„Rampage“-Regisseur macht Schluss

Uwe Boll: „Die Mittelschicht stirbt aus, leider auch beim Film“

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„Die Mittelschicht stirbt aus, nicht nur in der Realgesellschaft, sondern eben leider auch beim Film.“ Dr. Uwe Boll beäugt die jüngste Entwicklung der Filmbranche höchst kritisch.

Von der kaputten Kinobranche bis zur Goldenen Himbeere, von Merkel bis Erdogan: Uwe Boll, der seine Karriere als Filmemacher beendet, holt im Interview zum finalen Rundumschlag aus und landet am Ende bei: Tafelspitz und Sauerbraten.

„Endlich!“, werden viele sagen: Dr. Uwe Boll, der vermeintlich schlechteste Regisseur der Welt, hört auf. Vor einigen Jahren hatte es bereits eine Petition mit eben diesem Ziel gegeben: dem Rücktritt des Filmemachers. Boll machte weiter. Vor einem Jahr, nach einer gescheiterten Kickstarter-Kampagne für „Rampage 3“, deutete Boll dann erstmals selbst an, dass er keine Lust mehr hat. Entgegen eigener Ankündigungen hat er die „Rampage“-Reihe nun doch noch vollendet und präsentiert mit „President Down“ (erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand) seinen letzten Film. Aus, Schluss, vorbei - oder? Im Abschiedsinterview präsentiert sich der 51-Jährige, der seine Kritiker einst medienwirksam zum Boxkampf forderte, meinungsstark und angriffslustig wie eh und je. So richtig in Rage gerät Uwe Boll jedoch erst, wenn es um Recep Erdogan geht, an den der zukünftige Ex-Regisseur, -Produzent und -Autor kürzlich 3.500 Euro zahlen musste.

nordbuzz: Ganz im Ernst: Ist jetzt wirklich Schluss?

Uwe Boll: (lacht) Ja. Es ist vorbei. Da ich all die Jahre ja nicht von der Filmförderung, sondern vom realen Filmmarkt gelebt habe, geht es einfach nicht mehr. Die Branche hat sich so negativ entwickelt, dass sich Independent-Filme nicht mehr refinanzieren lassen. Die letzten beiden „Rampage“-Filme waren sozusagen Hobby-Projekte - da wurden alle bezahlt, nur ich nicht. Inzwischen ist einfach eine Frustrationsschwelle erreicht, sodass ich als Produzent mir selbst als Regisseur sagen muss: Hör auf. „Rampage 3“ habe ich nur noch gedreht, weil ich die Geschichte um diesen Terroristen zu Ende erzählen wollte.

nordbuzz: Bleiben Sie denn hinter den Kulissen in der Branche aktiv?

Boll: Meine Firma Eventfilm verkauft Filme, auch von anderen Produzenten und Regisseuren - damit hören wir noch nicht ganz auf. Aber auch das fahre ich immer weiter runter, und da werde ich dann auch innerhalb von ein, zwei Jahren aussteigen. Durch das Verschwinden von DVDs und Blu-rays ist es in den letzten Jahren zu einem absoluten Vernichtungskampf der lokalen Distributoren gekommen. Als Beispiel: Filme wie „House of the Dead“ oder „Alone in the Dark“ habe ich für jeweils eine Million Dollar nach Japan verkauft. Jetzt bekomme ich für ähnlich geartete Filme, etwa aus der „Rampage“-Reihe, aus Japan nur noch 15.000 bis 20.000 Dollar. Es ist ganz klar: Die Mittelschicht stirbt aus, nicht nur in der Realgesellschaft, sondern eben leider auch beim Film.

nordbuzz: Was bleibt denn dann?

Boll: Es bleiben nur noch große Studiofilme - und europäisches Förderprodukt. In den USA gibt es solche Finanzierungen quasi gar nicht mehr, außer vielleicht durch irgendwelche Superreichen aus China, die sagen: Ich versenk jetzt mal eine Milliarde in der Filmbranche. Dieser Betrieb ist einfach zu einer reinen Geldvernichtungsmaschine geworden. Da kann man als 08/15-Millionär nicht mehr mithalten.

nordbuzz: Im Lauf Ihrer Karriere mussten Sie auch heftige Kritik einstecken. Gab es da gewisse Ermüdungs- oder Zermürbungserscheinungen nach all den Jahren?

