Grüße aus Fukushima

Vom Clown zur Selbsterkenntnis

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Ein apokalyptisches Zwei-Frauen-Kammerspiel im Japan von heute: „Grüße aus Fukushima“ (2016) ist ein Doris-Dörrie-Film, der menschlich tief bewegt.

Ein Zwei-Frauen-Kammerspiel in der verbotenen Sperrzone rund um das havarierte Atomkraftwerk: Rosalie Thomass brilliert in „Grüße aus Fukushima“ als eine junge Frau, die ans andere Ende der Welt reisen muss, um sich selbst zu finden.

Es sind Bilder aus einer Gegend, die man sich gut als Drehort für einen verstörenden Science-Fiction-Film vorstellen könnte. Leider sind sie aber sehr real und vom Rest der Welt sehr vergessen. Die Münchner Filmemacherin Doris Dörrie ist einmal mehr ihrer Neugier gefolgt und in ein sehr fremdes Japan gereist. Heraus kam das apokalyptische Kammerspiel „Grüße aus Fukushima“ (2016), das mit stillem Humor etwas Trost verbreitet.

Im Zentrum des halb improvisierten Schwarz-Weiß-Films steht mit der jungen Marie (brillant: Rosalie Thomass) eine Deutsche, die sich einer Clown-Truppe anschließt. Sie, die selbst viel emotionales Gepäck mit sich trägt, möchte so etwas wie Hoffnung in ein Auffanglager zu bringen, in dem sich die von der atomaren Verstrahlung Geflohenen aufhalten.

Auch als Hulla-Hupp-Vortänzerin versucht sich Marie. Nur leider ist sie weder lustig noch sonderlich gelenkig. „You are an elephant“, so das vernichtende Urteil einer verhärmten alten Frau. Eben diese starrköpfige Seniorin wird Marie im weiteren Filmverlauf wachrütteln. Satomi (Kaori Momoi) zieht es unbedingt in die verbotene Sperrzone zurück, wo sie ihr altes Holzhaus wieder herrichten möchte und wo sie sich den Geistern ihrer Vergangenheit stellen kann. Marie zögert zunächst, doch dann lässt sie sich auf das Abenteuer ein.

Doris Dörrie hat mit der befremdlichen Selbstfindungsreise, die nicht einmal 100.000 Besucher in die Kinos lockte aber auf Preisverleihungen gefeiert wurde, einen ihrer wohl intimsten Filme gedreht. Nach und nach entsteht in ihrem Drama so etwas wie Wärme in einem Umfeld, das man nur als lebensfeindlich bezeichnen kann. Und in der härtesten Schule der Selbsterkenntnis steht zum Glück auch Humor als Lernfach auf dem Stundenplan. Es ist ein Film, der es seinen Betrachtern nicht leicht macht - aber auch einer, der das Potenzial hat, sie glücklicher und gelassener zurück zu lassen.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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