Künstler machen sich für Werte und Grundrechte stark: Heute startet die Kampagne „Auf ein Wort“

„Daran erinnern, dass wir Menschen sind“

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„Ich glaube, dass manche Werte in Vergessenheit geraten sind“, sagt Simone Thomalla. „Und manche Menschen sind so roh geworden - ich finde wir sollten verantwortungsvoller mit uns umgehen.“

Was ist ein demokratischer Wert? - Manchmal etwas sehr Persönliches, wie die Künstleraktion „Auf ein Wort“ zeigt.

Sommer, Urlaub und EM stehen vor der Tür - aber zehn Jahre nach dem Sommermärchen kann von einer kollektiven Euphorie im Land überhaupt keine Rede sein. Die immer aggressiver geführte Debatte um Flüchtlinge und Integration, der Zulauf für Pegida und AfD legen offen, dass sich ein tiefer Riss durch die Gesellschaft zieht. Zeit, dass sich was dreht, finden auch 90 deutsche Schauspieler und Moderatoren, die sich jetzt mit einer groß angelegten Künstlerkampagne im wahrsten Sinne zu Wort melden: Jeder der Prominenten wurde mit einem selbst ausgesuchten Begriff fotografiert, der einen für sie wichtigen demokratischen Wert darstellt. Die Idee, so lassen die Macher der Aktion „Auf ein Wort“ durchblicken, sei im vergangenen Jahr entstanden, „um Pegida etwas Intelligentes entgegenzusetzen“.

Die Kampagne, die Valerie Niehaus gemeinsam mit der Fotografin Steffi Henn und ihrer Schauspielkollegin Christina Hecke initiiert hat, startet schon am 1. Juni. Dann ist das Portal www.auf-ein-wort.org online, auf dem sich neben den Porträts auch viele Video-Statements der Stars finden, außerdem werden die Porträtierten auf all ihren Social Media Kanälen ihre Profilfotos auf ihr Kampagnenfoto wechseln - insgesamt werden so auf einen Schlag viele Hunderttausend User auf die Motive aufmerksam gemacht.

Ein Schauspielstar wie Hannes Jaenicke beispielsweise wird alleine bei Facebook von mehr als 52.000 Menschen „geliked“. Der engagierte Dokumentarfilmemacher präsentiert nun ein Schild, auf dem mit dickem Ausrufezeichen dahinter das Wort „Rückgrat“ steht. Simone Thomalla hält sich das Wort „Verletzlichkeit“ vor den (nackten) Oberkörper, Christine Urspruch hat sich „Geborgenheit“ auf ein rundes Stück Pappe geschrieben, und Moderator Jochen Schropp trägt auf seinem Bild ein Muscleshirt, um für die Botschaft Platz zu schaffen: Auf dem rechten Oberarm steht „Gleich“, auf dem linken „Berechtigung“ ...

So funktioniert diese Aktion - das persönliche Bekenntnis als kleiner Beitrag Einzelner und als wuchtiges Mosaik. 90 bekannte Menschen, 90 Begriffe, 90 Denkanstöße und ein hehres Ziel: Es gehe darum, „wieder daran zu erinnern, dass wir Menschen sind“, drückt es Schauspielerin Christina Hecke vielleicht am treffendsten von allen aus. Sie wolle zeigen, „dass es nicht darum geht, uns die Köppe einzuhauen, sondern uns in den Arm zu nehmen“. „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke - sie hat sich das Wort „Haltung“ ausgesucht - sagt, sie „finde es total spannend, wenn man alle Menschen fragt, welches Wort für sie Deutschland, unsere Gesellschaft repräsentiert ... Dann bekommst du genau die Diversität, die Gesellschaft braucht.“

Und genau das ist auch ein Ziel von Niehaus, Henn und Hecke, die ausdrücklich zum Mitmachen, zum Austausch und zur Diskussion animieren: „'Auf ein Wort' ist unser Beitrag zu mehr Gemeinschaft: Inspiration, Kommunikation, Öffnung und Vertiefung des Miteinanders - Ihr 'Wort', ihre 'Werte' als Beitrag dazu sind in unserem Fokus. Wir fangen ein und stellen vor. Ein jeder Bürger ist unser Adressat - ein jeder Unterstützer ein Teil der Gemeinschaft. Unsere Gesellschaft ist zersplittert in Gruppen und Grüppchen, getrieben von Gefühlen wie Verunsicherung, Existenzangst, Wut oder Ahnungslosigkeit. Wir suchen das Gespräch, die Rückbesinnung auf Werte, die uns vereinen, statt uns auseinander zu treiben. Wir wollen anregen, neugierig machen, Gespräche eröffnen, zum Nachdenken bringen ...“

Bereits mit an Bord ist Heiko Maas, der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz. Er findet, „dass es gerade in Deutschland eine gute Zeit ist, um Haltung zu zeigen. Und Haltung drückt sich in Werten aus. Darum finde ich ist das ein schönes Projekt.“ Wobei es den Machern um eine dezidiert positive Haltung geht. Sie legen Wert auf die Feststellung, dass sich die Kampagne seit der ersten Idee weiterentwickelt habe: „Die 90 Porträtierten sprechen sich nicht gegen Pegida und deren Inhalte, sondern für die Werte und Grundrechte unserer Gesellschaft aus.“ Sie tun es auf eine subtile und inspirierende Art und Weise, was im allgemeinen Krawallkanon dieser Tage gewiss nicht die schlechteste Idee ist.

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