Boll: Eigentlich nicht. Die Krise bezüglich der Kritik habe ich vor sieben, acht Jahren endgültig hinter mir gelassen. Vor allem, als ich aufgehört habe, irgendwelche Videospiele zu verfilmen. Bei „Darfur“ etwa waren die Kritiken auch sehr gut. Für mich stand irgendwann aber eher die Frage nach dem Verkauf im Vordergrund, das ist am Ende einfach wichtiger. Inzwischen kenne ich beinahe alle Leute, die Filme einkaufen, und nicht einer hat sich je für Kritiken interessiert. Null. Egal ob in Korea, Brasilien oder Spanien - das ist denen scheißegal. Die schauen sich das Produkt an und sagen: Das können wir verkaufen oder eben nicht. Entscheidend ist, dass ein Film entsprechend beworben wird. Da ist dann auch so ein Schrott wie „Suicide Squad“ auf einmal erfolgreich.

„Die Neugierde auf andersartige oder auch politische Filme scheint verschwunden zu sein“

nordbuzz: Bei welchem größeren Kinofilm hatten Sie zuletzt denn wirklich Spaß?

Boll: Das Konzept von „Deadpool“ fand ich nicht schlecht, das war mal etwas anderes und wirklich lustig. Auch „Guardians of the Galaxy“ und „Pets“ haben mir gefallen. Dagegen ist es für mich ein Rätsel, wie jemand noch in einen „X-Men“- oder „Avengers“-Film gehen kann. Warum gucken sich die Leute immer wieder dieselbe Scheiße an? Diese Geschichten verlaufen ja immer gleich. Die Neugierde auf andersartige oder auch politische Filme scheint weitgehend verschwunden zu sein. Lieber sitzen die Leute mit ihrem Whatsapp da und texten während der Kinovorstellung.

nordbuzz: Wie kann man erreichen, dass wieder etwas mehr Abwechslung in die Kinos einkehrt?

Boll: Das würde gehen, wenn die Studios wieder Geld ausgeben, um gute Filme zu bewerben. Aber das macht ja keiner. Es werden ja gute Filme gedreht, und drei, vier, fünf pro Jahr werden dann auch vernünftig beworben, damit ein „Spotlight“ dann einen Oscar bekommt. Aber die meisten Arthouse-Filme oder interessante Filme bekommen null Werbe-Unterstützung und floppen dann natürlich - oder sie kommen gar nicht mehr ins Kino.

nordbuzz: Wer trägt daran die Hauptschuld? Allein die Studios? Oder die Zuschauer, die ja auch einen gewissen Einfluss haben?

Boll: Sowohl als auch. Ich nenne als Beispiel meine 19-jährige Nichte. In Leverkusen lief mein letzter „Rampage“-Film, und ich sagte: Guck dir den doch mal an. Nach der Hälfte des Films gehe ich dann in die Lobby und sehe sie dort am Chatten. Einfach rausgegangen. Der letzte Film von Onkel Uwe - völlig uninteressant. Das Sehverhalten vieler Menschen ist mir überhaupt ein Rätsel.

nordbuzz: Inwiefern ein Rätsel?

Boll: Ich habe oft den Eindruck, die jungen Leute, die sonst zu Hause sitzen und ihre YouTube-Videos sehen, gehen nur ins Kino, um da dann zu sehen, dass mal jemand 150 Millionen Dollar ausgegeben hat. Nicht aber, um eine echte Story zu bekommen. Irgendwie ist da vieles verschütt gegangen - das Interesse und auch das Wissen. Wenn man heute jemanden im Kino fragt: Kennst du „There Will Be Blood“? - Die meisten haben keine Ahnung, was das ist. Kaum jemand kennt Daniel Day Lewis. In Mainz wurde ich kürzlich von einem Professor der Filmhochschule interviewt, und der meinte, seine Studenten kennen John Carpenter nicht. Das muss man sich mal überlegen!

„Ich wollte nie in dieses System“

nordbuzz: Sie waren immer jemand, der gut austeilen konnte, und Sie sind es bis heute. Wie hart geht der Filmschaffende Uwe Boll mit sich selbst ins Gericht?

