Neu auf DVD und Blu-ray

Bizarrer Heimatfilm: Der Bunker

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Klaus (Daniel Fripan) ist ein seltsames Kind: Scheinbar gefangen im Körper eines Dreißigjährigen, ist der Junge hohl wie eine Nuss.

Als hätte David Lynch ein deutsches Märchen verfilmt: „Der Bunker“ ist ein Heimatfilm der bizarren Art.

Wie in einem Grimmschen Märchen stapft der junge Mann durch den schneebedeckten deutschen Wald. Doch es ist nicht ein Hexenhäuschen, das ihn im wintergrauen Tann erwartet, sondern ein trister, in die Erde gerammter Bunker. Ein Märchen entspinnt sich dennoch in Nikias Chryssos' Spielfilmdebüt, eines der düsteren, skurrilen Art. David Lynch hätte wohl seine Freude an dem Film „Der Bunker“, der Anfang dieses Jahres in ausgewählten Kinos lief und nun auf DVD und Blu-ray erscheint.

In besagtem Bunker erwartet den jungen Mann (Pit Bukowski) eine äußerst sonderbare Familie: Vater (David Scheller), Mutter (Oona von Maydell) und der achtjährige Klaus, gespielt vom damals 31-jährigen (!) Daniel Fripan. Abgeschieden von der Welt, und wohl auch vergessen von ihr, hausen die drei hier, unter der Erde. Warum, weshalb, man weiß es nicht. Vieles bleibt im Dunkeln in diesem grotesken Film.

Der junge Mann, ein Student, will in der Abgeschiedenheit des Waldes an seinem Forschungsprojekt arbeiten. Doch mit der Ruhe ist es nicht weit her: Der Vater verpflichtet ihn als Lehrer für Klaus. Denn der, so träumen seinen Eltern, soll eines Tages amerikanischer Präsident werden. Nur leider ist Klaus so dumm wie der Wald dunkel, und seine Eltern sind ihm keine Hilfe: Während der Vater seine Bildung aus einem Witzebuch bezieht, spricht die Mutter des Nachts mit einer unheimlichen Wunde an ihrem Bein, die sie liebevoll Hermann nennt. Der Student also muss sich alleine um Klaus' Erziehung kümmern. Unfreiwillig entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden - auch wenn der Rohrstock das einzige Mittel scheint, um Klaus zum Lernen anzutreiben.

Man kann „Der Bunker“ natürlich als bitterböse Satire auf das deutsche Spießbürgertum interpretieren. Was der deutsch-griechische Regisseur und Drehbuchautor Nikias Chryssos hier veranstaltet, entzieht sich jedoch jeder herkömmlichen Kategorisierung. Gebrüder Grimm auf Drogen, das trifft es vielleicht. „Der Bunker“ ist ein bizarres Stück deutschen Independent-Kinos, eingefangen in betörenden Bilder und hervorragend gespielt. Der deutsche Wald, er steckt noch immer voller Geheimnisse. Vorausgesetzt, man traut sich, den Blick nach unten zu richten, weg von den Bäumen, hinab unter die Erde. Dass diesen verstörenden Film ausgerechnet Hans W. Geißendörfer produziert hat, der Erfinder der „Lindenstraße“ - man kann es kaum glauben.

tsch

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