Tom Wlaschiha

"Dass die Figur cool ist, war mir von Anfang an klar"

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"Dass die Figur cool ist, war mir von Anfang an klar", sagt Tom Wlaschiha über seine Rolle bei "Game of Thrones".

Er ist unser Mann bei "Game of Thrones": Tom Wlaschiha, gebürtiger Sachse, spielt in der Fantasy-Serie den undurchsichtigen Jaqen H'ghar.

Der Deutsche Tom Wlaschiha war schon in vielen internationalen Produktionen zu sehen. In Spielbergs "München" etwa oder in Bryan Singers "Operation Walküre". Und auch hierzulande spielte er schon im "Tatort" oder bei "Soko Leipzig". Doch richtig startete der 42-jährige Sachse erst durch, als er die Rolle des mysteriösen Jaqen H'ghar in der Erfolgsserie "Game of Thrones" ergattern konnte. In der zweiten Staffel der HBO-Produktion tauchte der Mann mit der Kapuze erstmals auf, verschwand dann wieder - und kehrte in Staffel fünf zurück. Jetzt, in der sechsten Staffel (montags, 21.00 Uhr, Sky Atlantic HD), ist Jaqen H'ghar zur Hauptrolle aufgestiegen. Im Interview verrät Tom Wlaschiha, wie es mit seiner Rolle weitergeht - und wie viel von Jaqen H'ghar in ihm steckt.

teleschau: Herr Wlaschiha, nervt Sie eigentlich der Hype, der um Jon Schnee gemacht wird?

Tom Wlaschiha: Ich kann mich an den Typen gar nicht erinnern (lacht)!

teleschau: Haben Sie jemals zusammen mit Kit Harington, der Jon Schnee spielt, gedreht?

Wlaschiha: Nein. Das Besondere bei "Game of Thrones" ist, dass manchmal nur eine Szene pro Tag gedreht wird, da die Produktion extrem aufwendig ist. Ich sehe also immer nur die Schauspielkollegen, mit denen ich diese Szene drehe. Die anderen treffe ich meist nur bei Premieren oder bei Leseproben am Anfang jeder Staffel. Das ist natürlich schade. Peter Dinklage, der Tyrion Lennister spielt, habe ich beim Drehen zum Beispiel nie getroffen. Und Sibel Kekilli bin ich nur einmal zufällig im Hotel begegnet, aber nie am Set.

teleschau: In der ersten neuen Folge waren Sie selbst gar nicht zu sehen. Wie geht's weiter mit Ihrer Figur des Jaqen H'ghar?

Wlaschiha: Aryas Training im Haus von Schwarz und Weiß wird fortgesetzt, und Jaqen H'ghar wird sie natürlich weiter herausfordern, denn sie macht ja noch immer nicht, was sie soll - weswegen ich sie am Ende der fünften Staffel auch leider erblinden lassen musste.

teleschau: Werden Sie in der siebten Staffel wieder dabei sein?

Wlaschiha: Keine Ahnung. Das weiß niemand. Wir erfahren immer erst kurz vor Drehbeginn, ob wir dabei sind oder nicht.

teleschau: Das heißt aber, dass Sie die sechste Staffel überleben werden?

Wlaschiha: Das kann man so nicht sagen. Das Gesicht von Jaqen H'ghar gehört sowieso einem Toten. Selbst wenn ich sterbe, könnte jemand anders kommen und mein Gesicht nehmen - und den spiele dann natürlich auch wieder ich!

teleschau: Wie haben Sie es überhaupt geschafft, so lange in "Game of Thrones" zu überleben?

Wlaschiha: Ich bin ja nicht am Leben. Es weiß ja niemand, ob ich noch derselbe bin, der ich in der zweiten Staffel war. Mein Gesicht kann sich ja jeder aufsetzen.

teleschau: Wenn Sie die Wahl hätten - wie würden Sie in der Serie sterben wollen?

Wlaschiha: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Zumal sich die Macher immer neue, grausame Todesarten ausdenken. Kopf ab gab's schon oft genug, das wird Jaqen H'ghar wohl nicht mehr passieren (lacht)!

teleschau: Wenn einer der Darsteller den Serientod stirbt, gibt's dann eigentlich so etwas wie eine Abschiedsfeier?

Wlaschiha: Da wir nie alle gleichzeitig am Set sind, wäre eine Abschiedsfeier schwierig. Es ist aber so: Wenn jemand sterben soll, werden die Schauspieler von den Produzenten zuvor zum Essen eingeladen. Da will dann natürlich niemand hingehen, weil man schon weiß, dass das ein schlechtes Zeichen ist. Oder es kommt plötzlich ein Telefonanruf von HBO - auch kein gutes Zeichen!

teleschau: Die deutsche Schauspielerin Sibel Kekilli starb ja bereits den Serientod - wie fühlt sich das nun für Sie an, "unser Mann" bei "Game of Thrones" zu sein?