Boll: Es gibt viele Filme, die ich im Nachhinein anders gemacht hätte oder anders hätte machen sollen. Aber ich denke, was ich aus den Budgets rausgeholt habe, war immer top. Handwerklich - Licht, Kamera, Kostüme, Effekte - waren meine Filme alle sehr gut. Allerdings waren viele Produktionen dramaturgisch nicht ausgereift, was letztlich sicher auch meine Schuld war. „Alone in the Dark“ etwa wurde sicher nicht auf einem optimalen Drehbuch-Level gedreht. Andererseits ist es auch so, dass aus solchen Videospielen einfach nicht viel rauszuholen ist. Was soll man aus einem Zombie-Spiel wie „House of the Dead“ schon machen? Da musst du halt einfach Gas geben und Zombies abknallen.

nordbuzz: In „Rampage 3: President Down“ lassen Sie es noch einmal richtig krachen. Der US-Präsident stirbt ...

Boll: Und dann schiebt man's schön ISIS in die Schuhe und schmeißt Atomraketen auf den mittleren Osten - ein Szenario, über das man in fünf Jahren womöglich schon gar nicht mehr lachen wird.

nordbuzz: Hat sich bei den Screenings jemand darüber beschwert, dass Sie den Präsidenten erschießen lassen?

Boll: Nö. (lacht) Selbst in Amerika interessiert das keinen. Die Leute denken sich nur „Aha, schönes Cover: so ein Robocop-Typ, der alles plattschießt“, und das war's.

nordbuzz: Sie leben derzeit in Kanada und Deutschland. Haben die USA, die gerade in Ihren letzten Filmen auch ein wichtiger Bezugspunkt waren, Sie denn auch mal gereizt?

Boll: Überhaupt nicht. Dazu muss man sagen: Ich hatte nie einen Manager oder einen Agenten, was im Rückblick natürlich total geschäftsschädigend war. Ich wollte aber auch nie in dieses System - ich fand Hollywood und die Leute da immer scheiße. Ich war auch nie bereit, mich da irgendwie anzupassen und bin dementsprechend auch nicht auf diese ganzen Partys gegangen.

nordbuzz: Bereuen Sie das manchmal: dass Sie nicht auf den Partys waren und da nicht die entsprechenden Kontakte geknüpft haben?

Boll: Aus beruflicher oder finanzieller Sicht wäre es sicher besser gewesen, wenn ich das alles gemacht hätte. Dann hätte ich aber wahrscheinlich auch nie so Filme wie „Darfur“, „Assault on Wallstreet“ oder andere radikale Sachen gemacht. Fakt ist: In den letzten fünf, sechs Jahren hätte mich da aber auch niemand mehr gewollt.

nordbuzz: Insgesamt scheinen Sie, trotz aller Kritik und Schwierigkeiten, aber doch zufrieden zu sein mit Ihrer Karriere als Filmschaffender.

Boll: Ja. Deswegen stehe ich jetzt ja auch nicht in Tränen vor den Leuten und heule herum, weil ich aufhöre. Ich hatte als Zehnjähriger den Traum, Filme zu drehen, und das habe ich umgesetzt. Das ist eine Sache, die mir wohl niemand absprechen wird: Mit großer Disziplin habe ich 25 Jahre durchgearbeitet und meine Ziele realisiert. Auch so einen Film wie „Schwerter des Königs“ für 65 Millionen Dollar zu drehen, hat Spaß gemacht. Von daher bin ich insgesamt sehr zufrieden.

„Ich habe mich nicht verstellt und meiner Natur freien Lauf gelassen“

nordbuzz: Sie wollten immer Filme drehen, die in der Realität verankert sind. Denken Sie, dass Sie mit Ihren Geschichten auch etwas bewegt haben?

Boll: Nö, das hab' ich nicht. Bei einzelnen Leuten vielleicht - dadurch, dass man mit den Leuten dann ins Gespräch kommt. Globalpolitisch habe ich aber nichts verändert, und das ist natürlich auch frustrierend.

nordbuzz: Inwieweit hat die Filmbranche Sie denn verändert?

Boll: In 25 Jahren verändert sich jeder, mit oder ohne Film. Aber klar: Die Zeit in dieser Industrie hat Spuren hinterlassen ...

nordbuzz: Wenn Sie von „Spuren“ reden: Seit vielen Jahren steht in beinahe jedem Artikel über Sie zuvorderst so etwas wie „Skandalregisseur“. Wissen Sie, welches Bild als erstes auftaucht, wenn man Ihren Namen googelt?

Boll: Ich mit dem Stinkefinger (lacht).

nordbuzz: Haben Sie dieses Krawall-Image bewusst gepflegt?

