Nach einem Roman von John le Carré

Dunkle Geschäfte in der Spionage-Serie „The Night Manager“

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Jonathan Pine (Tom Hiddleston, links) hat es geschafft: Der Waffenhändler Richard Roper (Hugh Laurie) vertraut dem Undercover-Agenten.

In „The Night Manager“ soll ein niederträchtiger Waffenhändler von einem zum Hilfsagenten umgeschulten Hotelmanager ausspioniert werden. Als Vorlage für die glamouröse Spionageserie diente ein Roman von John le Carré.

Womöglich ist diese Serie das längste Bewerbungsvideo aller Zeiten: schöne Frauen, exotische Schauplätze, ein gewissenloser Waffenhändler - und mittendrin Tom Hiddleston („Thor“). Als Nachtportier lässt er sich vom britischen Geheimdienst als Spitzel anwerben und empfiehlt sich gleichzeitig mit Nachdruck für die Rolle als nächster James Bond. Die oscarprämierte Regisseurin Susanne Bier liefert in „The Night Manager“ fünfeinhalb Stunden lang Bilder von Kinoformat. Nachzusehen im Zweiten Deutschen Fernsehen. Der Mainzer Sender zeigt das britisch-amerikanische Filetstück ab 29. August, montags, 22.15 Uhr, in drei spielfilmlangen Blöcken. Tatsächlich mal nicht im Spartenkanal ZDFneo, sondern im Hauptprogramm.

Schon 1993 beschäftigte sich der britische Spitzel-Romancier John le Carré mit der Verquickung von Waffenhändlern und Politik: „The Night Manager“ hieß der erste Spionageroman des Erfolgsautors nach dem Ende des Kalten Krieges. Nur weil aus dem Ost-West-Konflikt die Luft raus war, waren die Geheimdienste noch lange nicht obsolet: Sie mussten sich nur anderen Herausforderungen stellen - zum Beispiel dem internationalen Waffenhandel. Ein immer noch aktuelles Thema.

Für die Serienfassung von „The Night Manager“ konnte Drehbuchautor David Farr („Wer ist Hannah?“) die Story problemlos ins Jetzt verlegen: Die Hochglanz-Produktion mit den Top-Stars Hiddleston und Hugh Laurie („Dr. House“) beginnt während der Aufstände des Arabischen Frühlings in Ägypten.

Der distinguierte Nachtportier Jonathan Pine (Hiddleston) wird in Kairo nicht ganz unfreiwillig in die Machenschaften eines umtriebigen Waffenhändlers hereingezogen: Richard Onslow Roper (Laurie) will das ägyptische Regime mit Waffen versorgen und geht dabei über Leichen. Eine davon findet Pine in der Suite seines Hotels: Er hatte von der Frau kurz zuvor geheime Dokumente über Ropers Aktivitäten erhalten.

Pine will den Händler des Todes in einer Mischung aus Pflichtgefühl und Rachegelüsten zur Strecke bringen und lässt sich vom britischen Geheimdienst als Spitzel anwerben. Die MI6-Agentin Angela Burr (Olivia Coleman) schleust Pine in die Kreise eines diabolischen Waffendealers ein - ohne zu ahnen, dass ihr Arbeitgeber und ihre Regierung in Ropers Geschäfte involviert sind.

Schöne Frauen, schöne Schauplätze, ein fieser Schurke und eine komplexe Handlung: Die acht Episoden haben alles, was sich Fans alter James-Bond-Filme wünschen. Faszinierend ist aber vor allem die zeitgenössische Relevanz der Serie, in der sich Regierungen und Geheimdienste je nach politischer Interessenlage mit der Unterwelt arrangieren. Wenn dabei Recht, Moral und Wertevorstellung im Weg stehen, dann werden sie auf den Schlachtfeldern der geheimen Kriege kurzerhand zu Kollateralschäden erklärt.

Die oscarprämierte Regisseurin Susanne Bier („In einer besseren Welt“) scheute keinen Aufwand, um die Spionageserie glamourös in Szene zu setzen - an spektakulären Orten, mit spannenden Duellen und wohl temperierter Action. Die Dänin schwelgt in Bildern von Kinoformat, die „The Night Manager“ einen Eventcharakter verleihen, der schön anzusehen ist, aber eben auch oberflächlich bleibt und den charismatischen Hauptdarstellern den Raum zur Entfaltung nimmt. Mehr Mut, mit erzählerischen Konventionen zu brechen, hätte jedenfalls nicht geschadet.

tsch

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