Wlaschiha: Ich fühle mich gar nicht als deutsches Gesicht von "Game of Thrones". Ich suchte mir vor ein paar Jahren eine Agentur in London, und nur so kam ich an diese Rolle. "Game of Thrones" wird ja in London gecastet, da die meisten Schauspieler Engländer und Iren sind. Ich bewarb mich damals über ein Video, in dem ich meine erste Szene gespielt habe.

teleschau: Ihren ersten Auftritt hatten Sie als Gefangener in einem Käfig - wie konnte jemand wie Jaqen H'ghar in Gefangenschaft geraten?

Wlaschiha: Das weiß ich nicht. Ich hoffe, dass George R.R. Martin einen Plan hat und man das tatsächlich noch erfährt. Das ist schließlich eine Frage, die viele Fans umtreibt: Wie wurde dieser geschickte Killer Jaqen H'ghar gefangengenommen? Ich glaube, das ist alles Teil eines größeren Plans, den Jaqen von Anfang an mit Arya hat.

teleschau: Hätten Sie damals gedacht, dass Jaqen H'ghar zu einer solch wichtigen und beliebten Rolle werden würde?

Wlaschiha: Dass die Figur cool ist, war mir von Anfang an klar. Dass ich in der fünften Staffel zurückkehren würde, habe ich aber erst kurz vorher erfahren. Mich freut das natürlich. Ich bekomme gerade viele Rollenangebote und nutze das. Als freischaffender Schauspieler kann's auch mit einem mal in die andere Richtung gehen. Ich hatte viele Jahre, in denen es nicht so gut lief.

teleschau: Angenommen, Sie hätten sich eine Rolle aus "Game of Thrones" aussuchen können - welche wäre das?

Wlaschiha: Ich mag die fiesen Rollen lieber als die guten. Ich fand Joffrey Baratheon ganz toll oder Ramsay Bolton. Die Sachen spielen, die man im richtigen Leben lieber nicht ausprobiert - das ist es!

teleschau: Wie viel von Ihnen steckt in Jaqen H'ghar?

Wlaschiha: Alles und nichts. Ich kann nur Sachen spielen, die ich aus mir heraus nehme. Aber weder habe ich im richtigen Leben eine Liste mit Leuten, die ich gerne umbringen möchte, noch bin ich ein religiöser Fanatiker. Jaqen H'ghar symbolisiert für mich den Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus, den Übergang von den griechischen und römischen Gottheiten zum Christentum. Da hat sich George R.R. Martin in der Menschheitsgeschichte bedient.

teleschau: Haben Sie denn die Bücher gelesen?

Wlaschiha: Nur die ersten beiden. Die anderen werde ich irgendwann einmal lesen, wenn ich mal ganz viel Urlaub habe (lacht).

teleschau: Nervt es Sie eigentlich, dass Jaqen H'ghar von sich immer in der dritten Person spricht?

Wlaschiha: Ich fand das am Anfang etwas seltsam. Aber durch die Sprechweise bekommt die Rolle ein ziemlich strenges Korsett, das einem bei der Rollengestaltung hilft.

teleschau: Werden Sie oft auf der Straße mit "Valar morghulis" begrüßt, dem Wahlspruch von Jaqen H'ghar?

Wlaschiha: Das passiert schon hin und wieder. Dann antworte ich "Valar dohaeris", und alle freuen sich (lacht). In Berlin, wo ich wohne, sind die Leute aber sowieso viel zu cool: Wenn man dort erkannt wird, wechselt niemand die Straßenseite.

teleschau: "Game of Thrones" wird weltweit gedreht. Wie lässt sich das mit Ihrem Privatleben vereinbaren?

Wlaschiha: Es ist nicht einfach, wenn man nie länger als zwei Wochen an einem Ort ist. Ich wohne ja eigentlich in Berlin, bin aber sehr wenig da zurzeit.

teleschau: Bleibt da Zeit für eine Freundin?

Wlaschiha: Ein Mann äußert sich nicht (lacht).

teleschau: Ihre Vermutung: Wer wird am Ende von "Game of Thrones" auf dem Eisernen Thron sitzen?

Wlaschiha: Jaqen H'ghar natürlich! Nein, ich glaube, dass am Ende niemand auf dem Eisernen Thron sitzen wird. Aber das ist meine ganz persönliche Theorie!

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