Boll: Damals, als ich Boxkämpfe mit Kritikern veranstaltet habe, sicherlich. Aber hinterher überhaupt nicht mehr. Ich wüsste auch nicht, wo ich noch große Skandale gehabt haben soll. Justin Bieber macht Skandale. Sex, Drogen, Rock'n'Roll, Verhältnisse mit irgendwelchen Schauspielerinnen - so was gab's ja nie bei mir.

nordbuzz: Sie traten aber doch immer kompromisslos auf und reagierten auf Kritik bisweilen recht forsch ...

Boll: Das ist aber, denke ich, sehr gut! Weil: So kriege ich's aus dem System heraus. Bei all den Kritiken, die ich zehn Jahre lang bekommen habe, hätte Tom Tykwer Selbstmord begangen. Andere Regisseure wären am Ende, und ich musste noch nicht einmal eine Psychotherapie machen (lacht). Ich habe mich da nicht verstellt und meiner Natur freien Lauf gelassen. Ich lasse mich eben von niemandem fertigmachen - das kommt überhaupt nicht in die Tüte. Ich habe ja auch wegen dieser Erdogan-Nummer Todesdrohungen bekommen, bevor ich zuletzt nach Deutschland kam. Habe ich deswegen einen Kinotermin abgesagt? Nein.

nordbuzz: Das muss man Ihnen lassen: Was auch immer man von Ihren Filmen hält, Sie haben bis zuletzt eine aufrechte Haltung bewahrt.

Boll: Das ist mir auch wichtig!

nordbuzz: Die 3.500 Euro an Erdogan haben Sie trotzdem gezahlt ...

Boll: Musste ich ja. Ich habe mich mit einem Äußerungsrechtler ausgetauscht, und natürlich war mein Video total beleidigend (lacht). Ich hätte unter Umständen noch mehr zahlen müssen ... Aber es hat ja nicht eine Zeitung mal darüber geschrieben, warum ich dieses Erdogan-Video gedreht habe: Ich sah, wie dieser Böhmermann isoliert wird und allein im Regen steht. Und so finde ich auch, dass wir, wenngleich auf einem anderen Level, Snowden und Assange alleine lassen - was scheiße ist, denn diese Leute haben unheimlich wichtige Dinge für uns geleistet. Da fehlt es an Zivilcourage!

„In meinem Fall war die Goldene Himbeere kompletter Schwachsinn“

nordbuzz: Als Sie Erdogan in Ihrem Video verbal heftig angingen, war Ihnen aber sicher klar, dass da etwas kommen würde ...

Boll: Ich hatte keine Ahnung, dass die wirklich das Internet scannen und versuchen, möglichst viele Leute dranzukriegen! Mich haben sie dann halt herausgefischt, weil ich doch bekannter bin als Kurt Schmidt. Von der einstweiligen Verfügung war ich aber schon überrascht. Ich bin dennoch der Meinung, dass man sich da nicht unterordnen darf und für Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung einstehen muss. Damals auch die Sache mit Charlie Hebdo: Ich finde, da hätte man die ganzen Mohammed-Karikaturen veröffentlichen müssen. Einfach nur, um zu zeigen: Wir können das, wir lassen uns nicht einschüchtern von euren blöden Todesdrohungen!

nordbuzz: Ihnen ging es bei der Erdogan-Geschichte also vor allem darum, Jan Böhmermann den Rücken zu stärken?

Boll: Natürlich! Die andere Sache dabei war aber Merkel, die null Selbstbewusstsein gegenüber der Türkei zeigt. Offenbar haben wir unsere deutsche Identität komplett aufgegeben, wenn es um dieses Thema geht. Da dürfen 30.000 Türken wie selbstverständlich in Köln demonstrieren und sagen: Deutschland ist scheiße! Warum demonstrieren wir nicht mal in Istanbul? Mal gucken, was da passiert! Das ganze Duckmäuserische nach dem Motto: Hauptsache die Türkei bleibt schön mit uns im Bett, egal ob hier ein zweiter Gaddafi im Anmarsch ist - das schockt mich einfach. Ich habe ja auch mit vielen Freunden gesprochen, vom Jura-Professor bis zum BKA-Hauptabteilungsleiter, und die haben alle genau meine Meinung.

nordbuzz: Was hätte die Politik aus Ihrer Sicht denn konkret anders machen sollen in der Angelegenheit?

