Bronze

Dieses Miststück ist Gold wert

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Auch wenn ihr größter Erfolg zwölf Jahre zurückliegt, findet sie ihn noch immer „geil“: Hope Ann Greggory (Melissa Rauch) onaniert gerne zu den alten Videoaufnahmen, die sie beim Gewinn der Bronzemedaille zeigen.

Passend zu den Olympischen Spielen: Mit „The Bronze“ kommt eine denkwürdige Mischung aus Komödie und Sportlerdrama ins Heimkino. In der Hauptrolle: „The Big Bang Theory“-Star Melissa Rauch, die auch das Drehbuch mitschrieb und sich hier von ihrer schmutzigsten Seite zeigt.

Es beginnt in Rom, 2004: Nachdem sie von klein auf hart an sich arbeitete, mit großer Akribie und grenzenlosem Enthusiasmus, gewinnt die 17-jährige Turnerin Hope Ann Greggory eine Bronzemedaille. Ein Riesenerfolg, für den sie jedoch einen hohen Preis zahlt: Hope verletzt sich bei dem Turnier schwer. Auf den Höhenflug, die Euphorie und die Heiterkeit, mit der „Bronze“ (2016) beginnt, folgt eine harte Landung. Die erwartet auch den Zuschauer, der sich passend zum Start der Olympischen Sommerspiele auf eine außergewöhnliche Mischung aus Komödie, Drama und Sportfilm freuen darf.

Die erste Szene nach dem Triumph von Rom: Hope Ann Greggory (Melissa Rauch), umrahmt von Pokalen, sitzt im Trainingsanzug in ihrem Bett, sieht sich die Videoaufnahmen von damals an und onaniert dazu. Zwölf Jahre nach dem Gewinn der Bronzemedaille, auf den direkt das verletzungsbedingte Karriereende folgte, lebt sie gewissermaßen noch immer im Jahr 2004. Aus dem fröhlichen Mädchen von einst ist ein verbittertes, prolliges, Gift und Galle spuckendes Miststück geworden. Sie bestiehlt ihren Vater (Gary Cole), beschimpft ihn gleichzeitig aufs Übelste und schnorrt sich durch die Läden ihrer Heimatstadt Amherst, Ohio, in der sie noch immer als Star gefeiert wird.

Diese Hope Ann Greggory brennt sich sofort dauerhaft ins Gedächtnis ein. Darstellerin und Autorin Melissa Rauch, die man bisher vor allem als Bernadette aus „The Big Bang Theory“ kannte, hat die Figur perfekt auf ihre Stärken zugeschnitten und sichtlich Spaß daran, den ungehemmten kleinen Wüterich zum Leben zu erwecken. Tatsächlich sind die derbsten Szenen gleichzeitig die stärksten. Wobei sich Rauch um diese eigentümlich-witzige Figur herum auch eine bewegende, wendungsreiche Geschichte ausgedacht hat, die Regisseur Bryan Buckley (2013 oscarnominiert für seinen Kurzfilm „Asad“) in seinem Spielfilm-Debüt gekonnt umsetzt. Es geht um Träume und Hoffnungen, um Enttäuschungen und darum, den eigenen Platz im Leben zu finden.

Nach dem Selbstmord ihrer alten Trainerin Pavleck (Christine Abrahamsen) erreicht Hope ein aufregendes Schreiben. Die Verstorbene hat ihr 500.000 US-Dollar vermacht, knüpft an die Auszahlung aber eine Bedingung: Hope muss die hochtalentierte und ebenfalls aus Amherst stammende Nachwuchsathletin Maggie (Haley Lu Richardson) trainieren und bis zu einem großen Turnier in Toronto begleiten. Im ersten Moment ist Hope ob der Konditionen außer sich, sie flucht und tobt als gäb's kein Morgen. Dann aber nimmt sie die Herausforderung doch an - wissend, dass Maggie Gold gewinnen und sie damit übertrumpfen könnte.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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