Jetzt auf DVD und Blu-ray

„Herbert“: Milieustudie über gefallenen Boxer

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Der ehemalige Boxer „Herbert“ will sich in einer grandiosen Milieustudie nach einer niederschmetternden Diagnose mit seinem Leben aussöhnen und scheitert tragisch.

Ein Berg kommt ins Wanken: „Herbert“ ist eine hervorragende Milieustudie über einen ehemaligen Boxer, der sich mit dem Leben aussöhnen will.

Nein, es ist nicht nur ein kurzzeitiger Tatterich. Es ist schlimmer. Herbert (Peter Kurth) hat Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) - eine unheilbare Muskelkrankheit, die dem ehemaligen Boxer förmlich die Beine wegzieht. Ein Berg von Mann ist dem körperlichen Verfall anheimgegeben: Der „Stolz von Leipzig“ muss sich in einem der interessanten deutschen Filme der letzten Jahre durch den Rest eines Lebens quälen, in dem er viel versäumt hat. Im Kino vor wenigen Monaten kaum wahrgenommen, erscheint das ergreifende Melodram „Herbert“ (2015) nun auf DVD und als Blu-ray Disc.

Vor 30 Jahren war Herbert ein vielversprechender Boxer, einer der es beinahe zu den Olympischen Spielen geschafft hätte. Heute treibt er im Leipziger Milieu mit Nachdruck Geld ein und betreut als ehrgeiziger Trainer seinen Schützling Eddy (Edin Hasanovic). „Du wirst ein besserer Boxer, als ich es war. Du musst nur an dich glauben“, gibt Herbert seinem Schützling Eddy mit auf den Weg.

Er selbst aber wird den Glauben an sich verlieren. Erst sind es nur ein paar Krämpfe, dann spastische Anfälle: Mit der Diagnose ALS beginnt Herberts eigener letzter Kampf, den Regisseur Thomas Stuber als tragische Auseinandersetzung mit dem Leben inszeniert.

Die Krankheit ist unerbittlich, sie lähmt einen Mann, der immer stark war, aber auch einsam. Erst auf dem Weg zum Tod erkennt Herbert allmählich, dass es mehr gibt im Leben als Boxen und Inkasso-Jobs. Doch umso mehr er sich um Aussöhnung mit seiner Tochter Sandra (Lena Lauzemis) bemüht, um so mehr zeigt sich sein Talent, die Menschen von sich wegzustoßen.

So leise und eindringlich der Film ist: Jede Einstellung in „Herbert“ ist großes Kino, die Bilder sind unmittelbar und schonungslos, sie erzählen von Verfall und Zerstörung, aber entbehren nicht einer respektvollen Würde. Mit einer herausragenden Leistung spielt Peter Kurth einen Mann, der noch einmal alles richtig machen will und dabei auf tragische Weise scheitert. So ist „Herbert“ nicht nur eine präzise Milieustudie, sondern vor allem ein Drama, das zutiefst bewegt und bisweilen richtig wehtut.

tsch

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