Im Interview

Sophia Thomalla: Ehrliche Haut mit vielen bunten Bildern

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Nach „Dance, Dance, Dance“ bei RTL nun „Pain & Fame“ auf Sixx: Sophia Thomalla pendelt im TV erfolgreich zwischen Glamour und Rock'n'Roll. Dass die 26-Jährige so in der Öffentlichkeit steht, sieht sie ganz locker: „Wer sich unter Druck setzt, macht sich nur das Leben schwer.“

Sophia Thomalla steht zwar nicht auf Schmerzen, aber fürs Tätowieren hat sie mehr als nur Faible. Weit über 20-mal hat sie sich schon stechen lassen. Mit viel Farbe auf der Haut und Know-how im Kreuz sucht sie nun in einer neuen Castingshow nach „Deutschlands bestem Tätowierer“.

Wie es wohl ist, wenn man mit Mitte 20 bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund? Wenn halb Deutschland weiß, wie man ohne Kleider aussieht, und jeder eine vorgefertigte Meinung über einen hat? Wenn man Sophia Thomalla ist? Einfach mal nachfragen, dachten wir uns, und trafen im Interview auf eine offenherzige und erstaunlich selbstreflektierte 26-Jährige. Die Jurorin der RTL-Show „Dance, Dance, Dance“ ist mit sich selbst und dem Leben in der Öffentlichkeit offenbar im Reinen - auch weil sie, wie sie versichert, sehr wohl wisse, wo sie die Trennlinie zwischen Business und Privatleben ziehen muss. Damit, dass sie immer wieder mal aneckt, könne sie leben: „Heute polarisiert doch jeder, der nur sagt, was er denkt“, meint die 26-Jährige, die ab 5. Oktober, in einem neuen ziemlich taff anmutenden Primetimeformat mitmischt: In der Castingsendung „Pain & Fame“ (mittwochs, 20.15 Uhr, auf Sixx) sucht Sophia Thomalla mit den bekannten Tattookünstlern Mario Barth und Randy Engelhard nach „Deutschlands bestem Tätowierer“.

nordbuzz: Ihre Haut zieren viele Tattoos. Erinnern Sie sich an Ihr erstes?

Sophia Thomalla: Ja, klar (lacht), leider: Mit 17 habe ich mir die Unterschrift meiner Mutter auf den Unterarm stechen lassen - und es direkt danach bereut.

nordbuzz: Warum das denn?

Thomalla: Es gefiel mir nicht - da war einfach so ein schwarzer Klecks auf dem Handgelenk. Also machte ich mich daran, es zu erweitern, bis ich schließlich zufrieden war. Und dann ging's so richtig los!

nordbuzz: Sie haben Blut geleckt?

Thomalla: So kann man es sagen. Ich konnte gar nicht genug kriegen.

nordbuzz: Sie haben mittlerweile 20 Tätowierungen, richtig?

Thomalla: Ja, ich behaupte das immer so - weil alle eine Zahl hören wollen. Aber genau lässt es sich nicht sagen, denn meine Tattoos sind ziemlich umfangreich und so geplant, das sich aus verschiedenen Details irgendwann ein größeres Bild ergibt. Es läuft auf ein Gesamtkunstwerk hinaus (lacht). Auf jeden Fall habe ich deutlich mehr als 20 Sitzungen beim Tätowierer hinter mir.

nordbuzz: Die meisten, die sich einmal stechen lassen, wollen mehr davon. Macht das Tätowieren süchtig?

Thomalla: Weiß nicht ... Es lässt sich nicht einfach erklären, jeder hat natürlich ein anderes Motiv. Bei mir entwickelte sich im Lauf der Jahre eben das Gefühl, dass das sehr gut zu meinem Typ passt. Wenn ich in den Spiegel schaue, sieht es für mich stimmig aus, mir gefällt, was ich sehe. Oder sagen wir: Das bin ich, so, wie ich sein will. Aber ich glorifiziere das Ganze auch nicht. Wenn ich an diese Mädchen mit einem kleinen verblassten Tribal am Arm oder auf dem Rücken denke - das macht nicht viel her, das unterstreicht oder definiert ja noch keinen Typus. Tätöwierer sprechen von der Sucht nach Symmetrie. Da ist was dran. Hab' ich links am Arm ein Tattoo, brauch bald rechts auch eins. Ist so.

nordbuzz: Kann auch der Schmerz, den man beim Stechen empfindet, süchtig machen?

