ARD und ZDF präsentieren ihre Pläne zur Euro 2016 in Frankreich (10.06. bis 10.07.)

"Die Vorfreude besiegt die Angst"

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Bewährtes Moderationsdoppel zur ARD-Primetime: Experte Mehmet Scholl (links) und Moderator Matthias Opdenhövel begleiten die Spiele der EURO 2016 fürs Erste.

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Am Montag stellten ARD und ZDF ihre Mannschaft und Pläne für das von Terrorgefahr bedrohte sportliche Großereignis vor.

15, 18 und 21 lauten die magischen Zahlen zwischen 10. Juni und 10. Juli. Es sind die Anstoßzeiten der Euro 2016 in Frankreich. Ihre Kicks sollen und werden einen Monat lang das Leben der Deutschen sowie die Inhalte ihres öffentlich-rechtlichen Fernsehens bestimmen. Am Montagmittag präsentierten ARD und ZDF in Berlin-Friedrichshain ihre Pläne und Protagonisten für die größte und längste Fußball-EM aller Zeiten. Trotz der Terrorgefahr, die bei einem vergleichbaren Sportturnier noch nie so groß war wie diesmal, war dabei wenig Verunsicherung zu spüren. "Die Vorfreude besiegt die Angst", fasste ARD-Moderator Matthias Opdenhövel seine Seelenlage 60 Tage vor Anpfiff zusammen. Auch der Rest des größtenteils erfahrenen Personals übte sich in Gelassenheit. ZDF-Experte Holger Stanislawski forderte gar, allerdings aufs Sportliche bezogen, die Deutschen müssten mit einer gesunden Arroganz des Weltmeisters an diese Aufgabe herangehen. Nur mit einem Mix aus Selbstvertrauen, Konzentration und Lockerheit würde man am 10. Juli Europameister.

Wie sehr sich die Welt, der Fußball und seine Bedeutung über die letzten sechs Dekaden verändert haben, kann man an drei Europameisterschaften in Frankreich ablesen. 1960 fand dort das erste Turnier dieser Art statt. Zwei Länder, die es heute gar nicht mehr gibt, spielten im Finale gegeneinander. Die Sowjetunion siegte gegen Jugoslawien 2:1 nach Verlängerung, begleitet von einer einzigen Fernsehkamera. Bundestrainer Sepp Herberger wollte damals die Zeit zwischen zwei Weltmeisterschaften nicht verschwenden und nahm an dem "Europapokal der Nationen" benannten Turnier erst gar nicht teil.

1984 - dann mit Deutschland, das in der Vorrunde ausschied - trafen sich Europas beste Ländermannschaften wieder in Frankreich. Jenes Turnier dauerte 16 Tage. Acht Mannschaften spielten in sieben Stadien den Titel aus. Europameister wurde Frankreich um Torschützenkönig Michel Platini.

Wie drollig wirken solche Zahlen gegenüber jenem Turnier, das am Freitag, 10. Juni, 21 Uhr (ZDF) mit der Partie Frankreich gegen Rumänien beginnt. Erstmals nehmen 24 Mannschaften bei einer Europameisterschaft teil. 51 Spiele finden an 30 Tagen in zehn Stadien statt. Dabei wird jede Partie wird von sage und schreibe 35 Kameras begleitet, damit man in Online-Angeboten und über diverse Apps, wie sie auch ARD und ZDF in Berlin vorstellten, Perspektiven wie die sogenannte "Coach Cam" anbieten kann: Mit ihr ist man in der Lage, sich ein Fußballspiel über 90 Minuten nur über die beiden Gesichter der Trainer anzuschauen.

Grundsätzlich dürfen ARD und ZDF, die in der Miet-Location "Radialsystem" am Ufer der Spree ihre Euro-2016-Stellwände aufgebaut hatten, bei diesem Gigantismus nicht mitmachen. Dafür guckt man dem gebührenfinanzierten TV zu sehr auf die Finger. Die Zeiten, da ARD und ZDF jeweils ihr eigenes Süppchen in Sachen Übertragung kochten, sind vorbei. In Berlin nutzten Jörg Schönenborn, ARD-Teamchef Fernsehen, und ZDF-Chefredakteur Peter Frey die Gelegenheit, den Medien mitzuteilen, dass man für die Dauer der Euro 2016 komplett dieselbe Technik und dasselbe Studio nutzen würde.

