Seth Rogen und Chloë Grace Moretz

Wir brauchen Eier!

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Großer Bruder, kleine Schwester: Im Interview zu "Bad Neighbors 2" (Kinostart: 5. Mai) hatte Seth Rogen deutlich mehr zu sagen, als Chloë Grace Moretz.

In "Bad Neighbors 2" (Kinostart: 5. Mai) spielen Seth Rogen und Chloë Grace Moretz bis aufs Blut verfeindete Nachbarn und schenken sich nichts: Im Interview sind sie ganz lieb und zollen gemeinsam Zac Efrons Anhängsel Respekt.

Wie der große laute Bruder und seine schüchterne kleine Schwester sitzen Seth Rogen und Chloë Grace Moretz beim Interview in einem Berliner Luxushotel. Auch wenn der 34-jährige Kanadier viele zaghafte Versuche seiner 19-jährigen Filmpartnerin, auch mal zu Wort zu kommen, mit seinem dröhnenden Lachen erstickt: Die beiden verstehen sich besser, als es ihre Figuren in "Bad Neighbors 2" (Kinostart: 5. Mai) tun. In der cleveren Bad-Taste-Klamotte spielt Rogen einen Familienvater und Moretz eine Party-Bitch, die nebenan einzieht: Es fliegen die Fetzen und es wird mit harten Bandagen um die Hoheit in der Nachbarschaft gekämpft. Im Interview sind sie ziemlich lieb zueinander und lachen sich öfter mal schlapp. Zum Beispiel über Zac Efrons Traumbody und einen Witz in "Bad Neighbors 2", den in Deutschland niemand gemacht hätte.

teleschau: Warum ist niemand "böse" in "Bad Neighbors 2". Alle sind irgendwie die Guten ...

Rogen: Ich mag keine Schurken in Komödien. Wenn ein Film etwas taugt, dann sind Schurken auch nur ganz normale Menschen. Sie haben ihre Gründe für das, was sie tun. Man kann vielleicht sogar Sympathien für sie empfinden. Uns war sehr wichtig zu zeigen: Was die neuen Nachbarinnen veranstalten, ist eigentlich das Richtige. Anders als im ersten Teil, als die Jungs einfach nur Spaß haben wollten. Die Mädels haben eine moralische Rechtfertigung für ihren Partymarathon.

teleschau: Und deshalb macht Ihre Figur, Frau Moretz, etwas total Unrealistisches und wirft Zac Efron raus?

Chloë Grace Moretz: Es ist ein verbreitetes Klischee über junge Frauen, dass ...

Rogen: Sie lassen sich nicht alle von Zac blenden (lacht).

Chloë Grace Moretz: ... gut ausgeformte Bauchmuskeln bei Männern ihr Denken beeinträchtigen. Eigentlich ist diese Szene eine sehr realistische Schilderung, wie junge Frauen heute sind.

teleschau: Es ist also alles echt im Film?

Rogen: Wir wollten keine größere oder witzigere Fortsetzung machen, sondern eine smartere. Deswegen haben wir mehr Wert auf Themen und Story gelegt. Natürlich hofften wir, dass der Film lustig werden würde - was er in meinen Augen auch ist.

Chloë Grace Moretz: Wir improvisierten jedenfalls viel und wussten manchmal beim Drehen noch nicht, wie die Figuren reagieren. Es sollte alles möglichst realistisch wirken.

Rogen: Wir haben alles dafür getan, dass die Szenen so natürlich wie möglich sind: vor allem, was die Sprache und die Denkweise der Mädchen angeht. Der Film wurde ja zum größten Teil von weißen Männern mittleren Alters geschrieben. Also fragten wir recht häufig bei den Mädels nach, wie sie sich ausdrücken und welche Wörter sie benutzen würden.

teleschau: Welche Regeln gibt es heutzutage, was in Hollywood-Komödien erlaubt ist? In "Bad Neighbors 2" sind zum Beispiel Hoden zu sehen. Aber mit Nippeln tut man sich immer noch schwer, oder?

Rogen: Ach was. Wir könnten Nippel zeigen. Aber wir machen es nicht: Titten sind nicht lustig. Eier schon!

Chloë Grace Moretz: Tatsächlich sind die Behörden bei weiblicher Nacktheit weniger strikt als bei männlicher. Was ich ziemlich drollig finde.