Thomalla: Wahrscheinlich - aber mich definitiv nicht. Ich hasse den Schmerz im gleichen Maße, wie ich Tätowierungen liebe. Das Fiese ist, dass es nicht etwa erträglicher wird, sondern immer schlimmer, je mehr Tätowierungen man hat. Es ist furchtbar, ehrlich!

nordbuzz: Und trotzdem können Sie nicht aufhören.

Thomalla: Doch. Ich habe noch ein bisschen was geplant - aber dann ist Schluss. Glaube ich (lacht). Auf jeden Fall steht fest, dass ich besonders schmerzhafte Stellen für alle Zeiten ausspare. Ich bin niemand, der über Gebühr leiden mag...

nordbuzz: Was bedeuten Ihnen die Tattoos - sind Sie eine Art, etwas Bestimmtes nach außen zu tragen, ohne Worte zu kommunizieren?

Thomalla: Schöner Gedanke, aber viel zu philosophisch für mich (lacht). Viele vermuten, dass das meine rebellische Ader sei oder dass ich der Welt etwas mitteilen müsse - aber, ehrlich: alles falsch, da steckt kein tiefer Sinn dahinter. Mir gefällt's, es passt zu mir - eine rein optische Geschichte. Aber natürlich verbinde ich mit jedem Tattoo ein Erlebnis, eine Erinnerung oder auch ein bestimmtes Gefühl, das ich hatte, als ich es machen ließ. Es geht also weniger um die Bedeutung der Motive als um die Erinnerung daran, wie sie entstanden sind.

nordbuzz: Finden Sie sich mit all den Tattoos schöner als ohne?

Thomalla: Ich würde mich ohne sie bestimmt auch mögen - aber sie sind ja nun ein Teil von mir, für alle Zeiten. Anders als ein Paar Ohrringe, die ich anlegen kann, wie ich lustig bin.

nordbuzz: Deshalb ist die Beziehung zwischen einem Tätowierer und seinem Kunden wohl auch eine ganz besondere ...

Thomalla: Oh ja. Da kommt es aufs Vertrauen an - fast wie bei einer Liebesbeziehung.

nordbuzz: Nun suchen Sie in Ihrer Sendung auf Sixx „Deutschlands besten Tätowierer“. Was muss der Sieger denn mitbringen?

Thomalla: Prinzipiell viel Talent und Können. Denn nur dem, der sein Handwerk versteht, kann ich vertrauen. Außerdem sollte er empathisch und vielseitig sein, auch bereit, seinen eigenen Style einmal zu verlassen und etwas anderes zu wagen. Aber nicht jeder kann alles. Ich habe ja auch mehrere gute Tätowierer, weil sich jeder anders spezialisiert hat. Äußerlichkeiten und seine Räumlichkeiten sind mir total egal - ich muss nur das Gefühl haben, er macht es gut. Ein Fehler lässt sich nicht mehr so leicht korrigieren.

nordbuzz: Damit sind wir beim Thema Arschgeweih. Würden Sie's entfernen lassen, wenn sie eines hätten?

Thomalla: Gott sei Dank waren diese Tribals zu einer Zeit in Mode, als ich noch viel zu klein für so was war. Auch die chinesischen Schriftzeichen habe ich ausgelassen - schlimme Sachen sind da passiert. Aber hätte ich so was, dann würde ich wohl auch dazu stehen. Es ist nicht meine Art, einen Fehler so einfach auszuradieren. Das Tätowieren ist für mich wie Postkartensammeln - es gibt nun mal auch ein paar nicht so schöne: andere Zeiten, andere Postkarten. Ja, ich denke, mit dem Arschgeweih würde ich leben können.

nordbuzz: Offenbar ist es salonfähig geworden, mit großflächigen Tattoos herumzuspazieren. Wie konnte das eigentlich passieren?

