Moderner „Bewegtbild-Campus“

Die Bavaria von morgen

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Die Bavaria Film bei München hat das Geschäftsjahr 2015/2016 im Konzern mit einem Umsatzerlös in Höhe von 202,3 Millionen Euro abgeschlossen.

Serie, Show, Film und digitale Medien: wie die Münchner Bavaria als „moderner Bewegtbild-Campus“ die Zukunft plant.

Natürlich wird ein Film wie dieser wichtig fürs Image sein. Dass „Snowden“ fast ausschließlich in München gedreht wurde, war der letzte große internationale Film-Coup der Bavaria Film. Weitere sind derzeit nicht in Aussicht. Aber ab 16. September wird hierzulande das Publikum eben nicht nur über Oliver Stones Whistleblower-Abenteuer mit Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle sprechen. Die Branche nimmt darüber hinaus wieder einmal zur Kenntnis, dass im Süden Deutschlands großes Kino entstehen kann. Nichtsdestotrotz ist der Wettbewerb in Europa hart, auch aufgrund der Fördergelder-Situation hierzulande. Noch viel wichtiger indes für die Bavaria Film, das machten deren Geschäftsführer Dr. Christian Franckenstein und Achim Rohnke bei einem Treffen mit Journalisten in München deutlich, seien aber ohnehin serielle Produktionen einerseits und das zunehmende Engagement in Sachen Show andererseits. Stefan Raab sei Dank.

ProSiebenSAT.1 denkt nach dessen Weggang durchaus auch wieder regional und richtete unter anderem das „ProSieben Länderspiel“ bei der Bavaria aus. Aber auch bei anderen Produktionen wie „The Taste“ (SAT.1) habe man punkten können, dank bester technischer Voraussetzungen und des bereitgestellten Personals. Ohnehin sei die Bereitschaft auch der Privatsender zur Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlich geprägten Produktions- und Dienstleistungsunternehmen Bavaria groß.

Nicht nur bei der Produktion von Shows, sondern auch von fiktionalen Serien sehen Franckenstein und Rohnke positive Tendenzen. Auch wenn das finanzielle Engagement zum Beispiel von Netflix in Deutschland im Vergleich zu öffentlich-rechtlichen Sendern minimal sei, so gehe doch ein Signal von den VoD-Anbietern aus. „Wir legen Wert auf ein serielles Fundament“, erklärt Franckenstein und verweist auf erfolgreiche Produktionen wie „Die Rosenheim-Cops“, „Dr. Klein“, „In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte“, „SOKO Stuttgart“ und natürlich „Sturm der Liebe“. Die Daily erweist sich auch international als Bestseller. Mit „Falk“ entsteht ab Herbst darüber hinaus eine neue Hauptabendserie für die ARD. Bereits jetzt laufen die Dreharbeiten für die Vorabendserie „WaPo Bodensee“ mit Floriane Daniel. Und über allem steht „Das Boot“, das die Bavaria Film und Sky Deutschland als achtteilige Serie zurückbringen werden. Wenig Hoffnung macht man sich derweil auf eine neue tägliche Serie, wie es sie über Jahre mit dem „Marienhof“ in München gab.

Beim Münchner Termin gaben die beiden Geschäftsführer darüber hinaus Auskunft über die finanzielle Situation der Bavaria Film. Das Geschäftsjahr 2015/16 wurde im Konzern mit einem Umsatzerlös von 202,3 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis von 6,9 Millionen Euro abgeschlossen. „Eine solide Leistung“, wie Franckenstein betonte, mit der die Vorjahreszahlen übertroffen wurden. Mittelfristig seien jedoch Steigerungen notwendig. Jedoch liege zunächst der Schwerpunkt auf der „Straffung der Beteiligungaktivitäten als Voraussetzung für gezieltes Wachstum in der Zukunft“. Ziel sei und bleibe es zunächst, Führung und Steuerung des einst sehr „heterogenen Portfolios“ zu vereinfachen.

Zu diesem Zweck wurden drei Geschäftsbereiche geschaffen: „Contents“, also die eigentliche Produktion, „Rights & Distrubution“ sowie die Bavaria Studios & Production Servies GmbH. Hinzu kommen zwei sogenannte „Segmente“, die zum einen das Immobiliengeschäft, zum anderen die Finanzbeteiligungen des Unternehmens umfassen. Ziel sei es, die Bavaria Film GmbH auf diesem Wege zu einem modernen „Bewegtbild“-Campus auszubauen, der neben den bekannten Engagements zunehmend auch rein digitalen Medien eine Heimat bietet. Schon jetzt gibt es die „creative.forge“, ein Projekt , das aktiven Web-Video-Kreativen kostenfreien Zugang zu professionellem Equipment bietet.

Die neue Struktur, so Franckenstein, sei jedoch keineswegs starr, sondern unterliege einem evolutionären Prozess. Ziel dabei: Durch Veränderungen im Beteiligungsportfolio und eine Erhöhung von Anteilen bei einzelnen Unternehmen soll weiteres Wachstum erreicht werden, das bei wachsenden Fixkosten zwingend sei. Zum 1. Juli wurde der Home-Entertainment- und Logistik-Spezialist Eurotape Media Services GmbH an die Nordkurier Mediengruppe verkauft. Der Technikservice-Dienstleister Bavariapool Services GmbH wurde indes zu 100 Prozent in die Bavaria Studios Gruppe überführt.

An die 1.300 Mitarbeiter beschäftigt das Münchner Unternehmen derzeit. Es liegt in Grünwald bei München, das Gelände umfasst rund 30 Hektar. Rund 30 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in die Entwicklung der Studios investiert. Was langfristig bleibt, sind hingegen Nachteile durch die mangelnde Verkehrsanbindung. Zu den Studios führt derzeit nur eine Straßenbahn, eine Anbindung an S- oder U-Bahn ist nicht in Sicht. Zudem ist die Fahrtstrecke zum Flughafen mit über 60 Kilometern relativ weit. Ein klarer Standortnachteil zum prosperierenden Unterföhring bei München. Dennoch gilt, so Rohnke: „Wir wollen unseren Campus auf Augenhöhe mit den anderen und neu entstehenden Medienstandorten im Großraum München bringen.“

tsch

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