Boll: Ich finde, Angela Merkel hätte einfach anrufen und auch mal ein unangenehmes Gespräch mit Erdogan führen müssen: Wenn du hier in Deutschland irgendwelche Leute verklagst, kommst du nie in die EU, und wir arbeiten aktiv daran, dass du aus der NATO fliegst. Solchen Leuten muss man dann eben einfach mal einen einschenken!

nordbuzz: Bevor es neue einstweilige Verfügungen gibt, zurück zum Film: Sie wurden 2009 mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet, einem Schmähpreis. Was macht man eigentlich mit so einem Ding?

Boll: Ich habe das Teil nie bekommen! Ich habe zu dem Zeitpunkt „Darfur“ gedreht und konnte an der Preisverleihung nicht teilnehmen. Dann habe ich denen ein Video geschickt aus Afrika, in dem ich mich bedankt und diese Typen natürlich auch noch mal wüst beschimpft habe (lacht). Da sagte ich dann: Bitte schickt die Himbeere an diese Adresse, ich möchte mir den Preis gerne ins Regal stellen. Und die sagten: „Nö, nur wer den abholt, kriegt den.“

„Vielleicht sagt Netflix mal: Nicht mehr Adam Sandler bekommt unser Geld, sondern Uwe Boll“

nordbuzz: Sie haben sich damals also einen Spaß daraus gemacht?

Boll: Natürlich. Man muss sich ja mal überlegen: Was ist denn die Goldene Himbeere? Dieser Award ist nur deshalb so bekannt geworden, weil er immer direkt vor den Oscars verliehen wird und weil eine gute PR-Maschine dahintersteckt. Ansonsten sind diese Leute, die die Himbeere vergeben, natürlich vollkommen unwichtig (lacht). In vielen Sachen haben sie vielleicht Recht. In meinem Fall aber war die Auszeichnung kompletter Schwachsinn. Die Goldene Himbeere habe ich ja für mein Lebenswerk bekommen ...

nordbuzz: Für das „schlechteste“ Lebenswerk!

Boll: Und für die damals aktuellen Filme „1968 Tunnel Rats“ und „Postal“, die im Gegensatz zu früheren Filmen wirklich überhaupt nichts mit der Goldenen Himbeere zu tun hatten. Bei „Alone in the Dark“ hätte ich mir noch vorstellen können, dass ich bei den Top 5 der schlechtesten Filme des Jahres war, aber nicht bei „Tunnel Rats“ - das ist ein super Film!

nordbuzz: Was bringt denn nun die Zukunft für Sie? Sie haben vor einem Jahr in Vancouver das Restaurant Bauhaus eröffnet, das auch hochwertige „German Classics“ anbietet. Sind Sie jetzt hauptberuflich Gastronom?

Boll: Sozusagen, ja. Aber ich verbringe damit nicht zehn Stunden täglich. Allerdings habe ich großen Einfluss auf die Speisekarte. So 'ne schöne Roulade, Tafelspitz, bald gibt's wieder Sauerbraten mit Klößen ...

nordbuzz: Kommt das denn an in Kanada?

Boll: Oh ja! Einen Sauerbraten oder Kartoffelklöße musst du natürlich erst einmal erklären. Aber sobald sie probieren, merken die Leute: Oh ja, das schmeckt richtig geil! Wir sind jetzt im zweiten Jahr, jetzt trägt sich die Sache auch finanziell, sodass man sagen kann: Ja, das wäre eine ganz gute Rente. Ich muss ja irgendwie sehen, dass ich unternehmerisch tätig bleibe und für die späteren Jahre Einkommen generiere.

nordbuzz: Aber mal ganz ehrlich: Mit dem Film haben Sie doch auch noch eine Rechnung offen. Sie sprudeln ja noch immer vor Leidenschaft für das Thema.

Boll: (lacht) Absolut ...

nordbuzz: Werden Sie denn an der Branche etwas vermissen?

Boll: Klar. Der Prozess des Filmemachens an sich, vor allem am Set mit den Schauspielern zu sein, das hat mir immer enorm viel Spaß gemacht - auch wenn das der körperlich anstrengendste Teil ist. Das fehlt mir natürlich jetzt schon. Vielleicht kommt ja irgendwann mal Netflix und sagt: Nicht mehr Adam Sandler bekommt unser Geld, sondern Uwe Boll, und der dreht für uns zwei Filme ...

tsch

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