"Eine LED-Wand ersetzt die Möbelpacker, die das Studio ansonsten immer umdekorieren müssten", sagte Frey. "Und das mindert 90 Prozess der Kosten", pflichtete ihm sein ARD-Kollege Schönenborn bei. Das Studio leuchtet dann eben digital animiert in orange oder blau. Je nachdem, ob sich gerade die bewährten Primetime-Moderationsdoppel Mehmet Scholl / Matthias Opdenhövel oder eben "die beiden Ollis", Kahn und Welke mit Nachnamen, in der Kulisse bewegen.

Während das ARD-Team allerdings beim "Match of the Day", in der Regel um 21 Uhr, live aus dem Stadion moderieren wird, setzt das ZDF auf Gesprächsrunden mit Gästen aus einem fensterlosen Studio (O-Ton Welke) in Paris. Welke und Kahn sollen verschiedene Experten in ihre Gespräche mit einbinden: den Ex-Bundesligaspieler und Trainer Holger Stanislawski beispielsweise, der die Aufgabe bekommt, an einer riesigen Taktikwand dem Zuschauer die Feinheiten des modernen Fußballs verständlich zu machen. Auch die Ex-Nationalspieler Simon Rolfes und Sebastian Kehl sowie Schiedsrichter-Experte Urs Meier werden häufiger zu Gast sein. Vom Spielfeldrand berichtet fürs ZDF Moderations-Jungstar Jochen Breyer. Hinter den Mikrofonen sitzen während der Spiele hingegen bewährte Kräfte: Oliver Schmidt und Béla Rethy teilen sich die Highlights, ergänzt werden sie durch die Stimmen Martin Schneiders und Claudia Neumanns.

Auf den Kommentatoren-Plätzen der ARD gibt es auch wenig Bewegung: Tom Bartels, die designierte Endspiel-Stimme Gerd Gottlob und Steffen Simon teilen sich den Job. Gerhard Delling ist für die Reportagen aus dem deutschen Mannschaftsquartier am Genfer See verantwortlich, wo er auf seine Kollegin Katrin Müller-Hohenstein vom ZDF trifft.

In Sachen Präsentation setzt man im Ersten offensichtlich weniger auf größere, wechselnde Runden, sondern auf eingespielte Teams. So übernehmen Arnd Zeigler und Alexander Bommes ("WM-Club") ab den frühen Nachmittagsstunden die Zuschauerbetreuung im Ersten. Die beiden humorbegabten Fußballfans senden diesmal jedoch live aus Paris und nicht etwa von einem Beachclub an deutschen Gestaden oder ähnlichen Orten wie in der Vergangenheit.

Für eine neue Perspektive außerhalb des EM-Trubels darf im Ersten dafür Reinhold Beckmann in den späten Abendstunden aus der legendären Sportschule Malente sorgen. Hier, nur noch die Älteren erinnern sich, soll 1974 jener berühmte "Geist von Malente" entstanden sein, der die Deutschen im selben Jahr zum Weltmeister machte. Einen Monat lang ziehen Beckmann und sein Team in die karge Unterkunft mit Stollenschuhgeruch ein, um von dort während der ARD-Sendetage zwischen 23.30 Uhr und 0.15 Uhr mit Gästen zu kommentieren.

Bleibt die Frage nach dem Europameister, die selbstredend allen "Experten" gestellt wurde. Hier wurde Gastgeber Frankreich am häufigsten genannt, unter anderem als "klarer Favorit" von ARD-Mann Steffen Simon. Simon pflichtete jedoch bei, dass er mit seinen Prognosen bisher stets daneben lag. Das ist eben das Schöne am Fußball: Die Leute gehen hin - und schalten ein -, weil sie nicht wissen, wie's ausgeht. Am 10. Juli sind dann alle schlauer. Auch die am 11. April in Berlin geballt versammelte Fußball-Expertenschar in Diensten von ARD und ZDF.

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