Die Gentlemen baten zur Kasse - Do. 25.02 - ARTE: 22.00 Uhr

Brillante Zeitreise

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Darsteller und Original-Posträuber: Horst Tappert (links) und Bruce Reynolds vor der Bridego Bridge, wo im Jahre 1963 der Geld-Waggon entladen wurde.

Mehr als 50 Jahre nach dem größten Eisenbahnraub aller Zeiten, aus dem die deutsche Straßenfeger-Filmserie "Die Gentlemen bitten zur Kasse" entstand, blickt ein mitreißender Dokumentarfilm auf das tollkühne Verbrechen und seine Folgen zurück.

Am 8. August 2013 jährte sich eines der bekanntesten Verbrechen der Menschheit zum 50. Mal. Der Titel "The Great Train Robbery" lässt bereits vermuten, dass der weitgehend gewaltfrei ausgeführte Überfall auf den Postzug von Glasgow nach London viel Romantik transportiert. Die Täter von damals waren eben "Gentlemen", und ihr Tun wurde 1963 von der gerade erwachten britischen TV-Gesellschaft als eine Art Robin Hood-Akt begriffen. Viele sympathisierten mit den Tätern, die dem autoritären Staat samt seiner korrupten Polizei und dem festgefahrenen Standesdenken eine lange Nase zeigten. Drei Jahre später wurde aus der Geschichte der deutsche TV-Dreiteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Horst "Derrick" Tappert machte die Rolle als Banden-Mastermind Bruce Reynolds zum Star. In "Die Gentlemen baten zur Kasse" blickte der deutsche Filmemacher Carl-Ludwig Rettinger zum 50. Jubiläum auf das kühne Verbrechen und seine vielschichtigen Nachwirkungen zurück. ARTE zeigt seinen herausragenden Dokumentarfilm von 2013 nun noch einmal.

Rettingers Nachbearbeitung des Verbrechens ist wohl das erste deutsche Dokudrama, das in seinen Spielszenen auf ein "Re-Enactment" von 1965 setzt. Vor allem im ersten Teil des Films, der Planung und Durchführung des Überfalls zeigt, werden Spielszenen aus dem Original-Dreiteiler zu Interviews und Bildern von heute montiert. Daraus entsteht nicht nur eine hochspannende Erzählung - nach heutigem Stand erbeuteten die 15 Räuber eine Summe von etwa 50 Millionen Euro - sondern auch ein geniales Zeitporträt einer sich wandelnden Gesellschaft.

Noch brillanter als der erste Teil des Films ist allerdings das, was in der zweiten Hälfte geschieht. Sie beschreibt Flucht und Nachwirkungen des Coups für die Täter und ihre Familien. Carl-Ludwig Rettinger muss jahrelang Archive durchforstet haben. Man sieht faszinierende Super-8-Aufnahmen von auf der Flucht befindlichen Tätern und ähnliche Bilder aus privaten Nachlässen. Hier wird der Film über einen kriminalistischen Coup und seine Zeit schließlich zum bewegenden Zeugnis geläuterter, tragischer und tragikomischer Lebensläufe.

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