Unfriend

Das Böse hat ein Facebook-Profil

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In „Unfriend“ wird einer Clique ein dämonischer Fluch zum Verhängnis, der sie über Facebook heimsucht.

Knarzen, Surren, Tod: In „Unfriend“ wird einer Clique ein dämonischer Fluch zum Verhängnis, der sie über Facebook heimsucht. Ihn zu stoppen scheint unmöglich.

Im Social-Media-Horror „Unfriend“ (2015) geht's Schlag auf Schlag: Laura (Alycia Debnam-Carey) beendet die Facebook-Freundschaft zu ihrer Stalkerin Marina (Liesl Ahlers). Die erhängt sich daraufhin und löst so einen Fluch aus. „Unfriend“ vereint Okkultismus und Social Media, ist dabei schaurig, aber ziemlich vorhersehbar. Mit gut einer Viertelmillion Besuchern ein passabler Kinoerfolg, erscheint der Film nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Die Psychologiestudentin Laura ist das beliebteste Mädchen im College. Ihre Freunde sammelt sie zu Hunderten auf Facebook. Doch dann nimmt Laura die Freundschaftsanfrage der mysteriösen Außenseiterin Marina an, ohne sich viel dabei zu denken. Marina beginnt sie zu stalken, postet krude Bilder von bestialischen Ritualen. Laura klickt entnervt auf „Unfriend“, und Marina bringt sich daraufhin um. Eine Leiche wird nicht gefunden.

Trotzdem taucht sie plötzlich wieder in der Freundesliste von Laura auf und ein Video ihres Suizids auf Lauras Facebookseite gleich dazu - Löschen unmöglich. Ihr einstiges Ansehen sinkt immer weiter, während ihre Freunde sich nach und nach wie im Wahn selbst richten. Immer dann, wenn die eigentlich tote Marina jemanden aus Lauras Bekanntenkreis als Facebook-Freund hinzufügt, beginnen irgendwann die Displays ihrer Handys oder Laptops zu knacken, schwarze Wespen surren umher und die Opfer finden sich in surrealen Horror-Räumen wieder, aus denen es kein Entfliehen zu geben scheint.

Das sind die starken Momente von „Unfriend“, in denen man wegschauen möchte, aber es nicht kann. Die Spannung wird über Minuten gehalten, bis das Opfer mit einem blutigen Knall letztlich stirbt. Die Bilder sind verzerrt, die Schreie klingen greifbar. Diese Szenen sind nichts für schwache Gemüter.

Als sich Laura dann allerdings vom langweilig theatralischen Billo-Soundtrack begleitet auf die Suche nach dem zu zerstörenden Quell des okkulten Rituals begibt, wird es lahm. Da hilft auch der plötzliche negative Sinneswandel des zum Mörder avancierten Freunds Kobe (Connor Paolo) als vermeintlicher Wachmacher nicht. Regisseur Simon Verhoeven schafft es weder auf der Bildebene noch durch die Geschichte, „Unfriend“ aus der Mittelmäßigkeit zu reißen. Obwohl der subtile Hinweis auf die Nachteile von Social Media gar nicht so schlecht daherkommt. Und obwohl man sich ab und zu ehrlich fürchtet.

tsch

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