Neuer Free-TV-Sender mit indischen Filmen, Serien & Musik

Zee.One: Deutschlands Bollywood-Leidenschaft wachküssen

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Friederike Behrends, ehemals TV-Managerin für die WDR Mediagroup und Magine, ist fest davon überzeugt, dass sie mit feurigen Bollywood-Inhalten den deutschen Massengeschmack erreicht.

Action, leidenschaftliche Romantik, Musik und ganz viel Tanz: Der Sender Zee.One möchte Deutschland auf das Bollywood-Lebensgefühl einschwören.

Für all diejenigen, für die Exotik mehr bedeutet als nur eine etwas ausgefallene Essensbestellung beim Lieferservice des Vertrauens, möchte der neue Sender Zee.One eine Prise mehr indisches Lebensgefühl nach Deutschland holen. Für Senderchefin Friederike Behrends ist am Freitag, 29. Juli, der große Tag gekommen. Dann kann sie mit viel Tamtam den Startknopf drücken, schöne junge Menschen über die Bildschirme tanzen und stolze indische Elefanten majestätisch gen Sonnenuntergang traben lassen. Was nach einem Nischensender für die bislang noch überschaubare Fangemeinde der bonbonbunten Filmunterhaltung aus der nach Hollywood zweitgrößten Unterhaltungsfabrik der Welt klingt, soll in Deutschland ein breites Familienpublikum finden. „Wir wollen die große Masse erreichen“, sagt die deutsche Zee.One-Chefin.

„Wir sind sehr durch Hollywood, nicht durch Bollywood geprägt“

Tatsächlich musste sich die 51-jährige Medienmanagerin, die ihre Mission im Auftrag des indischen Mischkonzerns Essel Group angeht, mit den Bollywood-Inhalten erst einmal selbst anfreunden. Doch Friederike Behrends hat schnell Feuer gefangen und ihre Chancen erkannt: „Wir sind hierzulande sehr durch Hollywood, nicht durch Bollywood geprägt“, sagt sie. Das soll sich mit Zee.One nun ändern. „I Feel Bolly Good“ - das Gute-Laune-Vesprechen des Senders - ist für sie nicht nur ein Werbespruch, sondern Ausdruck überschäumender Vorfreude auf den TV-Start, den sie in Rekordzeit hingelegt hat. Zwischen den ersten Gesprächen über einen Deutschland-Ableger des indischen TV-Hauses und dem eigentlichen Sendebeginn lag weniger als ein Jahr.

Ausschließlich deutsche Erstausstrahlungen

Nun geht Zee.One mit einem gemischten Angebot, das sich etwas vollmundig als „Programm für alle Sinne“ versteht, auf Zuschauerfang. Von einer „noch nie dagewesenen Genrevielfalt“, spricht Friederike Behrends. Ausschließlich deutsche Erstausstrahlungen will sie zeigen, was auch kein echtes Wunder ist. Bislang liefen höchstens bei ARTE oder auf einer eher stiefmütterlich behandelten Bollywood-Schiene beim Münchner Privatsender RTL II vereinzelt Produktionen aus dem fleißig produzierenden Filmland Indien.

Behrends ist stolz darauf, dass ihre Bibliothek, die sie nach und nach den deutschen Fernsehzuschauern erschließen will, insgesamt angeblich über 200.000 Programmstunden umfasst. Die Kehrseite: In den letzten Wochen und Monaten wurde fieberhaft synchronisiert - und teilweise auch behutsam umgeschnitten. Viele klassische Bollywood-Filme leben von einer Dramaturgie, die für westliche Augen, vorsichtig gesprochen, etwas ungewöhnlich angelegt ist: Heiße Liebesszenen können sich schlagartig mit nicht minder heißen, mitunter brutalen Actionsequenzen abwechseln. Und dazwischen wird gern und ausgiebig getanzt.

„Deutschland ist für die Inder ein sehr wichtiger Markt“

„Die Inder wollen Bollywood in die Welt tragen. Deutschland ist für sie ein sehr wichtiger Markt“, sagt die Senderchefin über die Beweggründe der Essel Group-Manager, sich ins westliche Ausland zu wagen. Sie hat zusammen mit ihrer Programmchefin Andrea Lang, die Anfang des Jahres bezeichnenderweise von RTL II zu Zee.One stieß, einen Inhalte-Mix angerührt, der dem deutschen Publikum schmecken sollte. Dafür werden sich interessierte Zuschauer an verschiedene Labels gewöhnen müssen - unter anderem den großen Freitagabend-Actionfilm, der unter der Marke „Bolly.Power“ geführt wird. Jeweils donnerstags, um 20.15 Uhr, läuft ein „Bolly.Power“-Film, der meist heitere Romantikkomödien-Muster umspielt. Samstags, am Vorabend, um 19.30 Uhr, verneigt sich die „Bolly.Star“-Reihe vor den Größen des dortigen Film-Mekkas, die zumindest in Indien als echte Leinwand-Helden verehrt werden.

Doch Zee.One setzt auch auf Familienunterhaltung - meistens unter dem „Bolly.Family“-Label, das am Wochenende am Vorabend und vor allem sonntags ab 19.30 Uhr zum Einsatz kommt. Dort stehen Kinder- und Tiergeschichten, aber auch Fantasy-Filme, die für jüngere Zuschauer geeignet sind, im Zentrum. Tagsüber laufen unter der Programm-Marke „Bolly.Music“ Clips und Tanz-Sendungen, die man in der Form im deutschen Musikfernsehen selten sieht.

Außerdem hegen Behrends und Lang die Hoffnung, dass Serien die Treue des Publikums festigen: 55 Folgen einer „Buddha“-Reihe, die die Entwicklung des Religionsgründers im Jahre 500 vor Christus nachzeichnen und die „Jodha Akbar“-Serie, die mit vielen Schlachtszenen, Statistenheeren und bunten Tanz-Choreografien in das Indien des 16. Jahrhunderts entführt, sollen möglichst rasch Fans finden. Zudem sollen auch Eigenproduktionen zum Einsatz kommen - in der Regel Magazin-Formate, die um das Kernthema Bollywood kreisen.

So empfangt Ihr Zee.One

Empfangbar ist Zee.One per Satellit über Astra. Entsprechende Verhandlungen mit Kabelnetzbetreibern laufen aktuell noch, bislang ist sich Friederike Behrends mit dem Verbreitungsriesen Unitymedia handelseinig geworden. Wer Zee.One nicht empfangen kann, aber trotzdem Sehnsucht nach leidenschaftlichen Stoffen vom Subkontinent verspürt, der kann das Programm auch in einem Internet-Stream auf der Sender-Homepage www.zeeone.de verfolgen.

tsch

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