Thomalla: Sagen wir lieber, Tattoos sind dabei, mainstream zu werden, aber so ganz salonfähig sind sie noch nicht. Es gibt durchaus noch Berufe und Situationen, wo man auf keinen Fall ein Tattoo offenbaren sollte. Dass sich das schrittweise ändert, hat sicher viel mit Prominenten zu tun. Egal ob Fußballer oder Rockstar - wer was auf sich hält, ist tätowiert. Angefangen hat das in den 90-ern mit David und Victoria Beckham...

nordbuzz: Auch Sie dürften vielen jungen Damen als Vorbild dienen!

Thomalla: Glauben Sie? Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass ich schon diese Prominenz erreicht habe, der man nacheifern will.

nordbuzz: Wären Sie denn gerne ein solcher Star?

Thomalla: Nein... und ja. - Ich weiß nicht, wie ich das beantworten soll, weil ich absolut nicht so ticke, dass ich ein bestimmtes langfristiges Ziel vor Augen habe und groß vorausplane. Ich nehme das Leben, wie es kommt - meinetwegen auch die Berühmtheit, wenn sie dazu gehört. Aber, nein, ich will kein Star sein, ich will ich selbst sein.

nordbuzz: Was heißt das?

Thomalla: Ich sage immer: Ich bin ganz viele Typen auf einmal. Ich will also möglichst vielseitig sein dürfen und nur Sachen machen, die ich gerne mache: keinen Job von nine to five, fünf Tage die Woche. Ich will mich ausleben. Mit meinen Sendungen, mit der Werbung, mit den Fotoshootings bin ich da auf einem Weg, der sich richtig anfühlt. Die Prominenz ist die Bestätigung des Erfolgs, sie kommt unweigerlich dazu, damit muss, damit kann ich leben ... - also mal mehr und mal weniger gut (lacht).

nordbuzz: Immerhin sind Sie in diesen Tagen so präsent wie nie zuvor. Nach „Dance, Dance, Dance“ bei RTL, wo Sie in der Jury sitzen, kommt nun das Tätowierercasting zur besten Sendezeit bei Sixx ...

Thomalla: Ja, es ist eine aufregende, sehr erfolgreiche Zeit. Das Tolle ist, dass diese beiden sehr unterschiedlichen Formate so gut zu mir passen - das eine ist ziemlich glamourös, da laufe ich mit Highheels und Kleid auf, das andere ist eher derb und rockig, und ich komme mit Lederjacke und Boots zum Set. Die Sendungen bilden meine Bandbreite ab, könnte ich nun klug dahersagen - aber eigentlich ist es nur ein Scheißzufall (lacht). Es ist ja nicht so, dass ich das gewollt hätte. Wer etwas besonders stark will, erreicht sowieso nichts. So viel habe ich mit meinen 26 Jahren vom Leben gelernt.

nordbuzz: Folglich verspüren Sie nun auch keinen Erfolgsdruck?

Thomalla: Nö. Ich bin total entspannt. Wer sich unter Druck setzt, macht sich nur das Leben schwer.

nordbuzz: Aber ganz so einfach ist es wohl auch wieder nicht - immerhin wird praktisch jeder Schritt von Ihnen von der Öffentlichkeit mitverfolgt?

Thomalla: So scheint es zu sein. Aber glauben Sie mir, es ist nicht so.

nordbuzz: Wie ist es dann?

Thomalla: Anders als man denkt (lacht). Ich selbst kann tatsächlich trennen zwischen Privat und Business. Ich weiß, dass es nach außen so aussieht, dass die Grenzen eher fließend sind. Aber ich kenne und bestimme die Trennlinie ziemlich exakt und habe bisher auch nicht das Gefühl, dass ich mich dabei verzocke. Logisch, ich provoziere manchmal über Gebühr, poste Fotos in sexy Outfits, sage auch mal krasse Dinge - aber ich tue das gerne und bewusst. Daheim fällt aber die Tür ins Schloss, und gut is'.

nordbuzz: Ist es wirklich so einfach?

Thomalla: Ja, so empfinde ich's. Vielleicht ist das auch so ein Berlin-Ding - ich habe das Gefühl, in der Stadt ist es den Leuten egaler als anderswo, wer ich bin. Kein Mensch behandelt mich als Star. So brauche ich das.

nordbuzz: Das Problem ist aber wohl, dass auf der anderen Seite Ihre Grenze nicht immer akzeptiert wird ...

