Die Story im Ersten: Abgehört und abgenickt - Mo. 18.04 - ARD: 22.45 Uhr

Deutsch-amerikanische Verstimmung

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Edward Snowden (links, mit Hubert Seipel) bestätigte den Verdacht, dass deutsche Spitzenpolitiker - aber auch Wirtschaftsführer - systematisch ausgeschnüffelt werden.

Wie lange wissen deutsche Spitzenpolitiker schon davon, dass unser Land von US-Geheimdiensten systematisch ausspioniert wird? Dieser Frage geht der mehrfach prämierte Polit-Filmemacher Hubert Seipel nach.

Eigentlich hätte ein einfacher Satz das Problem leicht lösen können: "Abhören unter Freunden, das geht nicht." Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr, als erstmalig bekannt wurde, wie flächendeckend der US-Geheimdienst NSA europäische Spitzenpolitiker, darunter auch prominente Deutsche, ausspioniert hatte. Ausgelöst - und belegt - hatte den ersten Verdacht bekanntlich der "Whistleblower" Edward Snowden, den die US-Amerikaner am liebsten vor Gericht sehen würden, der in Deutschland aber viele Unterstützer und Fürsprecher hat. Nach und nach verschärfte sich die Stimmung zwischen den USA und Deutschland - mit immer schrilleren Tönen. Inwieweit das die viel beschworene transatlantische Freundschaft ernsthaft überschattet, rollte Hubert Seipel in seiner Dokumentation "Die Story im Ersten: Abgehört und abgenickt" noch einmal auf.

Längst geht es nicht mehr darum, dass US-Stellen - mit Billigung ihrer Regierung oder nicht - das Handy der Kanzlerin und anderer deutscher Politiker systematisch abhören ließen. Es geht um die Frage, ob nicht auch der mächtigste Staatsmann des Planeten, der US-Präsident Barack Obama, weiterhin und zumindest auf deutschem Boden an geltende Gesetze gebunden ist. Und was deren Missachtung für das Gleichgewicht unter Partnern und Freunden bedeutet. Immerhin hat der NSA längst einräumen müssen, dass auch im großen Stil Wirtschaftsspionage betrieben wird.

Der renommierte Filmemacher Hubert Seipel, der in seiner langen Karriere unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, geht der Frage nach, seit wann deutsche Politiker wissen, dass schon so umfangreich "gelauscht" wird. Doch auch auf der "Gegenseite" sind viele Fragen offen. Bitten um Klarstellungen und Präzisierungen der deutschen Regierung lässt Obama seit Monaten unbeantwortet. Und an einem sogenannten "Antispy-Abkommen" mit seinem NATO-Partner Deutschland scheint er alles andere als interessiert.

Verschärft hat die Diskussion die Rolle der Internet-Giganten wie Google und Facebook, die selbst im großen Stil Daten und Nutzer-Informationen sammeln. Terrorismusbekämpfung war die ursprüngliche offizielle Begründung für das weltweite Spionieren. Dabei geht es längst um Fundamentaleres: die Weltherrschaft im Internet.

Seipel gelang es, unter anderem Edward Snowden sowie General Hayden, den einstigen Chef der NSA, zum Gespräch vor die Kamera zu bringen. Außerdem forschte er beim Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz nach und befragte viele namhafte Politiker und Experten. Sein Fazit fällt düster aus: Die Bundesrepublik Deutschland wurde seit ihrer Gründung überwacht - auch von den vermeintlich engsten Freunden. Bislang hat diese Pikanterie nur offenbar noch niemanden so richtig interessiert. Nun rückt die Welt nicht nur näher zusammen - sondern sich gegenseitig auch auf die Pelle.

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