür für komische Situationen und wie man sich in diesen verhält. Senta an sich ist mir schon auch manchmal auf die Nerven gegangen.

nordbuzz: Das müssen Sie erklären.

Krebitz: Na ja, sie ist schon extrem neurotisch, vergeigt unheimlich viel, speziell im Umgang mit ihren Mitmenschen. Das ist lustig, je nach Blickwinkel, aber eben auch ein bisschen nervig. Es ist sicherlich auch ein Phänomen von romantischen Komödien, dass Frauen neurotische Charaktere spielen, die sich verhalten wie fünfjährige Mädchen und ihre Sachen einfach nicht hinkriegen. Während Männer nicht halb so viele Probleme haben beziehungsweise machen.

nordbuzz: Senta ist nun auch recht naiv. Wie finden Sie das?

Krebitz: Sie macht sich selbst zur Hauptsache. Das ist mir persönlich manchmal fremd, ich finde das aber irgendwie auch gut, weil sie dadurch zumindest nicht ständig mit ihrem Kopf bei anderen ist.

nordbuzz: Verkörpern Sie selbst das gegenteilige Frauenbild?

Krebitz: Ich weiß nicht, was ich verkörpere, nur, dass ich gefunden habe, was ich in meinem Leben will. Das unterscheidet Senta und mich. Was ich mir von ihr aber vielleicht noch ein bisschen abgucken könnte, wäre, sich gelegentlich zu erlauben, sich daneben zu benehmen (lacht).

nordbuzz: Erlauben Sie sich das nie?

Krebitz: Zumindest nicht so oft wie Senta.

nordbuzz: In welchen Situationen würden Sie sich denn gerne mal daneben benehmen?

Krebitz: Am liebsten in den unpassendsten Momenten. Heiligabend wäre zum Beispiel eine schöne Gelegenheit (lacht).

nordbuzz: Woher kommt dieser Wunsch nach dem Danebenbenehmen?

Krebitz: Wir versuchen ja immer, alles gut und genau zu erledigen. Ich finde aber, so ein bisschen Anarchie schadet nie (lacht).

nordbuzz: Und welchen persönlichen Grundsatz befolgen Sie, wenn es mal zu einer Krise kommt - ob nun durchs Danebenbenehmen oder schlichtweg durchs Schicksal entstanden?

Krebitz: Ich empfehle anderen und mir selbst immer, in schwierigen Situationen möglichst ruhig zu bleiben. Wobei: Mir selbst brauche ich das eigentlich gar nicht sagen, weil ich immer ruhig bin. Ich schiebe eine ruhige Kugel (lacht).

tsch

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