Thomalla: „Nicht immer“ ist gut. Aber nach 80.000 Artikeln und nun schon jahrelangen lustigen Spekulationen um mein aufregendes Leben, habe ich damit zu leben gelernt. Mit den Journalisten ist es ja so: Die jagen am Tag ihren Storys nach und saugen sich öfter mal irgendwelche vermeintlich heißen News aus den Fingern - und wenn ich sie abends am Tresen treffe, stöhnen sie, wie schlimm sie das selbst alles finden und sagen mir ins Gesicht, dass ihnen mein Privatleben eigentlich schnurzegal ist. Ich kenne einige Journalisten, mit denen hat man privat immer Spaß. Manche tun mir eigentlich leid - weil ich das Gefühl habe, sie schreiben immer weniger über das, was sie interessiert, sondern nur noch den Artikel, der geklickt wird.

nordbuzz: Aber die Frage ist: Warum wird alles geklickt und gelesen, wo Ihr Name auftaucht?

Thomalla: Ja, das ist die Frage. Und wenn ich die Antwort wüsste, würde ich schon versuchen, gezielt gegenzusteuern. Meine Theorie ist, dass das alles viel zufälliger ist, als die Medienmacher denken. Die Resonanz hängt ja auch viel mit der Platzierung und Aufmachung einer Nachricht zusammen, mit der Newslage des Tages und damit, ob die Leute gerade Lust haben, etwas zu teilen oder nicht. Ich weigere mich jedenfalls, zu denken, dass mein Name so interessant ist, dass er verlässlich ein bestimmtes Klickverhalten auslöst. Auch wenn viele das behaupten.

nordbuzz: Ihre Analyse könnte so falsch nicht sein ...

Thomalla: (lacht) Ja, ich weiß schon, wie das Business funktioniert: Wir müssen alle unseren Job machen und sitzen im selben Boot. Sie wollen ein originelles Interview mit meinem Namen und ein paar schönen Bilder dazu - und ich brauche eben für meine Partner und Sendungen ein gewisses Maß an Öffentlichkeit. Das passt für mich.

nordbuzz: Haben Sie diese coole Draufsicht auf das Geschäft von Ihrer Mutter gelernt?

Thomalla: Ganz und gar nicht. Meine Mutter ist da ganz anders. Sie liest sich immer noch jede Zeile durch, die über sie geschrieben wird, und koffert sich nach all den Jahren noch total auf, wenn etwas in ihren Augen nicht passt. Das ist nicht meine Wesensart. Zum Glück (lacht). Vielleicht finden manche, dass das naiv ist, ich sehe das anders, weil ich genau weiß, was ich tue, und gut beraten werde.

nordbuzz: Würden Sie sich noch mal zu einem „Playboy“-Shooting hinreißen lassen?

Thomalla: Wenn die „Playboy“-Macher das nötige Kleingeld auf den Tisch legen, warum nicht!

nordbuzz: Eine sehr ehrliche Antwort.

Thomalla: Ja, ich bin eine ehrliche Haut. Und ich weiß: Fast alles ist eine Sache des Geldes.

nordbuzz: Sie wirken manchmal wie ein Rockstar, dem nur die Bühne fehlt ...

Thomalla: Ach? Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass ich jetzt seit sieben Jahren mit Till und nun auch mit Andy, also mit richtigen Rockstars, in Verbindung gebracht werde. Und mein Job in der Öffentlichkeit, das Auf und Ab in den Medien, fühlt sich schon irgendwie nach Rock'n'Roll an - aber ich selbst bin gar nicht soooo rockig. Ich könnte auch nie auf einer Bühne stehen, denn ich kann zwar Klavier spielen, aber - glaube ich - gar nicht singen. Wenn ich es täte, würden nur noch mehr Leute ätzen, dass ich meine Klappe halten soll. Wobei - wo ist der Bus ... (lacht)

nordbuzz: Sie polarisieren eben. Schlimm?

Thomalla: Ach was. Heute polarisiert doch jeder, der nur sagt, was er denkt. Jeder der nicht mit der Masse schwimmt, ist gleich total anti und fast schon asozial. Ich weiß ja, dass alle sagen: „Hey, die Thomalla ist so Rock'n'Roll“ - aber die Thomalla selbst findet sich ganz normal.

tsch

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