Creed - Rocky's Legacy

Der Champ reicht die Fackel weiter

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Zehn Jahre lang ließ er die Figur ruhen, nun schlüpfte Sylvester Stallone noch einmal in seine Paraderolle als Rocky Balboa. In dem Quasi-Spin-off "Creed - Rocky's Legacy" übernimmt das Boxen aber ein anderer.

Ein kompletter Neustart für die Reihe: "Creed - Rocky's Legacy" überzeugt, und das obwohl Rocky Balboa im ganzen Film keine fünf Schläge setzt.

Gerechnet hatte damit im Vorfeld kaum jemand, aber man gönnt es ihm: Kurz nachdem Sylvester Stallone, inzwischen 69 Jahre alt, das endgültige Ende der "Rambo"-Reihe verkündete, landete er mit seiner zweiten Paraderolle noch einmal einen echten Volltreffer. "Creed - Rocky's Legacy" (2015) wurde von Fans und Kritikern überaus wohlwollend aufgenommen. Vor allem Stallone begeisterte als gealterte Boxer-Legende. Für seine Leistung wurde er mit seinem ersten Golden Globe und immerhin einer Nominierung für den Oscar als bester Nebendarsteller belohnt. Nun ist das Drama, das so etwas wie einen Neustart für die Reihe bedeutet, auch fürs Heimkino erhältlich.

Wer sich die Mühe macht, nachzuzählen: Ja, es ist inzwischen schon der siebte "Rocky"-Film. Diesmal ist allerdings einiges anders. Weil Sly die Finger von Regie und Drehbuch ließ, weil er nicht mehr selbst in den Ring steigt, und weil Rocky, was doch verdammt mutig ist, nur noch die zweite Geige spielt.

Rocky (Stallone), das Kämpfer-Idol von einst, soll einen jungen Boxer zum Erfolg führen, aber nicht irgendeinen: Adonis "Donnie" Johnson (Michael B. Jordan) ist der uneheliche Sohn von Apollo Creed - dem vielleicht einzigen Mann, der Rocky je das Wasser reichen konnte und über die Jahre trotz erbitterter Fights ein guter Freund wurde.

Dass diese Story funktioniert, liegt in erster Linie an dem erstaunlich glaubwürdig gestrickten, feinsinnigen Drehbuch von Aaron Covington und Ryan Coogler (gleichzeitig Regisseur) sowie daran, dass die die beiden äußerst geschickt mit der "Rocky"-Ikonografie umgehen. Sie nutzen bewährte Motive wie den durchgeschwitzten grauen Trainingsanzug, verflechten die altbekannte "Rocky"-Musik mit modernen HipHop-Beats, lassen Adonis die Stufen des Philadelphia Museum of Art erklettern. All das aber, ohne zu dick aufzutragen.

Was diesen Film aber sowohl für eingefleischte Fans als auch für "Rocky"-Neulinge besonders sehenswert macht, ist die Leistung der Hauptdarsteller. Die Chemie zwischen Jordan und Stallone stimmt von Anfang an. Der eine erweist sich mit eindrücklichem Spiel als würdiger Rocky-"Nachfolger", dem seine Hauptrolle kein Gramm zu schwer zu sein scheint, und der andere macht es sich mit herrlicher Lässigkeit und trockenem Humor in der Rolle des ergrauten Ex-Champs gemütlich, der niemandem mehr etwas beweisen muss.

Der große Rocky Balboa hat die Fackel mit "Creed" an einen neuen Star weitergereicht, will ihn aber offenbar noch ein Stück auf seinem Weg zur neuen Box-Ikone begleiten: Eine Fortsetzung des Boxerdramas soll 2017 in die Kinos kommen.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc, Ultra HD Blu-ray (ab 19. Mai) und als Video-on-Demand.

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