Neben der „Institution“ Eurosport

Chance genutzt: Auch ARD zeigt Tour de France

+
Bärenstark beim Sprint: André Greipel (vorne). Auf Etappenerfolge des Rostockers hoffen ARD und Eurosport auch bei der diesjährigen Ausgabe der Tour de France.

Die 103. Ausgabe der Tour de France rollt im Juli (Samstag, 2. Juli, bis Sonntag, 24. Juli) wieder durch das Nachbarland. Neben der „Institution“ Eurosport ist auch die ARD nach ihrem zufriedenstellenden Wiedereinstieg im vergangen Jahr erneut an der Strecke.

Frankreich bleibt weiter das Zentrum des Sportgeschehens. Während die Fußball-Europameisterschaft im Nachbarland noch läuft, startet am Samstag, 2. Juli, die 103. Auflage der Tour de France. Anders als bei der EURO, bei der gerade zu Beginn des Turniers die Hooligans für hässliche Bilder sorgten, wird es bei der „Großen Schleife“ über diesmal insgesamt 3.419 Kilometer mitunter aussehen wie in einer Reisebroschüre des französischen Tourismusverbandes. Vom Start am ohnehin überwältigenden Mont-Saint-Michel mit seiner Felsenfestung und der Abtei im Wattenmeer bis zum Finale auf den Champs-Élysées in Paris ist die Strecke gespickt mit sportlichen und optischen Höhepunkten. Eurosport begleitet den Tross der 18 teilnehmenden Teams über die insgesamt 21 Etappen wieder sehr ausführlich. Und auch die ARD hofft nach ihrem Wiedereinstieg im vergangenen Jahr, dass sich das Interesse der Zuschauer noch einmal steigert.

An die fetten Jahre, als sich Anfang der 2000er-Jahre Lance Armstrong und Jan Ullrich vor neun Millionen und mehr TV-Zuschauern duellierten, ist freilich längst nicht zu denken. Und dennoch war man zufrieden. Erst im vergangenen Jahr ist die ARD bei der Tour de France wieder eingestiegen -, nachdem man sich zuvor eine dreijährige Berichterstattungspause auferlegt hatte. Wegen des leidigen Doping-Themas.

Die Tour 2015 mit dem Briten Chris Froome (31) als Gesamtsieger blieb zumindest nach außen hin erfreulich sauber, sodass die ARD nicht eine extra vereinbarte Ausstiegsklausel ziehen musste und nun auch bei dieser Rundfahrt wieder dabei ist. Mit im Schnitt 1,17 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 9,8 Prozent erzielte das Erste 2015 Achtungserfolge. „Es gilt festzuhalten, dass die Tour gleich im ersten Jahr wieder zu einem elementaren Bestandteil der Sommersport-Übertragungen im Ersten geworden ist“, freute sich denn auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky in einem ersten Resümee. Verharren will man auf dem respektablen Quotenniveau des Vorjahres dennoch nicht. Balkauskys frommer Gedanke: „Natürlich wünschen wir uns, dass sich das Interesse der Zuschauer bei dieser Tour noch steigert.“

Er hofft dabei auf Erfolge der deutschen Fahrer wie beispielsweise Tony Martin (31). Der Zeitfahrspezialist aus Cottbus fuhr bei der letzten Tour auf der vierten Etappe ins Gelbe Trikot. Dieses trug er bis zur sechsten Etappe, in der er kurz vor Schluss schwer stürzte. Wegen eines Schlüsselbeinbruchs konnte er nicht mehr antreten. Wäre Martin länger in Gelb geblieben, womöglich wäre das Interesse weiter angeheizt worden. Insgesamt erlebten die Zuschauer sechs Etappensiege deutscher Fahrer, unter anderem von André Greipel (33) und Simon Geschke (30). Und wie stehen die Chancen in diesem Jahr?

Bestens, meinen zumindest die Experten. Bei sieben der insgesamt 21 Etappen könnten die Sprinter Greipel und Marcel Kittlel (28) vorne dabei sein. Ein Mann fürs schwere Terrain ist John Degenkolb (27). Und Martin hat bei zwei Einzelzeitfahren, darunter allerdings auch das erste Bergzeitfahren seit 2004, Chancen auf den Sieg. In der ARD sind alle Entscheidungen zu sehen. Wie bereits im vergangenen Jahr wird sie sich zumeist ab 16.05 Uhr in die Entscheidung einer Tagesstrecke einklinken. Bei Königsetappen wie am Mont Ventoux (Donnerstag, 14. Juli, ab 15.10 Uhr) wird Reporter Florian Naß (48) und Moderator Michael Antwerpes (53) nach der Zielankunft hoch oben am Berg ein größeres Zeitfenster eingeräumt.

Anders als die ARD, die immer auch auf weitere Bedürfnisse seines breiten Publikums achten muss, liefert Eurosport wie in den Jahren zuvor das volle Tour-Programm. Mehr als 330 Stunden werden übertragen. Der Spartensender zeigt in der Regel drei Stunden Live-Bilder von allen Etappen jeweils ab 14.15 Uhr. Einzelne Rennen laufen bis zu sechs Stunden lang über die Bildschirme. Dazu kommen ein tägliches „Tour de France Extra“ ab 14 Uhr vor und ab 17.15 Uhr nach den Rennen. Außerdem analysiert Tour-Legende Greg LeMond (55) jeden Abend ab circa 21.30 Uhr das aktuelle Geschehen.

Erstaunlich ist, dass Eurosport unter dem Wiedereinstieg der ARD im vergangenen Jahr kaum „gelitten“ hat. Ganz im Gegenteil! Der Sportsender konnte seine Quoten zuletzt sogar steigern. Im Durchschnitt verfolgten 350.000 Zuschauer die deutlich längeren Übertragungen. 2014 lag die Durchschnittsreichweite noch bei 340.000 Zuschauern. Der Marktanteil stieg von 3,0 auf 3,2 Prozent. „Die Tour de France ist bei Eurosport eben eine Institution“, heißt es bei den Münchnern dazu.

Das liegt mitunter daran, das Kommmentatoren wie erneut Karsten Migels, Jean-Claude Leclercq, Ron Ringguth und Marc Rohde eben nicht nur über die kleinste Übersetzung an einem Fahrrad Bescheid wissen. Immer wieder begeistern Anekdoten und Geschichten über die Sehenswürdigkeiten und Kulissen am Rande der Strecke. Darunter sind diesmal natürlich der Mont-Saint-Michel, die Bergankunft am Mont Ventoux und die Alpen-Etappen in der Schlusswoche im Schatten des Mont Blanc.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren