Die DFL hat die Bundesligarechte neu verteilt - zum Rekorderlös

Aufatmen bei „Sportschau“-Fans und Sky-Kunden

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Das kostbarste Gut am deutschen TV-Rechtemarkt: die Fußballbundesliga.

Die DFL knackt mit der Neuverteilung der Bundesligamedienrechte erstmals die Einnahmenmarke von einer Milliarde Euro pro Saison. Die Fans bekommen die Spiele auf weitgehend identischen Wegen zu sehen wie bisher.

Fußball ist eben doch kein einfaches Spiel. Seit Hinz und Kunz mit hochgestochenen Taktikbegriffen um sich werfen, ist die Einsicht weit verbreitet. Richtig kompliziert wird es allerdings erst, wenn es um Fragen der TV-Rechtevergabe geht. Um vor allem die wild prosperierende englische Premier League nicht vollends aus den Augen zu verlieren, hat die Deutsche Fußball Liga im Vorfeld der Lizensierung ab der Spielzeit 2017/18 nicht weniger als acht unterschiedliche Rechte-Pakete geschnürt. Motto: Viel hilft viel. Mit 1,16 Milliarden Euro pro Spielzeit und 4,64 Milliarden Euro in Summe darf sich DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nun tatsächlich über den erhofften Rekorderlös freuen. Nach all der medialen und auch juristischen Aufregung im Vorfeld ist man gleichwohl fast erleichtert festzustellen: Gar so viel im Vergleich zum Status quo ändert sich für den Zuschauer nicht.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus Fan-Sicht: Die traditionelle „Sportschau“ der ARD wird weiterhin am Samstagabend als Erstes Bundesligaspielzusammenfassungen im Free-TV zeigen. Und auch bei Sky und seinen Kunden darf man aufatmen: Der Pay-TV-Anbieter, für den die Fußballrechte von existenzieller Bedeutung sind, bleibt laut Selbstbeschreibung „Heimat der Bundesliga“. Von den 612 Bundesligapartien, die zwischen 2017 und 2021 ausgetragen werden, überträgt Sky den Löwenanteil live, nämlich 572. Hinzukommen erstmals alle Spiele der 2. Bundesliga exklusiv und live, einschließlich des Topspiels am Montagabend. Ein Nackenschlag für den Spartensender Sport1, der mit dem Montagsspiel im „Unterhaus“ zuletzt einen Quotengaranten im Free-TV hatte. Immerhin: Im Umfeld des Sport1-Talk-Klassikers „Doppelpass“ dürfen sonntags weiterhin Bilder der 1. und 2. Bundesliga gezeigt werden.

Ungetrübte Freude hingegen bei der Konkurrenz von Eurosport: Der zu Discovery Networks gehörende Sender erwarb das „Rechtepaket A“. Der Inhalt: 40 Live-Bundesligaspiele pro Saison. Und zwar jene, die am Freitag (20.30 Uhr), Sonntag (neue Ausweichanstoßzeit: 13.30 Uhr) sowie neuerdings in wenigen Ausnahmefällen auch am Montag (20.30 Uhr) angepfiffen werden. Im Free-TV werden die Übertragungen allerdings nicht zu sehen sein. Eurosport schützt das wertvolle Gut hinter der Bezahlschranke, was auch für die Übertragung der Relegationsspiele zwischen der 1. und 2. Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga sowie des Supercups gilt.

Das ZDF behält derweil seine bestehenden Zweitverwertungsrechte. Im „aktuellen sportstudio“ wird also auch künftig samstags zu vorgerückter Stunde auf das Geschehen in Deutschlands höchster Fußballspielklasse in Bewegtbild und Ton zurückgeblickt. Darin weiterhin eingeschlossen: die Free-TV-Erstverwertung des sogenannten „Top-Spiels der Woche“ (Anstoß: Samstag, 18.30 Uhr). Darüber hinaus hat das ZDF die Live-Übertragungsrechte am Saison-Eröffnungsspiel, dem Rückrunden-Eröffnungsspiel und - neu - einem Spiel zum Abschluss vor der Winterpause erworben, die jeweils freitags ausgetragen werden und bisher im Ersten zu sehen waren. Auch den DFL-Supercup sieht man ab 2017 live im Zweiten.

Bislang nicht vergeben wurden zwei Pakete: die Highlight- Zusammenfassungen der 2. Bundesliga im Free-TV am Freitag und Sonntag sowie ein Paket zur nachgelagerten Free-TV-Zusammenfassung am Montagabend über alle Bundesliga-Begegnungen des gerade abgelaufenen Spieltages. Über die Verwertung dieser Pakete werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, heißt es in einer DFL-Erklärung, „da die bisherigen Gebote nicht den Vorstellungen der DFL entsprochen haben“. Heißt im Klartext: Will Sport1 weiter die montägliche „Spieltaganalyse“ im Programm behalten, muss das Angebot nachgebessert werden.

DFL-Chef Christian Seifert bezeichnete das Ausschreibungsergebnis als „wichtigen Schritt mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des deutschen Spitzenfußballs“. Die Bundesliga habe nun „beste Voraussetzungen, weiterhin zu den drei umsatzstärksten Fußball-Ligen der Welt zu gehören und damit Spitzensport auf höchstem Niveau zu präsentieren“.

Dessen ungeachtet droht der Lizenzvergabe noch ein juristisches Nachspiel. Laut Medienberichten will Sky gegen die sogenannte „Single-buyer-rule“ gerichtlich vorgehen. Das Bundeskartellamt hatte im Vorfeld ein Alleinerwerbsverbot für die Live-Rechte verhängt. Hätte Sky wie bisher sämtliche Live-Rechte exklusiv erworben, wäre ein zusätzliches Paket mit Internet- und Online-Rechten ausgeschrieben worden.

tsch

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