Rogen: Geilheit und Comedy passen gar nicht zusammen. Als ich aufwuchs, sah ich mir gern Filme wie "Ich glaub', mich tritt ein Pferd" und "Caddyshack" an und fand sie sehr witzig. Doch die Nacktszenen wirkten immer deplatziert. Sie erfüllten keinen wirklichen Zweck, außer die niederen Instinkte anzusprechen. Also: Wenn es nicht wirklich, wirklich wichtig ist, verzichten wir gerne auf Nippel.

teleschau: Wie sieht es denn mit Drogen aus? Sie feiern den Haschkonsum ziemlich ab.

Rogen: Das ist auch kein Problem. Darum kümmert sich niemand.

teleschau: Herr Rogen, wie würden Sie denn Ihren Sinn für Humor beschreiben?

Rogen: Äh. Das habe ich noch nie versucht. Keine Ahnung!

Chloë Grace Moretz: Er hat schon ein ziemlich merkwürdig funktionierendes Gehirn.

Rogen: Ich probiere zumindest immer wieder was Neues aus. Ganz allgemein geht's aber häufig um Genitalien.

teleschau: Sie mussten mit Zac Efron zusammen eine Szene mit freiem Oberkörper drehen: Haben Sie jetzt Komplexe?

Rogen: Er hat schon einen tollen Körper, nicht wahr? Aber neidisch bin ich nicht. Vor allem, weil ich weiß, wie viel Mühe sich Zac mit seinem Körper geben muss. So will ich mein Leben nicht leben. Ich liebe Essen, und ich liebe es, auf der Couch abzuhängen und mir TV-Shows anzusehen. Dinge, denen Zac nicht frönen kann.

teleschau: Frau Moretz, man kennt Sie vor allem aus Fantasy- und Horrorfilmen ...

Chloë Grace Moretz: ... ich weiß: In meinen Filmen sterben immer alle. Kein Wunder, dass ich schon lange Komödien drehen wollte. Einmal mit den Comedy-Helden meiner Generation zu arbeiten - das war schon aufregend.

teleschau: A propos "Helden einer Generation": Gab es einen Generationenkonflikt zwischen Ihnen beiden?

Rogen: Ich bin 15 Jahre älter.

Chloë Grace Moretz: Er ist wie ein großer Bruder.

Rogen: Chloë ist genauso, wie ich mit 19 Jahren auch war.

Chloë Grace Moretz: Yeah!

Rogen: Ich hing damals auch nur mit Leuten rum, die bedeutend älter waren als ich. Mit Chloë abzuhängen, war cool - ich hatte nie das Gefühl, dass sie eine typische 19-Jährige ist. Da gab es andere Mädchen am Set.

Chloë Grace Moretz: Mit denen sogar ich Schwierigkeiten hatte, auf einen Nenner zu kommen. Mann, was konnten die für Zeug quatschen.

teleschau: Herr Rogen, mit Ihrer Nordkorea-Persiflage "The Interview" sorgten Sie vor zwei Jahren für eine Menge Aufregung. Würden Sie nach allem, was passiert ist, nochmal so einen Film drehen? Politische Witzfiguren gibt es schließlich genug ...

Rogen: Man sollte niemals nie sagen. Aber ich würde zweimal darüber nachdenken. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass unser Film fast einen Atomkrieg auslösen würde. Die ganze Sache wurde für meinen Geschmack viel zu ernst genommen: Ich fand's Mist, dass der Film deswegen nicht wirklich rauskam. Immerhin war es eine gute Lektion, wie mächtig die Kunst sein kann. Und ich hatte eine Zeit lang Personenschutz. Das war auch eine interessante Erfahrung.

teleschau: Also machen Sie jetzt lieber ernste Sachen wie etwa "Steve Jobs", in dem sie zuletzt zu sehen waren?

Rogen: Ich würde es auf jeden Fall wieder tun. Wenn man mich denn lässt. So viel anders als Comedy ist Drama für einen Schauspieler nämlich gar nicht; man muss als Koch zumindest nicht plötzlich ein Haus bauen.

teleschau: Warum werden Komödien trotzdem immer wieder unterschätzt?

Rogen: Keine Ahnung. Die Schauspieler müssen richtig gut sein, damit Komödien funktionieren. Was Zac zum Beispiel für eine Leistung abliefert, ist für mich einfach unglaublich. Blöd ist nur, dass es niemand jemals anerkennen wird, nur weil "Bad Neighbors 2" ein lustiger Film ist und Zac seine Eier zeigt.

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